Grenchenberg
Endlich Schnee! So soll der Winter auf dem Grenchenberg sein

30 bis 40 Zentimeter Schnee auf der präparierten Piste laden ein zum Skispass. Wir haben einen Augenschein genommen und vieles beobachtet, beispielsweise wie Kinder das Ski-Fahren erlernen.

OLiver Menge (Text und Foto)
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Aller Anfang ist schwer – zum Glück sind überall helfende Hände da.
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Skifahren auf dem Grenchenberg
Verena Schneider bietet im Untergrenchenberg Fünfliber-Menüs an.

Aller Anfang ist schwer – zum Glück sind überall helfende Hände da.

Oliver Menge

Die Fahrt auf den Grenchenberg führt durch tief verschneite Wälder. Kurz vor dem Stierenberg ist auch die Strasse schneebedeckt, aber problemlos zu befahren. Beim Restaurant Untergrenchenberg angekommen, trübt allerdings der Nebel die Sicht und es bläst ein bissiger Wind.

Minus 4 Grad Celsius, es ist rund 6 - 8 Grad kälter als im Tal. Auf dem Parkplatz zieht ein Mann seine Tochter oder Enkelin auf einem Davoserschlitten nach oben und fährt mit ihr dann ein Stück weit runter. Der Kleinen in ihrem rosaroten Skianzug gefällt es sichtlich. Der 11-Uhr-Bus kommt wenig später hoch und fährt auf den Wendeplatz vor dem Restaurant. Während der Sportferien fährt er dreimal täglich mit Ketten auf den Berg. Die Fahrgäste steigen aus und behändigen ihre Skis und Snowboards.

Es ist erst kurz vor Mittag. In der Gaststube sitzen neun Mitglieder des Skiklubs Selzach an einem Tisch und verpflegen sich. Es sind die acht Skilehrerinnen und Skilehrer und ein Snowboardleiter, die die ganze Woche am Nachmittag zwischen 14 Uhr und 16 Uhr Ski- und Snowboardunterricht für Kinder jeden Alters geben – ein Angebot, das auch in früheren Jahren rege genutzt wurde.

«Für heute haben sich 25 Kinder angemeldet», sagt Urs Brotschi, der Leiter des Teams. «Das Älteste 13-jährig, das Jüngste nur gerade zweijährig.» Dazu kämen noch einige, die sich spontan dafür entscheiden, die Skischule zu besuchen. «Im Schnitt haben wir so zwischen 30 und 40 Kinder im Unterricht, von sehr guten Skifahrern bis zu solchen, die das erste Mal auf den Skis stehen.»

Einige, die sich angemeldet haben, kennen die Skilehrer noch aus den letzten Jahren. «Ob die Familie aus Leipzig dieses Jahr auch wieder auftaucht?» Brotschi erzählt, dass diese Familie die letzten fünf Jahre ihre Ferien in der Region Grenchen jeweils extra so legte, dass die Kinder während der Sportferien auf dem Grenchenberg Skifahren lernen konnten.

Verpflegung für einen Fünfliber

Auf dem Tisch stehen Schüsselchen mit dampfender Suppe, auf einem Teller ein paar Würste. Das Fünfliber-Menü scheint zu schmecken: Gerstensuppe mit Würstli. Vier verschiedene Fünfliber-Menüs, aber auch solche für zwei, drei oder vier Fünfliber stehen auf der Karte. «Ich möchte damit auch einen Anreiz bieten, auf den Berg zu kommen,» sagt Verena Schneider, die Wirtin. Sogar Gratis-Ski-Tee gibts für die Kinder.

Um zwölf beginnt der Liftbetrieb. Die Skilehrer gehen nach draussen und bereiten diverse Parcours vor, stecken Tore, schaufeln kleine Schanzen. Auch andere Skifahrer hält jetzt nichts mehr, sie packen sich gut ein, steigen in ihre Skischuhe und verschwinden im Nebel.

Claudia Marchand aus Selzach ist mit ihrem achtjährigen Sohn Ben hier. «Ich bin schon die zwei letzten Jahre in die Skischule gegangen. Anfänger bin ich also nicht mehr», sagt der Junge. Und was macht Mami in der Zeit, wenn Du in der Skischule bist? «Mami bleibt an der Wärme. Manchmal kommt sie auch zuschauen.»

Pro Kind ein Skilehrer

Wenig später kommen die Skilehrer zurück, der 13 Uhr-Bus ist angekommen und bringt weitere Skischüler mit ihren Eltern auf den Berg. Nachdem sie die Gebühr von 40 Franken bezahlt haben, besammeln sich alle hinter dem Gebäude. «Wer ist schon mit dem grossen Lift gefahren?» Die Gruppe zieht mit drei Leitern davon. Zurück bleiben die Kleinen und ganz Kleinen.

Jedes der Kinder kriegt eine Skilehrerin oder einen Skilehrer zugeteilt, und schon geht’s los: Der Hang unterhalb der Strasse, direkt hinter dem Hof, ist nicht zu steil und ideal für die ersten Versuche. «Magst Du Pizza?», fragt Sanne Hummel ihren kleinen Schützling. «Weisst du, wie ein Pizzastück aussieht? Deine Skis müssen auch so ein Dreieck bilden.»

Die Kleinen rutschen manchmal nur gerade zwei, drei Meter weit, bevor sie sich in den Schnee setzen. Die Skilehrer heben sie wieder hoch und weiter geht’s den Hang hinunter. Dann werden die Kinder wieder zur Strasse hochgeschoben, gezogen oder getragen. Einige der Kinder sehen so aus, als wissen sie nicht so recht, wie ihnen geschieht. Es ist auch ungewohnt, die schweren Schuhe und sperrigen Skis an den Füssen. Manche scheinen gar keinen Spass zu haben, einem Mädchen schiessen sogar Tränen in die Augen.

«Sie ist halt nicht so hart im Nehmen, aber das wird schon noch», sagt ihre Mutter und macht weiter Fotos mit dem Smartphone. Urs Brotschi nimmt’s mit viel Humor, und der ist ohnehin ansteckend. Denn er weiss: Am Ende der Woche wird jedes dieser Kinder Skifahren können. Und irgendwann in vielen Jahren werden sich die Kinder bestimmt über die Fotos ihrer ersten Versuche freuen.

Liftbetrieb: 12.00 - 16.30 Uhr, Sonntag von 10.00 - 16.30 Uhr.

Nachtskifahren: Mittwoch + Freitag: 18:30 Uhr bis 21.00 Uhr