Grenchen

Eine selbstbewusste Schweiz muss sich bewegen

Nicht nur besinnliche Worte prägten die Reden 1.-August-Feier im Grenchner Stadtpark, denen ein zahlreiches Publikum lauschte. Als Gastredner war Erich Fehr, Stadtpräsident von Biel, präsent.

Wie in den letzten Jahren besuchten einige hundert Grenchnerinnen und Grenchner die Feier im Stadtpark beim Parktheater. Der Anlass wurde mit einem Apéro, offeriert vom neuen Wirt des Restaurants, der Cucina Arte GmbH, eröffnet und die Seeländer Mundart Rockgruppe Läärguet begrüsste das Publikum musikalisch.

Grenchens Stadtpräsident Boris Banga hielt in seiner Rede Rückschau auf das vergangene Jahr. Eurokrise, milliardenschwere Rettungsschirme, kurz vor dem Bankrott stehende europäische Länder und immense Staatsverschuldungen waren Themen, von welchen die Schweiz glücklicherweise grösstenteils verschont blieb. Vor allem die horrenden Arbeitslosenquoten, speziell bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen gaben Banga zu denken. Aber, so stellte er fest, die Nöte unserer Nachbarländer seien zum Glück nicht die unseren. Jugendarbeitslosigkeit gebe es kaum. «Die Eurokrise erleben wir in erster Linie vor dem Bildschirm, unseren Alltag prägt der starke Franken.»

Warum es der Schweiz in diesen schwierigen Zeiten so gut gehe, darauf gebe es keine einfachen Antworten, meinte Banga. Er nannte unser Schulsystem mit Lehrlingsausbildung, die Arbeitsdisziplin und die politische Stabilität als mögliche Faktoren. Er betonte auch die gute, wirtschaftliche Lage der Stadt Grenchen. Banga erinnerte auch daran, dass noch im 19. Jahrhundert viele Schweizerinnen und Schweizer aus purer Not das Land verliessen und ihr Glück anderswo suchten.

Unter den zahlreichen Gästen war auch der Stadtpräsident der Nachbarstadt Biel, Erich Fehr, der als Festredner eingeladen worden war. Fehr meinte, es sei wichtig, Distanz zu gewinnen und die reale Situation nüchtern zu analysieren. Nur so könne man die richtigen Schlüsse für die Zukunft ziehen. Die Schweiz sei eine Erfolgsgeschichte, denn kein anderes Land existiere seit mehr als 700 Jahren. Aber nicht alles laufe gut: Der Sozialdemokrat Fehr geisselte die zu hohen Managerlöhne und sprach sich für mehr Lohngerechtigkeit und eine soziale Marktwirtschaft aus.

Grosse Herausforderungen

Die Schweiz, und insbesondere unsere Region, stünden im Blick der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise vor grossen Herausforderungen: Der Bieler Stadtpräsident zeigte Verständnis für unsere Nachbarn, die nicht mit allen Schweizer Praktiken einverstanden seien, und betonte, dass es in unserem Interesse sei, dass die Schweiz sich bewegt. «Die Erfolgsrezepte der Vergangenheit werden nicht die Erfolgsrezepte der Zukunft sein.» Der wirtschaftliche Erfolg und somit der Spielraum zur Erhaltung des sozialen Erfolgsmodells «Schweiz» könne nur dann bestehen, wenn sich unser Land auf die Staatengemeinschaft zu bewege und sich nicht abschotte, wie dies die SVP und die Auns verlangten. Laut Fehr kann die Uhrenindustrie die wirtschaftliche Krise etwas mildern und spielt deswegen eine wichtige Rolle. Bei anderen gesellschaftlichen Problemen, wie dem Phänomen «Working Poor» oder dem «nur schwer zu bewältigenden» Migrationsdruck müsse als Leitschnur immer die Respektierung der Menschenrechte gelten, betonte Fehr. «Damit wir auch in Zukunft in Würde und Wohlstand leben können, müssen wir als selbstbewusste Schweizerinnen und Schweizer, als selbstbewusstes Land die veränderten Rahmenbedingungen akzeptieren und unsere Stärken in diesem Rahmen neu positionieren.»

«Chueli Musig» leitete von den Reden zum Pasta-Buffet über, das beim Publikum grossen Anklang fand. Der Gaukler «Salem» sorgte mit feurigen Einlagen und Zaubereien für Stimmung. An manchem Tisch wurde der 721. Geburtstag der Schweiz noch ausgiebig diskutiert und kräftig gefeiert und «Läärguet» gab nochmals eine musikalische Einlage, bevor ein Lampionumzug und ein romantisches Feuerwerk den Abend beschlossen.

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