Die Wohnung an der Schlachthausstrasse 24 im Elternhaus von Hans Kohler verrät die Handschrift eines vielseitigen Interessierten, eines sorgfältigen und leidenschaftlichen Sammlers: eine Vielzahl von Alben, dazu Vitrinen mit Kollektionen von Modell-Limousinen oder Fabergé-Eiern (doch, doch, die seien echt). An den Wänden hängen kunstvoll gerahmte Stiche und Reproduktionen - eines Honoré Daumier etwa - neben Gemälden des österreichischen Genre- und Porträtmalers Albert Janesch, wobei eines Hans Kohler selber zeigt.

Alles wirkt sauber und ordentlich, versprüht aber zum Glück nicht jenen zweifelhaften properen Charme, in welchem man sich mehr wie in einem Museum denn wie in einer belebten Umgebung wähnt. Den Haushalt verrichtet er immer noch selber. Die letzten Jahre hat er zudem seine kranke Frau gepflegt, die vor kurzem gestorben ist und die ihm jahrzehntelang eine treue Lebenspartnerin gewesen ist. «Ich bin immer noch traurig, tue mich schwer beim Verarbeiten des Verlustes», beschreibt Hans Kohler seine Gefühle.

Drei Bücher über Grenchen

Er selber ist körperlich wie geistig noch sehr fit, sein Erinnerungsvermögen eindrücklich. Er irrt sich kaum in den Jahreszahlen, auch wenn die erörterten Geschehnisse schon lange zurückliegen. Schliesslich verkörpert er mit seinem Werk auch das Andenken an ein früheres Grenchen, an seinen Wandel.

Drei Bücher mit Postkarten, Fotos, Bildern und anderen Dokumenten hat er veröffentlicht: «Gruss aus Grenchen» (1985), «Grenchen in alter Zeit» (1990) und «Damals in Grenchen» (2003). Zwei Ausstellungen im Kunsthaus wurden ebenfalls zu Publikumsmagneten. Besonders gute Erinnerungen hat er an jene von 1986: «Die Solothurner Regierung erschien in corpore und nicht weniger als 6000 Personen wollten sich die Exponate ansehen.»

1996 erhielt er den Grenchner Kulturpreis. Leute wie Adolf Ogi oder der ehemalige Eta-Direktor Anton Bally gratulierten neben zahlreichen anderen und das Schweizer Fernsehen besuchte ihn mit einem Redaktionsteam von «Schweiz aktuell». Seine Heimatsammlung, die als Ganzes einmalig und für die Grenchner Lokalgeschichte von hervorragender Bedeutung ist, hat er vor einigen Jahren dem Kultur-Historischen Museum übergeben. Das war nicht selbstverständlich. «Aber die jetzige Führung leistet hervorragende Arbeit und ich bin sicher, dass sie die Sammlung mit der gleichen Liebe und Vorsicht behandelt, wie ich das tun würde», meint er dazu.

Mit Franz Lehàr befreundet

Vieles ist von und über Hans Kohler bekannt. Wenige dürften aber wissen, dass er auch eine freundschaftliche Beziehung zum grossen österreichischen Komponisten Franz Lehàr pflegte. «1942 habe ich ihm während seines Aufenthaltes im Zürcher Baur au Lac geschrieben. Daraus hat sich dann eine schöne Freundschaft ergeben», erklärt er und untermauert seine Ausführungen mit diversen Schreiben und Dokumenten.

Ursprünglich hat Hans Kohler - oder John, wie er von vielen seit der Schulzeit genannt wird - seine kaufmännische Ausbildung bei der Garage Fischer (neben der Löwenkreuzung) absolviert. 1941 trat er in die Stadtverwaltung ein, arbeitete auf dem Kriegsvorsorgeamt, dem Arbeitsamt und dann jahrelang als Sekretär auf der Finanzkontrolle.

Ab 1964 und bis zur Pension war er danach Kassier bei der damaligen Kantonalbank. Aber was sagt der Fachmann zum heutigen Wandel in der Stadt: «Natürlich sind einige erhaltenswerte Gebäude wie die «alte Post» leider verschwunden. Nun ist aber eine Generation am Werk, welche wieder vermehrt zu historischen Gebäuden schaut. Grenchen macht mir nach wie vor Freude und ich werde auch eines Tages hier sterben.»

Hans Kohler wird auch weiterhin sammeln und sich seiner zweiten grossen Passion, dem Fotografieren, widmen. Für dieses Mal ist aber die «Audienz» beendet. «Ich muss mich noch etwas frisch machen und auch rasieren», erklärt er. Schliesslich wird er, wie so oft, in einem der angesagten Restaurants in der Umgebung das Mittagessen einnehmen. Und in der Öffentlichkeit zeig sich der 95-Jährige noch immer in der Manier und Aufmachung eines Gentlemans.