Lengnau

Eingänge zum Altersheim abgesperrt: Jetzt winkt man sich einander vom Balkon aus zu

Der Osterhase im «Sägematt» ist gewappnet.

Der Osterhase im «Sägematt» ist gewappnet.

Das Gelände ist abgesperrt, doch das Leben im Alters- und Pflegeheim Sägematt geht weiter.

Sorgsam und achtsam miteinander umgehen hat für die Verantwortlichen des Alters- und Pflegeheimes Sägematt, Lengnau, auch in der Coronasituation oberste Priorität. Schon früh wurde entschieden, dass ausser dem Personal niemand mehr von aussen ins Heim kommen darf. So auch nicht die freiwilligen Helfenden, die meist selber im Pensionsalter sind.

Diese Massnahme war zwar hart, stiess aber bei den Angehörigen der Heimbewohnerinnen und -bewohner auf Verständnis. «Es ist schon schwierig», sagt Monika Schott, deren beide Elternteile im Heim wohnen. Ihre Mutter brauche Zeit zum Sprechen und der Vater vergesse. Sie schätzt, dass sie mit den Pflegenden einen Termin zum Winken vom Balkon verabreden konnte. Natürlich seien Tränen geflossen. Die Nähe der Sägematt zum Trottoir, die Einerzimmer und die Balkone erweisen sich als Vorteil.

Bewohner haben Verständnis

Die Eingänge zum Heim sind nun abgesperrt. Damit haben alle Bewohner verstanden, dass jetzt die Spaziergänge nur noch ums Heim und im Garten möglich sind. «Unsere Leute machen das wirklich gut», sagt Heimleiterin Pascale Ris. Wer könne, telefoniere regelmässig mit seinen Angehörigen. Dazu kaufte das Heim ein Videotelefonie-taugliches Handy, mit dem die Aktivierungsfachpersonen helfen, mit den Angehörigen auf neue Art in Kontakt zu treten. Zusätzliche hausinterne Aktivierung mit Musik, Filmen, Gesprächen und Spielen an verschiedenen Orten helfen gegen Langeweile.

Manchmal führe auch eine Alltagssituation zur Unterhaltung. Eine junge Pflegerin hat einer Pensionärin die Haare zum Gaudi der Zuschauenden eingelegt. Damit die Haarpflege nicht zu kurz kommt, wird sich dieser eine Aktivierungsfachperson als ehemalige Coiffeuse widmen.

Mundschutz für alle Mitarbeitenden

Der Koch hilft dafür in der Aktivierung, welche auch die Cafeteria bedient. Damit der Abstand beim Essen eingehalten ist, wurden die Plätze gekennzeichnet. Es klappte, die Plätze selber auszuwählen, um später eng zusammen zum Kaffee zu sitzen, lacht die Heimleiterin. Mittlerweile sei die abnormale Situation irgendwie normal. Es sei «fast zu ruhig» und weniger hektisch.

Alle im Heim Arbeitenden, von der Pflege bis zur Verwaltung, tragen zum Schutz der Bewohnenden und der andern Mitarbeitenden einen Mundschutz. Dessen Handhabung und die Händedesinfektion wurden immer wieder geschult und sind bekannt, weil die Gefahr auch durch andere Viren lauere. In der Sägematt sei genügend Material vorhanden, ist die Heimleiterin froh. Durch die Standardisierung und Überwachung von Abläufen seien die Hausaufgaben vor der neuen Situation schon gemacht gewesen. «Gerade für unser Personal ist die Herausforderung gross. Alle haben zu Hause noch eine andere Situation, und sie müssen diese bewusst und selbstverantwortlich angehen, mit der Spannung leben», weiss Pascale Ris.

Sie selber ist froh um den Erfahrungsaustausch mit den anderen Heimleitenden im Seeland, zum Beispiel bei den Ämtern oder im Heimverband, in welchem sie selber Vorstandsmitglied ist. Die Anspannung ist schon da. Sie selber höre zwischendurch zu Hause bewusst Musik und nicht Radio, um zu entspannen. Und dann noch etwas: Im Heim wird alles unternommen, um Sorge zu tragen. Es ärgere jedoch alle, wenn sie zum Fenster hinaus in der Öffentlichkeit grössere Gruppen ohne Abstand sähen.

Meistgesehen

Artboard 1