Einmal rief eine junge Mutter an und fragte: «Mein Kind hat keine Energie mehr. Können Sie mir bitte helfen?» Das war einer der ganz wenigen Fälle, in denen Armin Meier zuerst einmal die Worte fehlten. Er ist zwar neutraler Energieberater, aber mit Esoterik und Kraftübertragung hat dies herzlich wenig zu tun. Meiers Job ist es, Privaten oder Firmen bei der Reduzierung ihres Energieverbrauchs zu helfen. «Was ich tue, ist aber nicht einfach ein Job.

Es ist viel mehr, es ist eine Aufgabe», sagt der 55-jährige Familienvater. Den Enthusiasmus nimmt man ihm ab – aus handfesten Gründen: Meier ist der führende Kopf bei der Wiederinbetriebnahme einer Wasserturbine an der Wiesenstrasse. In den 18 Jahren, in denen er für die Kantone Solothurn und Bern bei der öffentlichen Energieberatung arbeitete, hat er 7100 Beratungen durchgeführt. An der Holzheizung im BBZ und an den neuen Fotovoltaikanlagen auf den Schulhausdächern war er beteiligt. Dass Grenchen, Lengnau und Büren heute Energiestädte sind oder noch werden, ist nicht unwesentlich ihm zu verdanken.

Doch nach 18 Jahren hat sich der Grenchner Energieberater entschieden, eine neue Herausforderung zu suchen. Deshalb muss sich die Regionalplanung Grenchen-Büren (Repla GB) nun nach einem neuen Berater umsehen. «Ich war lange genug dabei», sagt Meier. Obwohl er oft «höfeln» und aufgrund der vor allem im Kanton Solothurn knappen Beiträgen dem Geld nachlaufen musste, geht er nicht, weil er die Nase voll hat. Der Energieingenieur will sich beim Aufbau eines Grossprojektes noch einmal voll einbringen. Seine Arbeit hat Meier stets geschätzt.

Erneuerbar, effizient, suffizient

Energie hat heute einen viel wichtigeren Stellenwert als vor 18 Jahren, weiss Meier. Anfangs war das Gewerbe Armin Meier gegenüber sehr skeptisch, weil es glaubte, er könnte einem Maurer- oder Elektrikerbetrieb Arbeit wegnehmen. «Aber man hat gemerkt, dass ich nicht Arbeit wegnehme, sondern im Gegenteil noch welche auslöse.» Denn der Energieberater prüft einen Betrieb immer «ganzheitlich»: vom Stromsparlämpchen bis zum Solardach – Armin Meier sucht die optimale Lösung mit allem möglichen Werkzeug. Bei sich zu Hause in Wiler bei Utzenstorf macht es der Enthusiast vor: Er heizt mit Holz, hat eine Wärmepumpe und etliche Stromspargeräte installiert. Meiers gehen sorgsam mit dem Energieverbrauch um. Keine unnötig brennenden Lichter, keine offene Kühlschranktür.

«Erneuerbar. Effizient. Suffizient», so sein Credo. Er erklärt das anhand einer kleinen, blauen Taschenlampe. Sie funktioniert mittels Solarzellen (erneuerbar), leuchtet durch spezielle Energiespar-LEDs (effizient) und nur so lange, wie Meier seinen Finger auf dem Knopf hält (suffizient). «Dafür stehe und kämpfe ich», sagt er.

Regierung setzt falsche Zeichen

Die Zeit für einen Umbau in Europa und der Welt sei reif, sagt Meier. «Ich bin überzeugt, dass wir das nötige Wissen und die richtige Technik dafür hätten.» Meier weiss aber, dass ein Umbau nur gelingt, wenn er auch gewollt wird. Solange Firmen wie BKW oder Novartis aber lieber ihre eigenen Gärtlein schützen, brauche es noch viel Arbeit. Dass momentan Fotovoltaikanlagen und andere Projekte wie Wärmeleitungen «en vogue» sind, begrüsst er zwar. Aber er ist auch sicher, dass diese Energien oft nur aus finanziellen und Prestigegründen vermarktet werden. «Die Motivation ist dann nur das Portemonnaie. Das reicht nicht. Es braucht klarere Zeichen.»

Zeichen, wie er sie gerade im Kanton Solothurn vermisst, weil dieser sich nicht vollends für einen Atomausstieg starkmacht und sich noch gewisse Hintertürchen offenhält. «Ist es nicht unlogisch, alte und unsicherere Atomkraftwerke zu behalten, aber auf neue sicherere zu verzichten?», fragt er provokativ. Da Armin Meier zur Hälfte auch bei der kantonalen Energiefachstelle arbeitet, weiss er, wovon er spricht. «Die Politik muss endlich zum Umbau stehen.» Auch an die Gemeinden hat Armin Meier seine Anliegen. «Aufgaben müssten mehr gemeinsam gelöst werden.» Deshalb sei es wichtig, dass es auch bei einer Repla GB weitergehe und dass es weiterhin eine neutrale Energieberatung gibt, die nicht von Sponsoren oder Arbeitgebern aus Industrie oder Gewerbe abhängig ist. Sondern eine, der es um die Sache geht. Und nicht ums Portemonnaie.