Bunt geschminkt, mit fantasievollen Gewändern, traten die verschiedenen Guggen an der stimmungsvollen und lauten Jubiläumsparty der GMFZ-Chappeli-Tüüfle in Grenchen auf. Die hiesige Formation feierte mit dem Fest ihr 60-jähriges Bestehen. Tatsächlich glich der Eusebiushof einem Tollhaus. Denn erstmals in der Geschichte des Jubilars gab es in Grenchen ein Guggentreffen ausserhalb der legendären Guggennight am Fasnachtssamstag.

Der Begriff Guggenmusik ist erstmals in der Basler Fasnacht von 1906 dokumentiert. In den 1950er-Jahren schwappte das Guggenfieber jedoch durch die Schweiz, und die älteste Formation in Solothurn ist heute die Hilari-Musik. Die stark rhythmische Musik mit ihrer ganz eigenen Art von «false», ist ein Spiel in der Regel für Blechblasinstrumente, Flöten und Trommeln. Normalerweise werden die Melodien sehr geschickt «falsch» gespielt, das heisst, die Melodie kann ohne Zweifel erkannt werden. Doch ein Merkmal hatte man damals wie heute. Die Formationen wurden und werden von den dominierenden Rhythmusgruppen angetrieben.

Auch in der Faschingszunft, der ältesten fasnächtlichen Gruppierung in Grenchen, fanden 1951 einige Narren Gefallen an der komischen, wilden und mitreissenden Musik, so richtig passend für die tollen Tage der Fasnacht. Das war die Geburtsstunde der Guggenmusig der Faschingszunft, kurz GMFZ genannt. Fasnächtler wie Cesar Schneider, Roger Dubois, Otto Merz und Hans Blaser waren ihre Protagonisten. Selbst der spätere Obernarr Fred Werro war ein begeisterter Guggenmusiker.

Wie Phönix aus der Asche

Das Rad der Zeit drehte sich weiter und 60 Jahre sind eine lange Zeit. Und nicht immer war eitel Freude unter den Gesinnungsfreunden. Doch eines ist sicher: Immer wenn die fünfte Jahreszeit beginnt, steigt die GMFZ wie Phönix aus der Asche empor zu neuen Taten. Die GFMZ intoniert aktuelle Hits und Oldies auf eigensinnige Art und Weise. Lange Zeit war der «Tonero» die Erkennungsmelodie der GMFZ. In den Neunzigerjahren beschloss man, sich offiziell den Namen Chappeli-Tüüfle zuzulegen und begeisterte mit dem typischen Brass-Band-Stil die Herzen der Menschen. Eine wilde mitreissende Musik, zu der man auch noch gut tanzen kann.

Es waren aber auch die Chappeli-Tüüfle, die eine Männerbastion stürzten. Denn Grenchens älteste Narrenvereinigung, die Faschingszunft, eine reine Männergesellschaft, öffnete sich für Frauen. Obwohl 2003 widerrufen, wurde just zum 60. Geburtstag die Öffnung für Frauen wieder rechtskräftig.

Ein Knallbonbon schräger Töne

Die Geburtstagsparty im Eusebiushof, ohne Grenchner Guggen (Sportferien), wurde dennoch zum Knallbonbon schräger Töne. Während eine Gruppe EX-GMFZler im damaligen Brassbandstil die Geburtstagwünsche überbrachte, wurden die Auftritte der Formationen Schnadehüdeler (Niederwil), Fürobe-Blooser (Selzach), Baukis (Kriegstetten), Stedtlihüpfer (Wiedlisbach) und Sumpfgugger (Seengen, AG) zur Symphonie der Disharmonie. Eine wilde Musik ohne erkennbare melodische Töne bezeichnet man heute in der Musik als Kakofonie.

Im historischen Kontext wurde schon die Musik von Richard Strauss und darin die Elektra als Kakofonie bezeichnet. Ja sogar Dimitri Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» wurde von der sowjetischen Staatsmacht in einem «Prawda»-Artikel als «Chaos statt Musik» und als Kakofonie bezeichnet. Doch wenn die Gugger los sind, ja dann ist Fasnachtszeit.