Lengnau und Umgebung
Eltern sorgen sich um ihre Töchter und Söhne in Quarantäne

Die Coronakrise wirkt sich auf den Dienst am Vaterland aus. Nun äussern sich Eltern der Rekruten aus Lengnau und der Umgebung über ihre Sorgen.

Margrit Renfer
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Angehörige der Armee helfen während der Krise aus. (Archivbild)

Angehörige der Armee helfen während der Krise aus. (Archivbild)

Patrick Lüthy

Gespräche mit Dienstangehörigen der Schweizer Armee für die Zeitung sind im Moment nicht möglich. Relativ rigide Sanktionen drohen denen, die sich nicht daran halten. Dafür sprechen Eltern Dienstpflichtiger aus Lengnau und der Umgebung über ihr Befinden zu Hause. Namen werden keine genannt.

«Wir hatten uns auf die Urlaube unserer Tochter gefreut und dafür sogar Menus geplant, die sie besonders mag», sagt eine Mutter, deren Tochter in den letzten Wochen nicht aus dem Militär nach Hause kommen konnte. Die Urlaube sind gestrichen worden; dazu wurde aufgrund von positiv getesteter Kameraden Quarantäne verordnet.

«Ich war immer wieder beruhigt, wenn ich hörte, dass es unserem Sohn gut ging», sagt eine andere Mutter. Sie habe noch selten so lange mit ihrem Sohn telefoniert wie in der jetzigen Zeit. Zuvor habe dieser jeweils unterhaltsame und witzige Wochenberichte geschrieben, aber nicht telefonieren mögen. Doch dann habe er plötzlich viel Zeit gehabt.

Allgemein zeigt sich: Vor der verordneten Quarantäne hatten die Eltern eher Bedenken bezüglich Lebensmittelvergiftungen oder Unfällen im «Dienst am Vaterland» in einem zwar eingeschränkten aber geführten Rahmen. Nun ist mit der Nachricht von unter Quarantäne gestellten Soldaten zusätzliche Unsicherheit aufgekommen. «Könnte es unsere Tochter oder unsern Sohn treffen?», fragen sich die Eltern nun. Gedanken machen sie sich auch über die getroffenen Schutzmassnahmen und ob diese ausreichend waren – ohne, dass sie direkt Einfluss darauf nehmen könnten.

Die Wochenenden ohne Ausgang waren langweilig

Da die jungen Menschen zum Teil bereits vor dem Militär viel unterwegs waren, hat sich ihre Abwesenheit zu Hause während der letzten fünf Wochen nicht wirklich bemerkbar gemacht. Was die befragten Eltern als störend empfanden: An den Wochenenden seien keine Aktivitäten organisiert gewesen; es sei aber nicht sinnvoll, nur herumzuhängen. Laut den Erzählungen haben sich die Dienstpflichtigen ihr Programm deshalb auch selbst zusammengestellt, um die Zeit ohne Ausgang zu überstehen: Gemeinsam spielen, diskutieren, sich vom Kameraden, der sich als gelernter Coiffeur etwas dazu verdient, die Haare schneiden lassen, telefonieren.

Über das vergangene Wochenende waren einige Dienstpflichtige dann wieder einmal zu Hause. Es habe keine Reklamationen über das mittlerweile fürs Homeoffice umgenutzte Kinderzimmer gegeben, sagt ein Vater. Die Familie sei froh, dass das gute Verhältnis untereinander wegen des Militärdienstes nicht gelitten habe. Zudem haben sich die auskunftgebenden Eltern auch darüber gefreut, dass sich ihr Nachwuchs während der letzten Wochen schon Gedanken über seine Zukunft gemacht und auch während der Quarantäne Kontakte zu möglichen Arbeitgebern und Ausbildungsstätten geknüpft hat.