Arbeitsplatz Flughafen
Er hat sogar schon einmal ein Flugzeug der UNO repariert

Paul Diener ist auf dem Flughafen Grenchen der Spezialist für Flugzeugbemalung und Flugzeug-Spenglerei.

Nadine Schmid
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Paul Diener verleiht den Fliegern ein attraktives Outfit.

Paul Diener verleiht den Fliegern ein attraktives Outfit.

Oliver Menge

Seit 2015 ist Paul Diener mit seiner Diener Aviation Services AG in einem Hangar am Grenchner Flughafen tätig. Davor war die Firma für über 20 Jahre bei Jet Aviation in Zürich stationiert. Das Metier von Diener: das Lackieren und Spenglern von Flugzeugen. Viele seiner Kunden stammen aus Grenchen, jedoch kommen auch etliche von ihnen aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland, da es nicht viele Lackierer in Europa für Sportflugzeuge gibt. Seit Diener zudem letztes Jahr mit Bootfahren angefangen hat, ist ein zweites Standbein dazugekommen: das Lackieren von Booten und Jachten.

Serie

Jobs auf dem Flughafen

Der Flughafen ist für Grenchen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In unserer Serie «Arbeitsplatz Flughafen» stellen wir verschiedene Menschen, Firmen und Tätigkeiten vor, die man auf dem Flughafenareal antrifft. Heute sind wir bei Paul Diener. Er ist der Crack für Flugzeugbemalungen schlechthin. Diener erzählt von seinem Alltag am Grenchner Flughafen und von seinem bisherigen Berufsleben, das ihn auch in ein Land mit Bürgerkrieg führte.

Nun, im Sommer, gibt es nicht viel zu tun. «Dann sind die Flugzeuge in der Luft, die Boote im Wasser. Jetzt will niemand lackieren», so Diener. «Im Moment laufen aber bereits die Reservationen für den Herbst und Winter; vom Herbst bis zum Frühsommer läuft der Betrieb auf Hochtouren, dann arbeiten wir fast immer 120 Prozent.» Doch es sei nicht so, dass in der heissen Jahreszeit gar nicht lackiert würde. «Wenn es zu einem Notfall kommt, dann sind wir gefragt.» So sei beispielsweise kürzlich über einem Sportflugzeug in einem Hangar eine Batterie explodiert. «Die Säure der Batterie hat sich über das Flugzeug ergossen. Da muss schnell gehandelt werden, da Säure ein Flugzeug stark beschädigen kann.» Auch Aufträge des Flughafens nimmt die Firma entgegen: Anfang Juli haben sie so dem Flieger auf dem Spielplatz einen neuen Lack verpasst.

Bei den Flugzeugen wird ein anderer Lack verwendet als beim Auto. Die Farben müssen für Flugzeuge zertifiziert sein. «Dieser Lack ist UV-beständiger, was für Grossflugzeuge natürlich wichtiger ist, da diese in weitaus höheren Lagen fliegen als Sportflugzeuge.» Auch sei der Flugzeuglack resistenter gegen Chemie. «Oft wird vom Hersteller sogar definiert, welcher Lack verwendet werden muss.» Dabei kämen die Kunden oft bereits mit einer Vorstellung eines Designs zu ihm, dies sei oft einfacher Natur, wie beispielsweise eine einzelne einfarbige Linie.

In Angola bei Kriegswirren

Das Lackieren von Flugzeugen sei spannender als in anderen Industriezweigen. Diener hat erst Autos repariert. Er sei mehr zufällig in das Lackieren von Flugzeugen hineingerutscht. In Chur aufgewachsen, ist er von dort weggezogen, um 1984 bis 1987 als Flugzeugspengler bei der Swissair zu arbeiten. 1987 hat er sich selbstständig gemacht, wodurch er viel herumkam. So verbrachte er mehrere Monate in Afrika, unter anderem in Libyen. In Angola hat er gar den Bürgerkrieg miterlebt.

Fliegerlatein

«Taxiway»

Der Begriff Taxiway bezeichnet die Rollbahn oder auch den Rollweg in der Luftfahrt, wie Paul Diener erklärt. Dies sind die Verbindungswege zwischen Start- und Landebahn und dem Vorfeld eines Flugplatzes. Wenn ein Flugzeug in Grenchen über den Taxiway an den Start fährt, ist es bereit, um abzuheben und damit auf Vordermann gebracht – idealerweise bei Diener Aviation.

Damals habe er als Freelancer einen Auftrag der UNO angenommen, ein Flugzeug zu reparieren. Die UNO hatte sieben Flieger nach Angola geschickt mit Lebensmitteln, eines wurde beschädigt. «Damals war ich jung und das Abenteuer hat mich gereizt», erinnert sich Diener. Er habe viel Entsetzliches gesehen. «Es herrschte grosse Armut. Wegen der Landminen haben viele Menschen ein Bein verloren. Immer wieder kam es zu Schiessereien. Wir mussten uns in einem Container verschanzen. Bevor es dunkel wurde, mussten wir in unsere Unterkunft zurückkehren.» Erschütternd sei es gewesen, wie die Menschen jedes einzelne Korn vom Boden sammelten, um etwas zwischen die Zähne zu bekommen.

Der Letzte in der Kette

Mitte der Neunzigerjahre wurde Diener von der Jet Aviation gefragt, ob er die Lackiererei übernehmen wolle. Damals arbeitete er noch an Flugzeugen von einer Länge bis 25 Metern, an denen er Spenglerarbeiten und Lackierungen vornahm. Die Firma habe dann aber beschlossen, 2015 die Spenglerei und Lackiererei selber zu machen. Jetzt in Grenchen liegt Dieners Fokus auf Sportflugzeugen. «Früher waren wir in meiner Firma zu sechst, seit dem Umzug nach Grenchen und dem neuen Fokus habe ich mein Personal reduziert.» Das Team setzt sich aus einem Spengler, einem Hilfslackierer und ihm selbst zusammen. «Der Lackierer ist der letzte in einer langen Kette und deshalb muss er schnell arbeiten. Auf den Lackierer will niemand warten, zumindest nicht bei grösseren Betrieben wie der Jet Aviation.» So hätten er und sein Team Tag und Nacht gearbeitet, nahezu pausenlos, auch Samstag und Sonntag. Jetzt in Grenchen könne er es etwas ruhiger angehen.

Auf die Frage, ob er eigentlich selber auch fliege, weil das ja gewissermassen auf der Hand liegt, meint Diener lachend: «Bestimmt nicht, das ist mir zu gefährlich.» Regelmässig gehe er mit seiner Frau, seit er in Grenchen wohnt, auf den Grenchenberg oder auf den Bielersee, im Winter würden sie Ski fahren. «Es ist schön, in Grenchen. Jetzt nehme ich mir auch etwas mehr Zeit und muss nicht mehr pausenlos arbeiten. Das erhöht die Lebensqualität deutlich.»

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