Im Januar noch feierte die Elektra Birseck Münchenstein EBM Spatenstich zum Bau der Heizzentrale zum «Nahwärmeverbund Zentrum», von welchem die Stadt Grenchen ab kommender Heizperiode Wärme beziehen will. Ende März begannen die Aushubarbeiten. Dann aber war auf einmal Schluss. Keine Bagger, keine Arbeiter. Was Folgen hatte: Da die Heizzentrale zwar durch die EBM gebaut wird, aber auf öffentlichem Grund zu stehen kommt, gingen bei der Stadt mehrere Reklamationen ein. Alles was blieb, war ein grosses Loch mitten auf dem Schulgelände. Das verärgerte auch einige Politiker.

Die Baudirektion reagierte und tat ihren Missmut in einem deutlichen Einschreiben an den Contracting-Partner kund. «Die Sache war sehr ärgerlich», nimmt Claude Barbey, Stadtbaumeister von Grenchen, die Verwaltung aus dem Schussfeld. «Die Leute hatten das Gefühl, wir seien es, die hier schlampen, und sie reklamierten. Aus meiner Sicht zu Recht.»

Schuld sein will keiner

Erst seit Donnerstag wird auf der Baustelle wieder gearbeitet. Rund einen Monat hat die Bauherrin verloren, schätzt EBM-Projektleiter Niklaus Sacher. Martin Dietler, Abteilungsleiter Wärmeprojekte, ergänzt: «Das Ganze ist auch für uns ärgerlich. Zu den Verzögerungen führte unter anderem, dass Arbeiten zu spät ausgeschrieben wurden und wir daher auch zu spät Angebote erhalten haben.» Dieses Versäumnis führt er auf den beauftragten Planer zurück. «Wir werden mit der Firma das Gespräch suchen, damit solche Dinge in Zukunft nicht mehr passieren.»

Man mache ansonsten gute Erfahrung mit dem Planer. «Und wir garantieren nach wie vor, dass der Wärmeverbund rechtzeitig zur Heizperiode in Betrieb genommen werden kann.» Das freut auch den Stadtbaumeister zu hören, der für die Verzögerungen dennoch wenig Verständnis hat. Bedauerlich ist aus seiner Sicht nämlich auch, dass die Schulferien «verlauert» wurden – an und für sich eine ideale Zeit, um auf dem Schulgelände, auf dem auch Kinder unterwegs sind, zu bauen.

Keine einfache Geburt

Martin Dietler von der EBM sagt, es sei nach der Wiederaufnahme der Arbeiten immer noch Ziel, ab Herbst 2012 Wärme liefern zu können. 17 auf 17 Meter breit, 3 Meter hoch und mit einer Kaminhöhe von rund 8 Metern über Boden – so soll die neue Heizzentrale aussehen. In Zukunft sollen unter anderem die städtischen Gebäude an der Lindenstrasse durch den mit Holzschnitzeln von der Bürgergemeinde betriebenen Nahwärmeverbund geheizt werden. «Ab September werden wir den Öl-Kessel in Betrieb nehmen», sagt Dietler. «Einen bis zwei Monate später dann den Holzkessel.» Auch Projektleiter Sacher betont, man könne die Zeitpläne trotz allem einhalten. Zumindest hoffe er das. Denn der Nahwärmeverbund Zentrum dient der Nachhaltigkeit und sinnvollen Energieverwendung. Die EBM hat in der Schweiz schon mehrere ähnliche Projekte realisiert. Obwohl noch immer nicht alle Arbeiten vergeben sind, solle es zu keinen weiteren Verzögerungen mehr kommen.

Bloss: Selbst wenn die Probleme passé sein sollten – eine Zangengeburt ist das Projekt schon jetzt: Optik und Standort wurden im Vorfeld von Behördenmitgliedern diskutiert und von privaten Einsprechern kritisiert. Schon davor war es zu Widerstand gekommen; dazumal, weil unter Anwendung des Submissionsverfahrens nicht die heimische SWG mit dem Auftrag beglückt werden konnte. Besondere Aufregung lösten die aktuellen Verzögerungen denn nun erneut bei jenen Lokalpolitikern aus, welche nebenbei auch noch im Verwaltungsrat der SWG sitzen.