Öffentlicher Verkehr
Endlich wird Reisen in der Region einfacher

Ende 2013 wollen der Tarifverbund Libero und der zigzag-Verbund fusionieren. Das bedeutet für die Fahrgäste vereinfachtes Reisen in der Region Grenchen- Solothurn. Der Startschuss für den Zusammenschluss ist erfolgt.

Patrick Furrer
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Wer mit Bus und Bahn fahren will, braucht für den Einzelreiseverkehr noch ein Billett.

Wer mit Bus und Bahn fahren will, braucht für den Einzelreiseverkehr noch ein Billett.

Felix Gerber

Bisher war es mühsam und umständlich, wenn ein Fahrgast beispielsweise aus dem Stadtgebiet Grenchen nach Solothurn oder aus dem Bieler Stadtgebiet nach Grenchen oder Solothurn fahren wollte. Der Grund: Er musste für seine Reise mindestens zwei Billette kaufen, weil sich die zwar benachbarten Verbünde zu keinem einheitlichen Tarif durchringen konnten und für den Einzelreiseverkehr zu strenge Grenzen zwischen den Verbundgebieten gezogen hatten.

Absichtserklärungen beschlossen

Das soll nun bald Geschichte sein: Der Zusammenschluss des Aboverbunds abozigzag (Biel-Grenchen-Seeland-Berner Jura) und des integralen Tarifverbundes Libero (Solothurn-Bern) soll voraussichtlich mit dem Fahrplanwechsel 2013/2014 über die Bühne gehen. Vor wenigen Tagen wurden entsprechende Absichtserklärungen beschlossen. Für den Einzelreiseverkehr wird die Fusion in der Grossregion Solothurn-Grenchen-Seeland-Biel gemäss beteiligten Unternehmen zahlreiche Vorteile bringen.

Während dieser im zigzag-Gebiet günstiger wird, müssen bestehende abo-zigzag-Kunden dennoch mit einer schrittweisen Preisangleichung an das teurere Libero-Niveau rechnen, weil die Preise beim abozigzag im schweizweiten Vergleich bis heute sehr günstig sind. Für die Libero-Kunden indes ändert sich – so wie es aussieht – nichts.

Umstellung so verträglich wie möglich

Bern und Solothurn – die Bestellerkantone – streben seit Jahren einen einheitlichen Tarifverbund zur Benutzung der subventionierten Verkehrsangebote an. Einige öV-Partnerunternehmen wehrten sich allerdings lange gegen eine Fusion. Nun scheint man erkannt zu haben, dass eine Preisharmonisierung doch verkraftbar ist, der öffentliche Verkehr dadurch gefördert wird. Das abozigzag hat bereits auf diesen Fahrplanwechsel eine erste Preisannäherung an Libero umgesetzt.

Auch die Bieler Verkehrsbetriebe werden sich mit einer Annäherung ans Libero-Niveau auseinandersetzten müssen. Die Tarif- und Zonengestaltung ist Teil der nun beginnenden Arbeiten diverser Arbeitsgruppen. Vorgesehen ist, die Umstellung für die Kunden so verträglich wie möglich zu gestalten.

Die Vorteile überwiegen

Daniel Hirt, Geschäftsführer Libero, und Bernd Leckebusch, Geschäftsführer abozigzag, bestätigen auf Anfrage, dass man eine Absichtserklärung getroffen hat, welche vorsieht, die Umstellung auf Ende übernächsten Jahres vorzunehmen. Der Aboverbund zigzag soll zu einem integralen Verbund, der über den begrenzten Abonnementsbereich hinausgeht, erweitert und in den Libero-Verbund integriert werden. Der Name «abozigzag» verschwindet, wie es bereits beim Bären-Abi oder beim Frosch-Abo vor ungefähr sieben Jahren der Fall war. Die Unternehmen rechnen mit einmaligen Kosten von rund 1 Million Franken. Allfällige Verluste werden die Kantone auffangen.

Natürlich gebe es auch in dieser Sache Gewinner und Verlierer, meint etwa Bernd Leckebusch, Geschäftsführer abozigzag. «Es sind allerdings vorderhand keine Preiserhöhungen vorgesehen. Einzig für unsere bestehende Abokunden wird de facto eine Erhöhung resultieren.» Integrale Tarifverbünde seien das Erfolgsmodell des öffentlichen Verkehrs, und bei einer Fusion der zwei regionalen Verbünde würden die Vorteile auch für die Kunden klar überwiegen, meint auch Daniel Hirt von Libero. «Wir werden so dem Kundenwunsch gerecht, dass man sich künftig innerhalb der definierten Zonen frei bewegen kann.» Dieser so genannte «GA-Effekt» sei eine Bereicherung besonders für den Einzelreiseverkehr. Viele Fragen seien noch offen. Gerade für Abokunden sei aber denkbar, dass man ihnen preislich mit Zwischenlösungen entgegenkomme.

Neukunden anvisiert

Wie der Kanton Bern vergangenen Sommer feststellte, werden mit derartigen Fusionen immer auch Neukunden gewonnen. Einschneidende Zonenveränderungen sind nicht geplant. Die Arbeitsgruppen haben nun ein grosses Stück Arbeit vor sich. So stellt sich für die Unternehmen zum Beispiel auch die Frage, wie man auf der Strecke Bern–Biel, auf der durch die Integration des abozigzag in den integralen Tarifverbund Preisreduktionen resultieren, den Ertrag sichern kann. Favorisierte Lösung ist hier das Einfügen einer neuen Zone für den Raum Schüpfen. Eine andere Aufgabe, die es zu lösen gilt, ist die künftige Aufteilung zwischen allen in den Verbünden engagierten Transportunternehmen, denn diese muss neu berechnet werden.