Wasser – auch «das blaue Gold» genannt – ist für das Leben unerlässlich. Bereits die alten Römer haben sich intensiv mit der Wasserversorgung auseinandergesetzt und gewaltige Versorgungsanlagen errichtet. Auch in Grenchen lassen sich Spuren dieser Zeitepoche wiederfinden, wie beispielsweise der Römerbrunnen im Breitholz beweist. Dieser Thematik nahm sich heute, dem internationalen Museumstag, Gerd Rettschlag an. Der Leiter Gas und Wasser bei der SWG referierte in einer lockeren Runde über die Geschichte der Wasserversorgung Grenchens im Kultur-Historischen-Museum.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich die ersten Brunnengenossenschaften. Gründe dafür waren einerseits das städtische Wachstum und der damit verbundene gestiegene Wasserverbrauch. Aber auch der technische Fortschritt trug seinen Teil dazu bei. So ersetzten die heimischen Wasserhähnen den alltäglichen Gang zum Dorfbrunnen.

Mit dem anhaltenden Bevölkerungszuwachs sowie dem Einzug der Industrialisierung kam allmählich der Wunsch nach einer einheitlichen Wasserversorgung in der Stadt auf. Die Realisierung erfolgte 1903 mit dem Erwerb der Dorfbach- und der Limmersmattquelle durch die Einwohnergemeinde. Zwei Jahre später erfolgte die Erweiterung des Hydrantennetzes bis nach Staad, womit das gesamte Gemeindegebiet angeschlossen war. Wasserzähler gab es zu dieser Zeit noch nicht. So beliefen sich etwa die Kosten für einen Wasserhahn in einer 2- bis 3-Zimmer-Wohnung fix auf 14 Franken jährlich.

Das Wasser kommt aus dem Berg

Mit dem Bau des Grenchenbergtunnels in den Jahren 1911 bis 1916 änderte sich die Versorgung nochmals grundlegend. Denn während den Bauarbeiten wurde 1913 die Dorfbachquelle angebohrt. Innerhalb weniger Monate war diese fast vollständig versiegt und gut sechs Millionen Kubikmeter Wasser wurden aus dem Bergesinnern hinausgeschwemmt. Zum Vergleich: Heute hat Grenchen einen jährlichen Verbrauch von knapp 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser. Immerhin waren die Bauherren aufgrund verschiedener Gutachten auf mögliche Wassereinbrüche vorbereitet, wenn auch nicht in diesem Ausmass. «Das fehlende Trinkwasser wurde durch eine elektrisch betriebene Pumpanlage aus dem Tunnelinnern dem bestehenden Röhrennetz zugeführt», wie aus dem Schlussbericht von 1917 zu entnehmen ist.

Nach der Fertigstellung des Tunnels erschloss die Stadt 17 Quellen und konnte fortan wieder reichlich Wasser aus dem Berg nutzen. Fünf weitere Quellen kamen nach der Sanierung
der Fassade 2006/07 hinzu. «Auch
heute macht das Tunnelwasser noch rund 90 Prozent der Trinkwasserversorgung der Stadt aus», erklärt Rettschlag. Dennoch, auf die Bergquellen alleine mochte man sich allerdings nicht mehr verlassen. Aus diesem Grund hat Grenchen in den 1960er Jahren mit verschiedenen Gemeinden im Wasseramt und dem Bucheggberg die Gruppenwasserversorgung umgesetzt. Dadurch wird gewährleistet, dass bei einem Ausfall, wie beispielsweise bei langer Trockenheit, genügend Wasser vorhanden ist.