Der Regen prasselt an diesem kürzesten Tag des Jahres auf das Dach der Holzerhütte, wie der Werkhof der Bürgergemeinde Grenchen im Volksmund genannt wird. Patrik Mosimann verrichtet mit den Forstwarten und den Lernenden die letzten Arbeiten des Jahres an den Gerätschaften und Maschinen. Hier ist er in seinem Element, der selber von sich sagt, dass «ich ein Praktiker bin und kein Büromensch.» Im Aufenthaltsraum steht er dann vor einem Poster mit dem Foto eines Baumes: Dies sei sein Lieblingsbaum, sagt er. Ein Bergahorn, der auf über 1000 Meter über Meer im Gebiet der Falleren stehe, er habe eine prächtige, ausladende Krone auf einem hohen und geraden Stamm. Ein Baum, den Mosimann auf Exkursionen schon Kollegen aus ganz Europa gezeigt hat.

Die Bewirtschaftung nach den Vorgaben eines Dauerwaldes ist eines der wichtigsten Anliegen des Grenchner Försters. Dabei wird verzichtet, ganze Areale kahl zu schlagen und dann wieder neu aufzuforsten. 1995 wurde im Wald der Bürgergemeinde Grenchen der letzte Kahlschlag vorgenommen. Seither werden die Eingriffseinheiten im Talwald im Turnus von sechs Jahren durchforstet, im Bergwald auf guten Standorten alle zwölf Jahre. Dabei werden jene Bäume gefällt, die Auswahl erfolgt jeweils «vom dicken und vom schlechten Ende», die der Holzverwertung zugeführt werden. Patrik Mosimann wählt zuvor jeden einzelnen zu fällenden Baum selber aus und markiert die qualitativ guten «Nachwuchsbäume» mit einem Band, damit sie von den Forstwarten bei ihrer Arbeit geschont werden. «Die grösseren Bäume werden genutzt und machen den jüngeren wieder Platz und Licht», gibt er zu verstehen. Aber speziell schöne und grosse Exemplare, wie etwa der Bergahorn in der Falleren, bleiben selbstverständlich erhalten.

Für naturnahen Wald

Auf nationaler Ebene engagiert sich Mosimann im Verein Pro Silva Schweiz, der sich seit 1992 für den Dauerwald einsetzt, wie der Oberbegriff des Plenterwaldes in der Fachsprache bezeichnet wird. «Wertvoll, beständig und schön», sei der Dauerwald, heisst es bei den Vereinsmitgliedern. Im Gespräch zeigt sich immer wieder, wie sehr Patrik Mosimann für einen naturnahen Wald lebt. In Grenchen gibt es zwar keinen Urwald im eigentlichen Sinne, auch wenn einzelne unwegsame Gebiete schon seit mehr als 50 Jahren nicht mehr bearbeitet wurden. Aber Fauna und Flora haben beim Revierförster ihren Platz. So bleiben auch mal tote Bäume stehen für Nahrung und Schutz von Insekten und Vögeln, wie etwa für den Specht.

Gleich doppeltes Glück

Dass er einmal in Grenchen ansässig werden könnte, hat der im aargauischen Brittnau aufgewachsene Patrik Mosimann kaum gedacht, als er die Fortwartlehre absolvierte. Nach einigen Berufsjahren, die er mit der Ausbildung zum Offizier bei den Gebirgsgrenadieren kombinierte, besuchte er die Försterschule in Lyss. Dann folgten ein paar Jahre in der forstlichen Privatwirtschaft bei Gebrüder Flury AG im Wasseramt. In dieser Zeit hatte er den ersten Kontakt mit dem Grenchner Wald, als er in der Gegend der Holzerhütte und im Gebiet Wäsmeli Forstarbeiten erledigte. Darauf folgte im Oktober 1993 die Wahl durch die Bürgergemeinde Grenchen. Innerhalb einer Woche kam das grosse Glück gleich doppelt: Die Berufung in den Grenchner Wald als Revierförster und die Hochzeit mit Liliane. Dem Paar wurden die zwei Töchter Ramona und Sereina geschenkt, die nun 23 und 20 Jahre alt sind. Seit zwei Jahren haben Patrik und Liliane Mosimann auch das Bürgerrecht von Grenchen.

Mosimann ist auch in der Freizeit viel in seinem Revier unterwegs, alleine oder zusammen mit seiner Frau. Er ist Mitglied in der Grenchner Sektion des SAC und arbeitet in der Hüttenkommission mit. Den Weg auf den Berg wählt er meist nicht direkt, sondern hängt eine Schlaufe an, um die Wanderung mit einem Kontrollgang zu verbinden. So kann er Beruf und Hobby kombinieren. Förster zu sein ist eben mehr als ein Job von 8 bis 17 Uhr.