«Seit inzwischen schon 15 Jahren wird das Aareufer zwischen Solothurn und Büren gereinigt», berichtete Konrad Schleiss, Geschäftsführer der Repla GB, in seiner Einleitung. Die Repla GB hatte in Bettlach zum schon fast traditionellen Littering-Treffen geladen, das bisher jedes Jahr stattfand. Gekommen waren Vertreter der Organisationen, die gemeinsam das Littering entlang der Aare bekämpfen und am Treffen über ihre Arbeiten informierten sowie Vertreter der betroffenen Gemeinden.

Über die Jahre habe sich das Problem verändert, erklärte Christoph Kölliker, Betriebsleiter von ProWork Grenchen. Die Menge des gesammelten Abfalls habe tendenziell seit 2010 abgenommen. Im Jahr 2011 verzeichnete man das Maximum von 40'000 Litern. 2016 waren es weniger als 15'000 Liter Müll, der zusammengelesen wurde. Letztes Jahr nahm die Abfallmenge zwar wieder leicht zu auf 16'686 Liter, man liege aber tendenziell immer noch im Abwärtstrend.

Gründe für den Rückgang sieht Kölliker in einem gesteigerten Umweltbewusstsein, aber auch ganz pragmatisch: «Ein sauberer Platz wird auch eher wieder sauber hinterlassen.» Es sei halt in erster Linie eine Charakterfrage.

Das Treffen wurde organisiert von Konrad Schleiss (stehend) mit Vertretern der involvierten Organisationen und Gemeinden.

       

Verbote bewirken Rückgang

An bestimmten Stellen allerdings hätten neue Regelungen die grössten Veränderungen verursacht. So steht zum Beispiel seit rund zwei Jahren beim «Sängli» in Altreu eine grosse Verbotstafel: Feuermachen, Grill aufstellen, Picknick, Musikhören etc. ist verboten. Die Polizei setzt die Verbote auch rigoros durch. «Ich hatte mehrmals die Woche Reklamationen von Anwohnern. Seit dem Verbot wurde die Situation merklich besser», erklärt Selzachs Gemeindepräsidentin Silvia Spycher am Rand der Veranstaltung. Und liegengebliebenen Müll gebe es sozusagen fast keinen mehr.

Auch das Fahrverbot beim Bettlerank habe einen grossen Einfluss auf die Abfallmenge gehabt, so Kölliker. Im Gegenzug habe die Abfallmenge auf der Grenchner Seite zugenommen, seit Arch im Uferbereich ein rigides Parkregime eingeführt habe. Auf der Berner Seite der Aare gab es in der Folge weniger einzusammeln. Die Grösse der aufgestellten Abfallbehälter hingegen spiele keine grosse Rolle. Besonders mühsam für die Einsatzkräfte von ProWork seien Zigarettenkippen, die mengenmässig wenig ins Gewicht fielen, aber vom Aufwand her viel Zeit erforderten.

Thilo Arlt vom Amt für Umwelt (Afu) des Kantons Solothurn präsentierte in diesem Zusammenhang das neuste Give away des Afu’s: einen tragbaren Aschenbecher zum Entsorgen der Kippen mit dem aufgedruckten Slogan «Don’t schnipp the Kipp». «Damit tun wir auch unmittelbar etwas fürs Trinkwasser, denn die Kippen sind mit Giftstoffen belastet, die über den Boden ins Grundwasser gelangen.» Man wolle damit die Leute für das Thema Littering sensibilisieren. «Man muss klein anfangen»

Neumodischer Müll

Konrad Schleiss wies auch auf die Veränderungen beim Abfall hin. So sind zum Beispiel Einweggrill der Renner bei Grossverteilern. Man müsste eigentlich eine vorgezogene Recyclinggebühr auf diese Grills erheben, so Schleiss. Oder sie «Littering-Grill» statt «Einweg-Grill» nennen. «Diese Grill sind mit schuld an den Kosten von jährlich 40'000 Franken, den Profit aber machen die Grossverteiler, ohne etwas fürs Recycling zu bezahlen. Da hilft auch nicht, dass sie neuerdings mit Füsschen ausgerüstet sind, um den Boden oder das Gras zu schonen.»

Biologe Martin Huber von der Repla RSU hielt ein eindrückliches Referat über das grosse globale Müllproblem, den Plastik. Eigentlich ein äusserst wertvolles und vielseitiges Material, das aber grösstenteils nicht biologisch abbaubar sei. «Stündlich gelangen rund 700 Tonnen Abfall ins Meer, die Hälfte davon ist Plastik». Mittlerweile gebe es in den Weltmeeren mehrere «Inseln» aus Plastik, mit einer grösseren Fläche als ganz Europa.

Man sei sich in der Schweiz oft nicht bewusst, dass auch ein Teil unseres Plastikmülls bis ins Meer gelange. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der grösste Teil des Plastikabfalls in Industrieländern anfalle, zu denen auch wir gehörten. Dieses Bewusstsein gelte es zu fördern, auch was Mehrweggebinde angehe. «Lieber die eigene Einkaufstasche mitnehmen».
Bruno Bartlome vom Solothurner Bauernverband umriss die Gefahren durch Müll, der achtlos weggeworfen werde und auf Wiesen landet. Beispielsweise Aludosen, die dann durch die Mähmaschinen in kleine scharfkantige Splitter zerfetzt würden und für Nutztiere lebensgefährlich seien. Er brachte die Plakate mitgebracht, die den Bauern zur Verfügung stehen.