Gemeinderat Grenchen
Eine Fussgängängerverbindung erscheint dem Rat nicht dringlich

Der Grenchner Gemeinderat erachtet eine Verbindung zwischen Eschenweg und Schlachthausstrasse nicht als dringlich. Ein Vorstoss der die jahrzehntealte Pendenz endlich umsetzen wollte, wurde lediglich als Postulat überwiesen.

Andreas Toggweiler
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Die Fussgängerverbindung zwischen Eschenweg und Schlachthausstrasse in Grenchen muss weiter warten.

Die Fussgängerverbindung zwischen Eschenweg und Schlachthausstrasse in Grenchen muss weiter warten.

Andreas Toggweiler

Der Grenchner Gemeinderat hat am Dienstag Abend eine Motion von Robert Gerber (FDP) für eine Fussgängerverbindung zwischen Eschenweg und Schlachthausstrasse lediglich als Postulat überwiesen. Dies, nachdem Gerber sich bereit erklärt hatte, den Vorstoss entsprechend abzuschwächen.
Damit dürfte die Verbindung bis auf weiteres ein Trampelpfad bleiben, obwohl sich Anwohner seit Jahrzehnten für einen Ausbau stark gemacht hatten und die Stadt sich auch für die Realisierung einer Fussgängertreppe aussprach. Ein Projekt liege eigentlich vor, meinte Stadtbaumeister Aquil Briggen.

Seit Jahrzehnten immer wieder ein Thema

Und das in der Tat schon lange: «Seit dem Jahr 1977 wurden immer wieder Projekte zum Treppenweg erarbeitet», heisst es in der Stellungnahme der Baudirektion, welche beantragte, die Motion Gerber erheblich zu erklären. Die «jüngere» Geschichte beginnt mit einer Petition welche 2010 eingereicht wurde. In der Folge hatte die Baudirektion ein entsprechendes Bauprojekt erarbeitet, welches seit 2011 mehrmals budgetiert und immer wieder gestrichen wurde. Letztmals wurde das Projekt 2015 und 2016 in zwei Lesungen behandelt und aufgrund der finanziellen Situation erneut auf eine Umsetzung verzichtet. Seither tauchten die 135'000 Fr. für die Treppe in den Budgetplanungen nicht mehr auf.

Mit dem Treppenweg verbunden war der Wunsch nach einer zusätzlichen Bushaltestelle auf der Schlachthausstrasse. Hier wäre allerdings der Kanton zuständig, wie BGU-Direktor Hans-Rudolf Zumstein am Dienstag Abend vor dem Rat sagte. Er sah aber ein zusätzliches Fahrgastaufkommen auf der neuen Haltestelle am Fuss des Weges nicht gegeben, da die Quartierbewohner im nahen Monbijou in den Bus einstiegen. Es sei mit lediglich 15-20 Passagieren pro Tag zu rechnen.

Seltene Allianz von SVP und SP

Mit dieser Ausgangslage war eine Ratsmehrheit nicht zu überzeugen, zumal ein zusätzlicher Bushalt ohne Busbucht auf der Schlachthausstrasse auch zu Problemen führen kann. «Die Schlachthausstrasse ist Teil des Ypsilon, der Zentrumsumfahrung von Grenchen», rief Marc Willemin seitens der SVP in Erinnerung. Und da keine Busbucht gebaut werden könne, würde eine weitere Haltestelle den Verkehr behindern. Die SVP lehne das Projekt deshalb ab. «Es sind nur 213 Meter zur Bushaltestelle Monbijou. Da sehe ich den Sinn nicht», meinte auch Nicole Hirt (GLP).

Für einmal hatte auch die SP Zweifel am Nutzen der zusätzlichen Bushaltestelle, wie dem Votum von Daniel Hafner zu entnehmen war. Man werde nur ein Postulat unterstützen. Da nützte es auch nichts mehr, dass Vize-Stadtpräsident Remo Bill (SP) dagegenhielt. «Es geht hier primär um den Fussgängerverkehr innerhalb der Stadt, der mit dieser Verbindung verbessert werden kann.» Und es liege ein Projekt vor, das man nur aus der Schublade ziehen könne. Auch Peter Brotschi (CVP) und Konrad Schleiss (FDP) versuchten eine Lanze für Fussgängerwege zu brechen. «Die Verbindung ist im Fussgängerkonzept vorgesehen», meinte Schleiss.

Die Fronten waren aber abgesteckt und Gerber musste sich mit der Umwandlung in ein Postulat begnügen.

Gegenseitiger Dank im Coronajahr

Der Gemeinderat hat auch das Reporting der Grenchner Schulen behandelt. Gesamtschulleiter Hubert Bläsi stellte dabei ein rund 30-seitiges Papier mit Berichten und Statistiken vor, das für seinen Informationsgehalt gelobt wurde. Angela Kummer (SP) bedankte sich bei den Lehrkräften und Eltern, welche während des Lockdowns und darüber hinaus unter erschwerten Bedingungen vollen Einsatz geleistet hätten.

Im Zeichen des Dankes an alle Involvierten stand auch die Jahres-Schlussansprache von Stadtpräsident François Scheidegger, in welcher dieser das «Coranajahr» in Grenchen Revue passieren liess. Dass der Politbetrieb kaum eingeschränkt war, zeigte sich an 11 Gemeinderatssitzungen mit 109 behandelten Geschäften und (bisher) 13 GRK-Sitzungen, an welcher sogar 150 Geschäfte traktandiert waren.