Er ist das Gesicht, das die Generation der Babyboomer in Schwarzweiss-Fernsehbildern auf den Mond begleitet hat: Bruno Stanek hat dem Schweizer TV-Publikum erklärt, was man auf den Bildern der Mondlandung von 1969 sah, und auch das, was man nicht sah. Er kommentierte seither den Wettlauf der Supermächte im Weltall und ist bis heute ein gefragter Referent zu den Themen der Raumfahrt.

Auch wenn die Euphorie nicht mehr die ganze Gesellschaft erfasst wie in den 60er-Jahren, ist das interessierte Publikum immer noch gross genug, um Säle füllen zu können. So auch am Wochenende den Gemeinderatssaal im Grenchner Parktheater, wo Stanek anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Astrogruppe der Jurasternwarte Grenchenberg ein grosses Publikum mit seinen Ausführungen fesseln konnte.

Wer glaubte, der inzwischen 73-jährige Stanek werde nur von den «guten alten Zeiten» schwärmen, als die (staatlichen) Investitionen in die Raumfahrt noch reichlich flossen, täuschte sich. «Heute ist wieder so viel los im Weltraum», meinte Stanek begeistert und konnte darüber fast zwei Stunden referieren.

Von Planeten und Asteroiden

Ein erster Teil war der Erforschung der Planeten und Asteroiden gewidmet mit spektakulären HD-Bildern von der 9-jährigen Reise der «New Horizons»-Mission zum Planeten Pluto (die Sonde fliegt inzwischen weiter zu einem weiteren Himmelskörper ausserhalb unseres Planetenystems), mit Informationen zur Erforschung der Jupitermonde («Titan ist ein riesiger gefrorener Wassertropfen»), des Kleinplaneten Ceres im Asteroidengürtel oder von der spektakulären Landung auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko.

Stanek gab auch eine Einschätzung darüber ab, wieso die erste europäische Landung auf dem Mars vor einigen Tagen gescheitert ist. Einerseits sei dafür ein Softwarefehler verantwortlich, anderseits sei es riskant gewesen, den Planeten direkt anzufliegen und nicht von einer vorher eingenommenen Umlaufbahn (Orbit). Er macht kein Hehl daraus, dass er die Amerikaner in grossen Teilen für kompetenter hält, allein schon aufgrund ihrer grossen Erfahrung im «planetarischen Billard», wie Stanek es nennt.

Die Amerikaner seien seit 1976 schon siebenmal erfolgreich auf dem Mars gelandet. «Die ganz grossen Könner sitzen hier in Pasadena, und wer glaubt, man könne ihnen das leicht nachmachen, täuscht sich.» Anderseits begegne ihm im Alltag auch immer wieder die Arroganz des Unwissenden: «Die Amis sind gar nie auf dem Mond gelandet», heisst es dann etwa. Die Faktenresistenz geht inzwischen sogar so weit, dass auch die Fotos der zurückgebliebenen Landefähren, die inzwischen möglich sind, nicht zur Kenntnis genommen würden.

Private haben die Nase vorn

Im zweiten Teil des Vortrages äusserte er selbst aber auch Kritik an der amerikanischen Weltraumagentur Nasa, die seiner Einschätzung nach verbürokratisiert, verpolitisiert und träge geworden ist. Dies ist die Stunde der amerikanischen Selfmade-Milliardäre namens Burt Rutan, Richard Branson («Virgin»), Jeff Bezos («Amazon»), Paul Allen («Microsoft») oder Elon Musk («Tesla»), die alle mehr oder weniger grosse Weltraumaktivitäten anstreben.

Längst würden die Privaten der staatlichen Nasa den Schneid abkaufen. Grosse Stücke hält Stanek dabei insbesondere auf Elon Musk, der es als Erster fertigbrachte, eine Raketenstufe zur Wiederverwendung auf die Erde zurückzubringen, was lange Zeit als nicht machbar galt. «Er hatte den Mut und das Geld, trotz Rückschlägen weiterzumachen.» Inzwischen hätten Musks Raketen bezüglich dem Verhältnis Eigengewicht zu Nutzlast die Nase klar vorn.

Bald auch zum Mars?

Stanek traut ihm prinzipiell auch zu, dass er das Zeug hat, Menschen zum Mars zu fliegen. Zum Beispiel mit einer Riesenrakete, die wegen der starken Schwerkraft der Erde erst in einer Erdumlaufbahn von einem zweiten Raumschiff betankt wird. «In einigen Jahrzehnten könnte auch diese Vision Realität werden.»

Bruno Stanek ist übrigens auch ein fleissiger Blogger und hält sich dort (wie auch am Vortrag) mit seinen politischen Ansichten nicht zurück.