Grenchen
Entstand in Grenchen das erste Hochhaus im Kanton Solothurn?

Das Kultur-Historische Museum in Grenchen hat sich auf die Spuren der Wohn-Riesen gemacht. Es kommt zum Schluss: Mit dem Sorag an der Marktstrasse dürfte das erste Hochhaus im Kanton Solothurn entstanden sein.

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Das Grenchner Stadtzentrum mit dem Hochhaus Sorag, ca. 1954.

Das Grenchner Stadtzentrum mit dem Hochhaus Sorag, ca. 1954.

Sammlung KHMG

Ist Grenchen die Solothurnische Hochhauspionierin? Das will das Kultur-Historische Museum Grenchen herausfinden. Es hat sich in seiner aktuellen Ausstellung auf die Spur gemacht.

Beweise für die These gibt es allerdings nicht. «Wir wissen es nicht», erklärt Lukas Walter, Präsident der Stiftung Museum Grenchen. 1950 und 1952 entstanden die beiden markanten Bauten, das Sorag-Gebäude und der Hallgarten beim Südbahnhof.

Ab wann ist ein Haus ein Hochhaus?

Bautechnisch waren Hochhäuser ohne Probleme zu realisieren. In den USA entstanden bereits nach dem ersten Weltkrieg die ersten Wolkenkratzer. Die neuen Materialien wie Stahl und Beton ermöglichten es, sicher in die Höhe zu bauen.

Worin bestand dann die Herausforderung? In einem Brandfall muss die Rettung der Bewohner sichergestellt werden. Doch wie soll die Feuerwehr dies bewältigen, wenn die Drehleiter die oberen Stockwerke nicht mehr erreichen kann? Neben der Ästhetik war dies eine zentrale Frage, welche die Baubehörden zu beantworten hatten. Hier liegt auch die Definition eines Hochhauses verborgen. Alles was die Höhe der Feuerwehr-Drehleiter übersteigt, ist ein Hochhaus.

Die damaligen Bauvorschriften hätten keine Bestimmungen für derart hohe Bauwerke vorgesehen. Eine kantonale Sonderbewilligung war nötig. Es soll sogar eine Hochhauskommission eingesetzt worden sein, berichten verschiedenen Zeitzeugen.

Doch Dokumente lassen sich in den Archiven dazu nicht finden. Also lasse sich nur vermuten, dass die beiden genannten Hochhäuser die ersten ihrer Art im Kanton Solothurn seien. «Wir sind an schriftlichen Quellen interessiert, welche Auskunft zum Hochhausbau im Kanton Solothurn geben», erklärt Lukas Walter. «Damit könnten wir in der aktuellen Ausstellung zur Architektur der Nachkriegszeit im Kultur-Historischen Museum die kantonale Bedeutung der beiden Hochhäuser für den Kanton Solothurn belegen.»

Schnell viel Wohnraum

Gegenüber den Einfamilienhaussiedlungen besassen die Hochhäuser den Vorteil, dass schnell viel Wohnraum geschaffen wurde. Dieser war auch dringend nötig, denn die Wohnungen wurden bezogen, bevor die Zugänge zu den Wohnungen fertig waren. So beanstandete der Bauinspektor im Sorag das fehlende Treppengeländer. «Ein provisorisches Geländer hätte der Sicherheit Genüge getan», hält er ein einem Schreiben an die Bauherrschaft fest. Aber auch im Hallgarten mussten die Wohnungen über Bretter erreicht werden, da der Zugang noch nicht fertig war.

Obwohl der Hochhausbau in der Schweiz noch jung war, sind die beiden genannten Hochhäuser auch aus ästhetischer Sicht gelungen. Die Kantonale Denkmalpflege nahm sie aus diesem Grund auch ins Inventar schützenswerter Gebäude auf.