Parktheater

Eine Ikone der Architekturwelt wird mit einer Ausstellung gewürdigt

Eine Ausstellung würdigt das Gebäude und seinen Architekten Ernst Gisel. An der Vernissage konnte man unter anderem die Originalmodelle für den Architekturwettbewerb 1949 begutachten.

«Wir hoffen, die Stadt Grenchen werde für ihren Mut, einen so grosszügigen Bau erstellt zu haben, belohnt, und dieses Theater entwickle sich bis in ein paar Jahren zu einem wirklichen Kulturzentrum, wo der Bevölkerung, vor allem der heranwachsenden Generation jene Werte vermittelt werden, die keiner Krise unterworfen sind.» Diese schon fast prophetisch klingenden Worte sagte der Parktheater-Architekt Ernst Gisel an der Eröffnung seines Baus im Jahr 1955.

Ein grosser Wurf

Das Grenchner Parktheater war das erste grosse Werk des Zürcher Architekten Ernst Gisel (* 1922). Mit seinem neuartigen Entwurf gewann er 1949 den nationalen Architekturwettbewerb – trotz zahlreicher und namhafter Konkurrenz (100 Mitbewerber). Und das im Alter von erst 27 Jahren. Gisel wurde in der Folge ein international renommierter Architekt mit einem grossen Spektrum. Er baute Einfamilienhäuser, Theater, Kirchen, Siedlungen, ja ganze Stadtteile, wie etwa im Märkischen Viertel von Berlin. Sein Wirken erstreckt sich über mehr als 60 Jahre. Eine Ausstellung im Parktheater rückt nun das Gebäude und das Schaffen Gisels ins Zentrum.

An der Vernissage vom Samstag würdigten Vizestadtpräsident Remo Bill (selber Architekt), Bruno Maurer, Co-Herausgeber einer Monografie zu Gisel, sowie Ausstellungsmacherin Sarah Berndt das Bauwerk und seinen Urheber, das schon bei seiner Fertigstellung internationales Aufsehen erregte und heute unter Denkmalschutz steht.

«Als Architekt freut es mich ganz besonders, dass zehn Jahre nach dem Wakker-Preis der Stadt Grenchen eine Ausstellung über den bedeutenden Architekten Ernst Gisel im Parktheater stattfindet, dem Kulturzentrum der Stadt, welches Gisel vor 60 Jahren gebaut hat», sagte Bill und dankte den drei Ausstellungsmacherinnen – einem reinen Frauenteam.

Weitgehend leergeräumt

Die Idee zur Ausstellung hatte Sandra Sieber vom Grenchner Verein «Friss!Kultur», welcher auch für die Programmierung der Saison im Parktheater verantwortlich ist. Realisiert wurde die Ausstellung von Sara Berndt und Stefanie Bittmann.

«Zum Stellen der Ausstellung haben wir das Parktheater möglichst freigeräumt, um die Leichtigkeit und Eleganz der Konstruktion sichtbar zu machen», sagte die Kuratorin Sara Berndt (Zürich), welche in Grenchen aufwuchs. Tatsächlich rückte das herbstliche Abendlicht an der Vernissage die so entschlackte Anlage ins beste Licht.

Die Schau zeigt Zeichnungen, Konstruktionspläne und Architekturmodelle, darunter das originale Kartonmodell, für den Architekturwettbewerb. Auch Unterlagen zum Erweiterungsbau von 1995, den der Architekt Erich Senn zusammen mit Gisel realisiert hat, sind zu sehen. Ferner werden Fotos weiterer von Gisel realisierter Bauten in der Schweiz gezeigt samt Einschätzungen seiner Arbeit durch Kollegen und Experten. Originell auch das Interview mir Erich Senn (Grenchen), das im Kassenhäuschen des Theaters läuft, sowie Fotoalben mit den Auftritten und Autogrammen der Bühnenstars, die einst im Parktheater gastierten.

Buch wieder erhältlich

«Man sieht, was ein bedeutendes Gebäude für eine Stadt leisten kann», sagte Bruno Maurer, Leiter des Archivs des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH. Bemerkenswert sei auch, dass vor dem Gebäude die erste öffentlich aufgestellte Plastik von Max Bill steht. Maurer überbrachte zudem die Grüsse von Gisel, dessen Alter und Gesundheitszustand leider eine Anreise nach Grenchen verunmöglichten. Sein ganzes Archiv samt Atelier hat Gisel der ETH übergeben. Die beiden Auflagen des 2010 erschienenen Buches über Gisel seien rasch vergriffen gewesen, sagte Maurer. Es wurde jetzt nachgedruckt und kann an der Ausstellung erworben werden.

Die Vernissage ging fliessend über in ein Parktheaterfest, mit Auftritten der Schwyzerörgelifründe Grenchen und des Duos Adelina Oprean (Violine) und Urs König (Klavier). Zuletzt konnte noch an einer Ü40-Party das Tanzbein geschwungen werden.

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