Zürich
Eine Grenchner Firma gestaltet die Zürcher Nobelmeile

50 Bäume an der Bahnhofstrasse werden mit Baumscheiben der Gartenbaufirma SOL AG ausgestattet. Die Scheiben sind wasserdurchlässig und lassen sich leicht reinigen. Man war auf der Suche nach einer neuen Lösung, um die alten Metallroste zu ersetzen.

Oliver Menge
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Neue Baumscheiben an der Zürcher Bahnhofstrasse.
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Neue Baumabdeckungen an der Zürcher Bahnhofstrasse

Neue Baumscheiben an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Zur Verfügung gestellt

Die Grenchner Gartenbauhandels- und -planungsunternehmung SOL AG hat sich in den letzten Jahren auf den Verkauf spezieller Festkies-Bodenbeläge spezialisiert. Wie Geschäftsinhaber Ruedi Spielmann erklärt, zeichnen sich diese Beläge durch ihre hohe Beständigkeit, die Wasserdurchlässigkeit, den pflegeleichten Unterhalt und durch ihre Umweltverträglichkeit besonders aus.

Jetzt hat die Grenchner Firma einen prestigeträchtigen Auftrag an der Zürcher Bahnhofstrasse an Land gezogen: Im Lauf der dortigen Umbauarbeiten mussten auch die Baumscheibenabdeckungen um die dort stehenden Bäume ersetzt werden. Man suchte nach einer optimalen Lösung als die bisherigen Gitter und Metallroste. Spielmann konnte sein Produkt vorstellen: Baumscheiben aus einem Material, das den hohen Ansprüchen genügte und optisch auch etwas hergibt (siehe Kasten).

Zwei Jahre Evaluation

Die Zürcher Stadtbehörden stellten grosse Anforderungen an die neuen Baumscheiben. «Unser Produkt wurde zwei Jahre lang getestet», so Spielmann. Zuerst wurde ein Baum ausserhalb der Bahnhofstrasse mit einer Baumscheibe aus Stonefix-Festkies versehen. Bei einem weiteren Baum an der Bahnhofstrasse wurde ebenfalls versuchsweise die neue Abdeckung verbaut.

Neuartige Festkies-Beläge

Festkies-Beläge gibt es schon seit geraumer Zeit, erklärt Spielmann. Nur habe man es erst in den letzten Jahren geschafft, das Herstellungsverfahren derart zu verfeinern, dass sie wasserdurchlässig wurden. Dadurch ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die Sol AG kann hier eine Marktnische ausnutzen.
Mit einem speziellen Harz und Härter werden Kies und Splitt oder als Dekoelement Glassplitt verklebt. Je nach Einsatzgebiet unterscheiden sich die Materialien und die Grösse des eingesetzten Materials sowie der Aufbau der darunterliegenden Trägerschicht. So können beispielsweise für den Einsatz bei Alters- und Pflegeheimen, aber auch bei Spielplätzen und Kindergärten Bodenbeläge verbaut werden, deren Hauptbestandteil Kautschuk ist. Diese Beläge sind weich und nachgiebig. Andere Beläge sind sehr widerstandsfähig und auch befahrbar. Da verschiedenfarbene Materialien verbaut werden können, ist man auch in puncto Farbgebung sehr flexibel. Alle Beläge sind wasserdurchlässig.
Bei Baumscheiben – den Abdeckungen rund um Bäume, die in asphaltierten Gebieten zum Einsatz kommen – ist wichtig, dass die Beläge äusserst wasser- und luftdurchlässig sind und die Bäume auch Platz für Wachstum haben. Mit Sol-Stonefix-Festkies ist eine optimale Bewässerung der Bäume garantiert, ohne Metall- oder Gussroste. Die Versickerungsfähigkeit der Scheiben beträgt 40 Liter pro Quadratmeter pro Sekunde. (om)

Die Abteilung Grün-Stadt-Zürich testete die Wasser- und Luftdurchlässigkeit, die Abteilung ERZ Entsorgung und Recycling Zürich testete, wie verträglich die Epoxi-Baumscheiben für die Kehrmaschinen sind. Der Test erfolgte unter anderem mit Schlamm und Sand. Für das Tiefbauamt der Stadt Zürich war bezüglich des Unterhalts von Interesse, ob eine kleine Epoxifläche herausgeschnitten und wieder neu eingebaut werden kann.

Nach einem längeren Evaluationsverfahren durch die verschiedenen Abteilungen der Stadt Zürich entschied man sich dafür, Stonefix-Festkies bei allen 50 Bäumen in der Bahnhofstrasse einzusetzen. «Ein wunderbarer Auftrag, auf den wir besonders stolz sind», betont Spielmann. Verbaut wurden die Baumscheiben durch die Firma Stehli W. AG aus Gossau, die Sol AG liefert das Know-how und das Material.

Diverse Kriterien waren wichtig

Für die Zürcher war wichtig, dass zum einen der Belag äusserst wasserdurchlässig ist. «Pro Quadratmeter können pro Sekunde rund 40 Liter versickern. Das heisst: keine Pfützen und optimale Bedingungen für eine rasche Bewässerung», erklärt Spielmann. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Erdbelägen, wo sich rasch Pfützen bilden, wenn der Boden gesättigt ist, kann das Wasser unter der Oberfläche ins Aufbaumaterial und das darunterliegende Erdreich abfliessen. So können die Bäume, insbesondere Jungpflanzen, schneller gegossen werden und bei Regen bleibt es sauber.

Zum anderen der Unterhalt: Da der Belag sogar einem Hochdruckreiniger widersteht, kann er problemlos auch mit herkömmlichen Kehrmaschinen gereinigt werden. Etwas, das bei den bisherigen Metallrosten und Gittern nicht möglich war, die Zigarettenkippen mussten von Hand rausgepuhlt werden.

Auch war den Stadtbehörden wichtig, dass der Belag zu 100 % rezyklierbar und umweltfreundlich ist, er entspricht der EU-Norm HQE (Haute Qualité Environement). Und nicht zuletzt mussten die neuen Baumscheiben an der teuersten Meile der Welt auch optisch etwas hergeben.

Öffentliche Hand: wenig Interesse

Zürich ist nicht der erste Ort, an dem die neuartigen Bodenbeläge zum Einsatz kommen: «Wir konnten erst kürzlich in Fully rund um ein Gemeindezentrum SOL-Epoxy-Belag verbauen, bei einem Kindergarten in Zimmerwald rund 380 Quadratmeter damit versehen und noch viele andere private Bauvorhaben ausführen».

Nur die öffentliche Hand in der Region tue sich noch schwer, sagt Spielmann. «Weder Grenchen oder Solothurn, noch Biel oder Bettlach zeigten bislang Interesse, obwohl – gerade im Bereich von Baumscheiben – eine Abdeckung mit Gittern oder Metallrosten rund 10 Mal mehr kostet.»

Das könnte sich nach dem Zürcher-Grossauftrag ändern, jedenfalls haben die neuartigen Baumscheiben bei Privaten schon das Interesse geweckt: «Vor kurzem sind zwei Paare bei uns erschienen, die an der Bahnhofstrasse einkaufen gingen und nun bei sich zu Hause im Garten SOL-Festkies-Beläge einbauen möchten.»

Für diesen Winter kann Spielmann im Tessin eine weitere Testfläche mit seinem Belag ausstatten. Verlaufen die Tests erfolgreich, steht bald ein nächster Grossauftrag bevor: Die Ausstattung einer berühmten Promenade mit den Grenchner Bodenbelägen.