In der neuen Sonderausstellung «Unruhige Zeiten» setzt sich das Kultur-Historische Museum mit den diversen Krisen in der Uhrenindustrie auseinander. An der gut besuchten Vernissage erhellte Wirtschaftshistoriker Bruno Bohlhalter die Hintergründe der Krise in den 1970er-Jahren. Das Thema habe die Verantwortlichen des Museums schon seit einiger Zeit beschäftigt, erklärten Stiftungsratspräsident Lukas Walter und Museumsleiterin Angela Kummer. Es bedürfe allerdings einer gewissen Distanz, um die Geschehnisse richtig einzuordnen. In jüngster Zeit haben Forschung und Publikationen nun die wissenschaftliche Grundlage zur Ausstellung geschaffen.

Das Warten hat sich gelohnt. Den Ausstellungsmachern ist es gelungen, ein ziemlich komplexes Thema und seine Auswirkungen auf die Menschen anschaulich darzustellen.

Knappe und prägnante Texte führen den Besucher durch die Thematik, beleuchten, wie es zu diesen verschiedenen Krisen hatte kommen können oder gar müssen, werfen aber auch ein Licht auf die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen. So wird das Gewerbe angesprochen, die Arbeiterkonflikte, aber auch die Tatsache, dass die Stadt Grenchen schon früh mit Arbeitslosen-Projekten versuchte, die Not zu lindern, und damit auch das Stadtbild veränderte. So gehen zum Beispiel der Marktplatz, die Anfänge des Flughafens, die Bergstrasse oder auch der Lindenpark (ehemaliger Friedhof) auf solche Massnahmen zurück, ebenso wie verschiedene Kunstwerke im öffentlichen Raum.

Selber Erinnerungen aufsprechen

In der Ausstellung wird man jedoch nicht nur mit «Textfutter» versorgt, diverse Multi-Mediastationen laden zum eigenständigen Handeln ein. Besonders erwähnenswert: Mittels Webcam können Zeitzeugen im Sinne von «Oral History» ihre Erinnerungen, aber auch Eindrücke, die ihnen überliefert wurden, weitergeben. Schliesslich laden Kommoden und Schubladen zum Stöbern ein. Die «erbeuteten» Gegenstände wecken bestimmt und bestimmte Assoziationen zum Ausstellungsthema.

Bruno Bohlhalter räumte in seinem Referat über die Krise in den 1970er-Jahren unmissverständlich mit dem Mythos auf, die Japaner hätten «die gute Schweizer Qualitätsuhr mit ihren elektronischen Zeitmessern aus dem Markt gedrängt. Nein, sie taten es mit ihrer Ankeruhr. Sie schlugen die Schweizer gewissermassen mit ihren eigenen Waffen.» Den Asiaten war es nämlich gelungen, die gesamte Produktionsdauer einer Uhr im Mittel von 30 auf eineinhalb Tage zu reduzieren.

Struktur- und Technologiekrise

Es habe nicht einfach eine Quarzkrise gegeben, sondern zwei unterschiedliche Krisen, die unmittelbar aufeinander folgten, erklärte der Referent weiter. Zuerst die Strukturkrise von 1970 bis 1976 als Folge von Fehlentwicklungen unter dem Regime des Uhrenstatutes. Ursprünglich war diese Kartell-Struktur aus den Zwischenkriegsjahren für die Industrie tatsächlich ein Vorteil.

Das Uhrenstatut sei aber zunehmend dirigistisch und schwerfällig geworden und habe nötige Kurskorrekturen in der Unternehmensführung schliesslich derart behindert, dass es als eine der Ursachen für die schwere Krise in den 70er-und 80er-Jahren anzusehen sei. Dazu folgte darauf ein Strukturbruch, bedingt durch den Technologiewandel von der mechanischen zur elektronischen Uhr. Auf die Gewinnstrasse bog man erst wieder Mitte der 80er-Jahre nach der Fusion von SSIH und ASUAG zur SMH ein.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet (siehe Kasten links).