Die Zähnteschür Bettlach hat wesentlich zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben im Dorf beigetragen. Doch weil das Interesse an Grossanlässen immer mehr abnahm und die Lärmreklamationen von Anwohnern sich häuften, sollen diese Zeiten nun vorüber sein. Um wenigstens die historische Liegenschaft zu retten, überlegt sich der 1977 gegründete Zähnteschür-Verein, das Haus zu verkaufen.

«Die Zeiten ändern sich. Die kulturellen Anlässe fanden nicht mehr ein so grosses Echo. Grosse Namen vermochten nur mit viel Aufwand den Saal einigermassen zu füllen. Helfer waren nur mit Mühe, wenn überhaupt, aufzutreiben», schreibt der Zähnteschür-Verein in einer Mitteilung an diese Zeitung. Bloss durch die Vermietungen der Räume für Familienfeste, Hochzeiten und Ähnliches konnte man sich über Wasser halten, erklärt Vorstandsmitglied Peter Wirth.

Demnächst wären grössere Renovationsarbeiten an der Heizung, am Dach und an der Fassade angestanden; für den Verein keine leichte Übung, da er sich mit einem jährlichen Gemeindebeitrag von 4000 Franken zufrieden-geben muss. Was dem Kulturlokal aber den Todesstoss versetzen könnte: Eine Nachbarin hat von den regelmässigen Feiern die Nase voll und dem Verein über ihren Anwalt mit Klage gedroht. Der Grund: Eine alte Vereinbarung – erklärt Peter Wirth – regelt, dass jährlich nur sechs Vermietungen gemacht werden dürfen. Es handle sich um eine richterliche Verfügung aus dem Jahr 1987. Dass die heutigen Vorstandsleute nichts mehr davon wussten, ändert an der rechtsgültigen Existenz nichts. «Mit so wenig Vermietungen ist ein Weiterbetrieb erst recht nicht möglich», so Wirth. Das zeigt das Budget 2012: Ohne zusätzliche Vermietungen wird bereits mit einem Minus von rund 6200 Franken gerechnet.

Neu Kunst- und Geschichtszentrum

An einem Infoabend orientierte der Vorstand durch seinen Präsidenten, Peter Gross, die Vereinsmitglieder. Einige reagierten sehr emotional.

Vielleicht aber kann eine Katastrophe doch verhindert werden: Alternative Räume für Veranstaltungen besitzt Bettlach ja etwa in den Sälen der beiden Kirchen. Zudem besteht für die Zähnteschür die Möglichkeit, sie für die Zukunft ohne finanzielle Schieflage zu retten: Beat Leimer, Unternehmer aus Bettlach, hat dem Vorstand ein Angebot unterbreitet, die Zähnteschür zu kaufen und daraus ein Zentrum für Kunst und Geschichte zu realisieren, unter anderem, indem das umfangreiche Archiv von Edgar Leimer über die Bettlacher Geschichte einen Platz fände. «Zähnteschür bleibt Zähnteschür», so Leimers Motto. Der Baucharakter und die Tradition sollen erhalten bleiben. Es wären schonende, bauliche Eingriffe geplant, welche mit der Denkmalpflege vereinbart würden. Die Schür würde saniert und renoviert. Ferner würde die kleine Wohnung im 1. Stock Ost endlich ausgebaut. Die Zähnteschür soll wieder bewohnt werden.

Und wie geht es jetzt weiter? Noch ist nichts definitiv. Wie bis anhin fortfahren zu können, scheint aufgrund des rückläufigen Publikumsinteresses und der mit Klage drohenden Nachbarin jedenfalls unmöglich. Die Generalversammlung des Zähnteschür-Vereins vom 30. März wird über das weitere Vorgehen Beschluss fassen müssen – insbesondere über Frage, ob die Zähnteschür an Beat Leimer verkauft oder eine andere gangbare Lösung verfolgt werden soll. Auch die Gemeinde wird ein vielleicht letztes Mal Stellung beziehen müssen. Und Wirth ergänzt: Würde die Zähnteschür an Beat Leimer verkauft, soll die Durchführung des traditionellen Zähnteschür-Festes weiterhin möglich sein. Ebenso wären individuelle Führungen durch die Dorfgeschichte von Bettlach sowie die Kunstsammlung vorgesehen.