Eigentlich wollten Stadtpräsident François Scheidegger und David Baumgartner, designierter Interimspräsident des «neuen» FC Grenchen, der aus der Fusion des FC Grenchen mit Wacker entsteht, mit denjenigen Vereinen, die sich gegen eine Fusion ausgesprochen hatten, über Fragen in Sachen Infrastruktur sprechen. Doch daraus wurde nichts.

In den letzten Jahren gab es immer wieder ein Hin und Her im Bereich Juniorenfussball in Grenchen. Mal bildeten ein paar Klubs eine gemeinsame Gruppierung und einer zog sein eigenes Ding durch, oder dann einigte man sich auf ein gemeinsames Vorgehen und ein anderer Klub gab aus irgendwelchen Gründen wenig später den Austritt aus der Gruppierung.

Im Rahmen der Fusionsgespräche hatten alle Präsidenten ein Commitment abgegeben, künftig im Juniorenbereich zusammenarbeiten zu wollen, unabhängig davon, wer mit wem fusioniert. Eine unbestrittene Sache, wie es aussah und für die Stadt Grenchen als Infrastrukturgeberin und Initiantin der Fusion ein zentrales Anliegen.

Bis die Junioren-Obfrau des FC Fulgor, Susanne Saladin, vorpreschte und von sich aus eine neue Organisation des Juniorenbereichs mit neuen Köpfen nicht nur vorschlug, sondern gleich als gesetzt ankündigte. Ein Vorgehen, das von der Stadt nicht sonderlich geschätzt wurde und Baumgartner dazu veranlasste, eine kurzfristige Sitzung mit den Klubpräsidenten und Juniorenobmännern einzuberufen, um das «Wie weiter» zu besprechen.

Emotionen dominieren

Die Sitzung unter der Leitung der von der Stadt eingesetzten Mediatorin Valesca Zaugg verlief alles andere als harmonisch. Statt «zielführend» zu diskutieren, wie Baumgartner es ausdrücklich wünschte, lieferten sich die Präsidenten der Vereine – Peter Zumstein von Fulgor, Marcel Bolliger von Wacker und Silvano Lombardo von Ital Grenchen – immer wieder emotionsgeladene Wortgefechte und machten sich gegenseitig Vorwürfe zu Vorfällen aus der Vergangenheit.

Einzig Lilo Dellsperger als Vertreterin des FC Grenchen blieb ruhig. Von den Juniorenobmännern war niemand erschienen, Lombardo wurde von Massimiliano Faga, Verantwortlicher für Anlässe bei Ital Grenchen, begleitet, der vergeblich versuchte, etwas Sachlichkeit in das Gespräch zu bringen.

V.l.: Marcel Bolliger, Lilo Dellsperger, David Baumgartner, Valesca Zaugg, Peter Zumstein, Silvano Lombardo und Massimiliano Faga.

V.l.: Marcel Bolliger, Lilo Dellsperger, David Baumgartner, Valesca Zaugg, Peter Zumstein, Silvano Lombardo und Massimiliano Faga.

Schnell kristallisierte sich heraus, dass es im Grunde um personelle Differenzen geht. Während Wacker und der FC Grenchen mit dem jetzigen Juniorenobmann des FC Wacker, Beat Lauper, weiterarbeiten wollen, lehnen dies die beiden anderen Klubs ab. Ob Lauper grundsätzlich oder nur als Führungsperson nicht genehm war, war für Aussenstehende nur schwer zu erkennen, die Aussagen diesbezüglich waren widersprüchlich. Baumgartners Vorschlag, den Obmännern eine neutrale Person überzuordnen, stiess zwar auf Zustimmung, aber «mit herzlich wenig Herzblut und ohne Spirit», wie Gesprächsleiterin Zaugg es ausdrückte.

Schliesslich einigte man sich nach längerem Hin und Her darauf, sich nicht zu einigen. Der (neue) FC Grenchen wird künftig seine eigene Juniorenabteilung organisieren, Fulgor und Ital können ihre eigene Gruppierung bilden. Ob und bei wem sich Bettlach anschliesst, bleibt offen.

Stadtpräsident François Scheidegger, der die Sitzung früher verlassen musste, äusserte sein Bedauern über das Scheitern des im Grunde gut aufgegleisten Geschäfts, das zum Wohl der Junioren gewesen wäre. Und David Baumgartner stand die Frustration nach dem Gespräch förmlich ins Gesicht geschrieben. Man habe eine weitere Chance verpasst, meinte er, und das sei schade.