Grenchen
Er ist das neue Gesicht des Regionalflughafens

Am Mittwoch tritt der neue Flugplatzleiter, Ernest Oggier, seine Stelle an. Der Walliser vereint in sich die Kenntnisse eines Piloten und die eines Managers. Über die Zukunft des Regionalflughafens hat er sich bereits eine Meinung gebildet.

Oliver Menge
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Ernest Oggier ist der neue Flugplatzleiter in Grenchen

Ernest Oggier ist der neue Flugplatzleiter in Grenchen

Oliver Menge

«In meinem ganzen Leben bin ich immer mit den Herausforderungen gewachsen», sagt Ernest Oggier, der neue Direktor des Regionalflughafens Grenchen (RFP), der am 1. August offiziell seine Arbeit antritt. Der 51 jährige Oggier wurde vom Verwaltungsrat des Flughafens vor einigen Wochen aus mehreren Kandidaturen einstimmig gewählt.

Und er freut sich sehr auf den neuen Job und darauf, dem Flughafen wieder ein Gesicht zu geben. «Der Platz Grenchen ist bekannt: Sechs Flugschulen - darunter die SAT «Swiss Aviation Training» welche die künftigen Airline Piloten ausbildet - die Businessfliegerei; der Flughafen hat eine grosse, volkswirtschaftliche Bedeutung. Das spornt mich an.»

Oggier direkt unterstellt sind 12 Mitarbeiter, aber rund 150 Personen sind in den angegliederten Bereichen tätig, wie im Unterhalt, der Flugsicherung, bei Airtaxi-Unternehmen, bei den verschiedenen Vereinen wie Skydive, der Modellfluggruppe, der Segelfluggruppe, der Motorfluggruppe Olten und vielen mehr. Ein «grosser Laden», in welchem den Flughafenleiter vielfältige Aufgaben erwarten, wie er sagt. «Mit Menschen zusammenzuarbeiten, das macht das Salz in der Suppe aus», sagt Oggier, der grossen Respekt vor der Komplexität des Flughafens hat, wo es auf das Zusammenspiel aller Beteiligten ankomme und wo Sicherheit das oberste Gebot ist.

«Ich trage in meiner Funktion zwei Hüte: Einerseits bin ich Flugplatzleiter und habe dafür eine persönliche Zulassung der Aufsichtsbehörde des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl), andererseits bin ich Direktor des Unternehmens «Regionalflughafen», muss den Flughafen gewinnbringend betreiben und bin in dieser Funktion dem Verwaltungsrat und den Aktionären verpflichtet.»

Die Auflagen und Regulationen in der Luftfahrt würden immer strenger und aufwendiger, und damit auch kostenintensiver; auf der anderen Seite seien die Ressourcen begrenzt. Die Taxen und Gebühren müssen konkurrenzfähig gehalten werden. Neben den Einnahmen aus Landetaxen, Treibstoffverkauf und anderem, sind auch die flughafennahen Geschäfte wichtig für den RFP, sagt Oggier. «Spannend wird für mich auch die Zusammenarbeit mit dem Regulator Bazl, welches ganz wesentlich die Rahmenbedingungen gestaltet, wie auch mit der Skyguide, welche in Grenchen für die Flugverkehrsleitung verantwortlich ist. Wir vom Flughafen stellen die Infrastruktur bereit, welche dann von Skyguide bewirtschaftet wird - und sorgen für ‹Kunden›».

Von Kindheit an fasziniert

Oggier wuchs im Wallis in Turtmann zwischen Visp und Leuk, direkt neben einem Militärflugplatz, auf. «Die Fliegerei hat mich seit meiner Kindheit begleitet». Seine Schwester erlangte früh eine Privatpilotenlizenz, hörte aber aus familiären Gründen mit der Fliegerei auf. Richtig zur Luftfahrt kam Oggier selber relativ spät, wie er erzählt. Erst im Jahr 2004 machte er seine Privatpilotenlizenz. Oggier beschloss, in die Luftfahrtindustrie einzusteigen: Er wurde bei der Firma Mecaplex in Grenchen Verkaufsleiter. Die Mecaplex AG ist ein hochqualifizierter Nischenplayer in der Luftfahrtindustrie. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Flugzeug-Verglasungen.

Nach 4 Jahren wechselte Oggier in die Uhrenbranche zu Stettler Saphire und übernahm den Bereich Forschung und Entwicklung. Oggier war Mitglied der Geschäftsleitung und die Führungsfunktion in einem völlig neuen Gebiet faszinierte ihn. Aber irgendwann stellte er fest, dass ihm etwas fehlte und die Arbeit ihn nicht mehr befriedigte. «Mir schien die Zeit gekommen wieder in der Luftfahrt tätig zu werden.» Als die Stelle des Flughafendirektors ausgeschrieben wurde, habe er sich beworben. Sein Wissen als Pilot könne er mit den erworbenen Kenntnissen im Bereich Management verbinden.

Der Walliser hatte schon früher eine bewegte berufliche Vergangenheit: In Biel absolvierte Oggier seine Ausbildung zum Elektroingenieur, war später bei Alusuisse in Steg angestellt. Anschliessend trat er in die Telekom PTT ein. 1998 gründete Swisscom die Regionen und Oggier leitete im Bereich technischer Kundendienst die Romandie mit rund 250 Servicetechnikern. Berufsbegleitend schloss er an der Universität Fribourg sein MBA ab (IIMT). Dort erlangte er das Rüstzeug für den Sprung vom Ingenieur ins Management. 2004 redimensionierte die Swisscom, sie entliess Hunderte von Mitarbeitern, unter ihnen auch Oggier. Er nutzte die Zeit und liess sich zum Piloten ausbilden. Er ging dabei den «klassischen Weg» vom Modellflug, dem er nun seit 38 Jahren frönt, ins «richtige» Cockpit. Oggier ist auch Mitglied der Grenchner Modellfluggruppe. «Viele hören mit dem Modellflug auf, wenn sie in die ‹richtige› Fliegerei einsteigen, ich blieb meinem Hobby weiter treu».

Aber auch selber fliegen gehört zu seinen Hobbys, am liebsten in schnellen Reiseflugzeugen, wie dem Turbo Arrow. Daneben betreibt er Sport und absolvierte vor kurzem seinen zweiten Fallschirmabsprung zusammen mit seinen zwei Söhnen. Seine Frau und seine Tochter unterstützen ihn tatkräftig auch bei seinem nun wichtigen Schritt als Flughafendirektor.

Technische Entwicklung geht weiter

Auch zum Thema Pistenverlängerung hat sich Oggier bereits eine Meinung gebildet: Eine Pistenanpassung sei notwendig, sagt er. «Es kann ja nicht sein, dass Business-Flugzeuge von Grenchen aus starten, aber wegen der Piste nicht voll betankt werden können und nach kurzem Flug zwischenlanden müssen, um zu tanken.» Dieser Problemkreis sei aber Teil der strategischen Entwicklung des RFP, und in dieses Gebiet müsse er sich zuerst einarbeiten. Es gebe andere Dinge, die an die Hand genommen werden müssen, sagt Oggier, wie zum Beispiel die künftigen An- und Abflüge über GPS-Verfahren. GPS Navigation sei auch in der Luftfahrt die Zukunft und erlaube, An- und Abflüge auch nach umweltseitigen Aspekten zu gestalten und zum Beispiel lärmsensible Gebiete zu umfliegen.

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