Mit einem solchen Lehrmeister ist der Weg allerdings auch praktisch von vornherein festgelegt. Niemand Geringeres als Walter Arni begleitete den angehenden Mechaniker Roger von Büren nämlich während dessen Lehre. Der Name Arni ist heute über die Region hinaus ein Begriff unter Töfffahrern, speziell unter den Anhängern des wohl grössten Töffmythos Harley Davidson. Gemeinsam mit seinem Bruder Fritz gründete Walter Arni 1982 die F&W Arni AG in Hessigkofen.

«Das war immer sehr spannend», erinnert sich von Büren an seine Lehrjahre. «Ich bin jeweils mit dem Töffli zu Walter Arni gefahren, um zu schauen, was er mit diesen Maschinen anstellt. Wir Lehrlinge durften dann immer mal wieder Teile für die Motorräder herstellen. Das war natürlich eine grossartige Sache.»

Spass am Problemlösen

Roger von Büren ist ein Tüftler, ein Grübler, der, hat er es einmal entdeckt, über ein technisches Problem stunden-, ja tagelang brüten kann. «Bisher habe ich noch immer eine Lösung gefunden.» Das mache für ihn auch den Reiz, den Spass an der Sache aus, erklärt der 47-Jährige. «Ich habe noch jede Maschine zum Laufen gebracht.»

Eine grossartige Sache war für Roger von Büren auch die Zeit, welche er in den USA verbrachte. Für seinen damaligen Arbeitgeber musste er in den USA den Aufbau einer Montageabteilung koordinieren. Während zweier Jahre lebte er in Maine, im Nordosten der Vereinigten Staaten. «Die Sommer sind zwar kürzer als hier, dafür regnet es erheblich weniger», erinnert sich von Büren.

Neben dem besseren Wetter gefielen Roger von Büren auch die deutlich lockereren Vorschriften für umgebaute Motorräder. «In der Schweiz ist praktisch nichts möglich. Die amerikanische Gesetzgebung ist in dieser Beziehung viel generöser.» Neben zahlreichen Pokalen, welche er mit seinen umgebauten Motorrädern gewonnen hatte, brachte Roger von Büren schliesslich auch zwei Harleys zurück in die Schweiz. Beide stehen zwar noch in seiner Garage, aber nur eine gehört ihm heute wirklich noch.

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz lernte Roger von Büren nämlich Arlette kennen und lieben. Angefangen mit dem obligaten Zwei-Gang-Töffli über Enduro-Maschinen kam auch Arlette von Büren zwangsläufig auf den Geschmack der schweren Maschinen. «Eine Harley war immer ein Traum von mir», erinnert sich Arlette von Büren. «Und dann schenkte mir Roger eine zur Hochzeit.»

«Ein Künstler»

«Roger ist ein Künstler», hält Arlette von Büren mit Nachdruck fest. Sie selber verstehe von der Technik eher wenig, sei aber immer wieder beeindruckt, wie ihr Mann mechanische Probleme angehe und auch löse. Bereits bei den Berechnungen für geplante Umbauten oder Verbesserungen scheiterten viele. «Nicht so Roger, er ist ein Künstler.»

Das bisher letzte Projekt bescherte Roger von Büren sogar einen Artikel in der deutschen Motorradzeitschrift «Dream Machines». Roger von Büren hat nämlich ein Motorrad ganz nach seinen Vorstellungen von der ersten bis zur letzten Schraube zusammengebaut.

Etwa drei Jahre, weit über 1000 Arbeitsstunden und zig tausend Franken hat der Bettlacher in seinen «No Mercy» gesteckt. Aber es habe sich gelohnt, sagt Roger von Büren. Das Bike ist nicht nur ein Unikat, es sieht auch «gnadenlos» gut aus. Obwohl «No Mercy» im Prinzip fahrtauglich ist, «richtig fertig bin ich mit dem Bike noch nicht».

Nach der Fertigstellung von «No Mercy» hätten ihn immer wieder Kollegen und Bekannte um Teile für deren Motorräder angefragt. Die Gründung der Firma «Coolcat Industries AG» war nur noch eine Frage der Zeit. Der Zeitpunkt im Jahr 2008 war, im Nachhinein betrachtet, allerdings alles andere als perfekt: «Das sogenannte ‹Customizing› ist extrem teuer. Schliesslich handelt es sich immer um Unikate.» Im Zuge der Talfahrt, welche die globale Wirtschaft im Herbst 2008 antrat, hatte kaum noch jemand Geld übrig, um sich ein so teures Hobby leisten zu können.» Mittlerweile ist «Coolcat Industries AG» denn auch Geschichte.

Vier statt zwei Räder

Auf die Frage nach dem nächsten Projekt schweigt Roger von Büren lange. «Ideen hätte ich schon. Aber es muss finanzierbar sein.» Arlette von Büren verrät schliesslich, dass ihren Mann den Bau eines sogenannten «Hot Rod» reizen würde. Ein «Hot Rod» ist ein zumeist US-amerikanisches Auto aus den 1930er- oder 1940er-Jahren, dass optisch stark verändert wurde, mit sehr leistungsstarken Motoren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Roger von Büren mit einem Vier- statt einem Zweirad auseinandersetzt. «Ich hatte mir einmal einen ‹Thunderbird› gekauft, diesen komplett demontiert und neu zusammengebaut.» Seine Mutter sei damals alles andere als begeistert gewesen, erinnert sich Roger von Büren: «Sie fürchtete, dass ich das Auto nie mehr richtig zusammenbauen könnte.»

«Thunderbirds» und «Hot Rods» zum Trotz gehört Roger von Bürens Herz den motorisierten Zweirädern. Seinen «No Mercy» darf er hier aber nicht auf die Strasse bringen, weil es das Gesetz nicht erlaubt. «Das Bike habe ich gebaut, um damit in den USA zu fahren. Allerdings ist es unglaublich schwierig, ein Visum zu erhalten.» So bleibt Roger von Büren vorderhand nichts übrig, als im Keller seines Hauses an «No Mercy» zu schrauben und auf einen Treffer in der alljährlichen «Greencard-Lotterie» zu hoffen.