Grenchen
Energieversorger SWG: «Bis jetzt läuft es so, wie wir es erwartet haben»

Die SWG erhält weniger Reklamationen als befürchtet: Das neue Basismodell «erneuerbar» kommt bei den Kunden trotz Preiserhöhung gut an – bisher. Denn noch bis Ende November hat man Zeit, den Wechsel zu verlangen.

Oliver Menge
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SWG-Kunde A. M. hat sich beim Stromlieferanten schriftlich über dessen Vorgehen beschwert.

SWG-Kunde A. M. hat sich beim Stromlieferanten schriftlich über dessen Vorgehen beschwert.

Der Grenchner Energieversorger SWG führt ab nächstem Jahr ein neues Standardangebot beim Strommix ein, das sich ausschliesslich aus erneuerbarer Energie zusammensetzt. Dieses Standardangebot erhalten Haushalte automatisch, wenn sie sich nicht bei der SWG melden und eines der anderen Angebote verlangen (wir berichteten).

Im Gegensatz zum bisherigen Standardmix will man bewusst auf Atomkraft verzichten, der Preis für das Standardprodukt steigt geringfügig. Die Kunden haben aber die Möglichkeit, ein günstigeres Modell zu verlangen, das sich aus sogenannter grauer Energie mit einem beträchtlichen Anteil an Atomenergie zusammensetzt. Aber sie müssen das aktiv tun.

Wie viele Grenchnerinnen und Grenchner sich bisher bei der SWG gemeldet haben, kann Per Just, Direktor der SWG, nicht genau beziffern. «Wir haben einige Hundert Rückmeldungen erhalten. Zum Teil kamen die Leute an den Schalter oder teilten uns per E-Mail ihre Wünsche mit.»

Die Zahlen sprechen für sich

Die SWG versorgt 10357 Kleinkunden, das sind Haushaltungen, Kleingewerbe und ähnlich. Bis jetzt haben sich 1389 – 13,41 Prozent – für den günstigeren Basismix entschieden. 8923 Kleinkunden bleiben beim Standardprodukt, dem «1 to 1 energy erneuerbar» und nehmen den Preisaufschlag um 0,8 Rappen / Kilowattstunde in Kauf. 45 Kleinkunden – 0,43 Prozent – haben sich für das Modell mit erneuerbarem Strom aus der Region entschieden. «Dies entspricht ungefähr der Anzahl derjenigen Kunden, die bisher auch explizit Ökostrom bezogen haben.»

Viele der Rückmeldungen wären eigentlich nicht nötig gewesen, denn diese Kunden wollten einfach nur mitteilen, dass sie das neue Standardprodukt aus erneuerbarer Energie wünschen, dasjenige, welche sie sowieso erhalten hätten. «Die Kritik war mässig», sagt Just.

«Die meisten, welche sich beklagten, kritisierten weniger die Tatsache, dass wir die erneuerbare Energie auf diese Art pushen.» Eher der Umstand, dass die Kunden selber aktiv werden mussten, sei kritisiert worden. «Ich hatte aber auch ganz amüsante Rückmeldungen», erzählt Just: «Zwei Herren verlangten zum Beispiel explizit Atomstrom.»

Offene Fragen

Offen bleibt die Frage, wie sich der Strommix über das gesamte Angebot, also auch die Industrie präsentiert. Diese wird hauptsächlich das günstigere Basisangebot aus grauer Energie nutzen. «Über das Gesamte gesehen gibt es aber eine Verbesserung, denn wir haben zusätzliche Zertifikate eingekauft und produzieren einen grösseren Teil des Stroms mit eigenen Photovoltaik-Anlagen.»

Wie die internen Verschiebungen letztendlich aussehen, könne man jetzt aber noch nicht sagen. Fest steht aber, dass die Strompreise grundsätzlich in der ganzen Region sinken (wir berichteten). Dazu Per Just: «Der Preis für die Energie an und für sich bleibt gleich, denn wir haben ja schon den ganzen benötigten Strom bis Ende 2013 eingekauft. Was sich verändert ist der Durchleitungspreis. Und wie sich das auf unseren Endpreis auswirkt, lässt sich schwer sagen.»

Ökostrombörse war ergiebig

Im Juli hatte die SWG eine Ökostrombörse durchgeführt. «Wir haben die 200000 Kilowattstunden an erneuerbarer Energie für 2013 gekauft, die Börse war ein grosser Erfolg». Ende November, wenn die endgültige Verteilung der Strommix-Modelle feststeht, werde man entscheiden, ob im nächsten Jahr nochmals eine Runde ausgeschrieben werde. Denn: «Wir stellen selber auch Solarstrom her und haben einige Anlagen auf Gebäuden in Grenchen in Betrieb, im Bau oder in Planung».

So hat die SWG zum Beispiel auf dem Dach von «Zuhause am Girardplatz» eine 40 Kilowatt-Anlage in Betrieb, die auf 60 Kilowatt ausgebaut werden soll. Auf dem BMC-Gebäude, welches der Stadt gehört, soll eine 120 Kilowatt-Anlage gebaut werden. Weitere Anlagen seien in der Pipeline, sagt Just. Es mache keinen Sinn, Zertifikate für Strom einzukaufen, den man gar nicht brauche, weil man ihn selber herstelle.