Der Weg zum Camping «Les Oeuchettes» in Romont führt in eine andere Welt. Nach der Fahrt zum Dorf, keine 10 Minuten von Grenchen entfernt, biegt man in eine kleine Strasse ein, fährt vorbei an Bauparzellen, die zu verkaufen sind, schönen und weniger schönen Häusern mit schönen und weniger schönen Blumenkistchen vor den Fenstern. Ein Kuhgitter am Boden markiert das Ende des Dorfs. Vögel zwitschern, die Blätter rascheln im Wind, kein Verkehrslärm stört die Ruhe. Die Strasse windet sich weiter nach oben, durch Weiden und Wälder, vorbei am ersten der zwei Campingplätze. Hier sind in erster Linie Grenchner zu Hause, verrät ein Schild am Eingang.

«Beschloss, dass ich einen Rückzugsort brauche»

Etwas weiter oben stehen inmitten einer weitläufigen Anlage kleine Häuschen. Auch hier bilden Wohnwagen die «Grundlage», nur haben die Besitzer hier nicht bloss ein Vorzelt aufgestellt, sondern ganze kleine Häuser um ihre Wohnwagen gebaut. Mobilität ist hier nicht gefragt, die Wohnwagen grösstenteils nicht mehr sichtbar. Sie wurden sozusagen zu vollwertigen Ferienhäuschen aufgemotzt.

Hier sind vor allem «les Welsches» zu Hause, aber auch einige Grenchner haben hier ihren Sommer-Wohnsitz. Einer von ihnen ist der ehemalige Postbeamte Walter Bühler, der seit 1996 zusammen mit seiner Frau Rita regelmässig hier anzutreffen ist. «Kurz vor der Umstellung der Post auf Computer, beschloss ich, dass ich in der hektischen Zeit einen Rückzugsort, eine Oase brauche.» Bühler war aus dem Luzernischen nach Grenchen gekommen. Der gelernte Bäcker arbeitete nach etlichen anderen Stationen bei der Bäckerei Beyeler. Nach Grenchen kam er, weil sein Bruder eine Stelle als Gärtner im Kinderheim Bachtelen gefunden hatte. Dort lernte der passionierte Fussballfan, der jede freie Minute ins Bachtelen fuhr, um dort mit dem Bruder und anderen Jungs Fussball zu spielen, seine zukünftige Ehefrau kennen; sie war Säuglingsschwester im Bachtelen, damals noch «St. Joseph».

«Die Ruhe hier oben ist einfach himmlisch»

Auf einer Wanderung funkte es zwischen den beiden, 1971 wurde geheiratet, zwei Mädchen kamen kurze Zeit später zur Welt. Bühler arbeitete inzwischen schon bei der Post Grenchen. Und die Post prägte das Leben der Familie 40 Jahre lang, auch in den Ferien: Diese verbrachte man in einer Postwohnung, sei es in Crans-Montana oder in Gstaad. «Wir flogen nur einmal ins Ausland nach Sardinien in die Ferien, unseren Töchtern zuliebe. Aber nach zwei Wochen Meer und Strand vermisste ich die Berge und war froh, wieder zurück in die Schweiz zu kommen», sagt der heute 75-jährige.

2000 wurde Bühler pensioniert und hatte endlich Zeit für seine Hobbys: Rad fahren und Fussball. Und die Oase in Romont. «Die Ruhe hier oben ist einfach himmlisch, die Kameradschaft untereinander und die guten Kontakte sind sehr wertvoll.»

Und wie findet man so eine Oase?

«Darauf gestossen sind wir eher aus Zufall, genauso, wie wir aus Zufall bei den Welschen gelandet sind», erzählt Bühler. Die Familie hatte einen Picknickplatz ganz in der Nähe des Campings entdeckt und war öfters hier oben. Und irgendwann erfuhren sie, dass einer der Wagen mit Vorbau zu verkaufen war. «Wir haben, verglichen mit den heutigen Preisen, viel bezahlt, aber damals war die Nachfrage enorm gross», sagt er. Heutzutage sei es schwierig, Nachfolger zu finden: «Viele der Wohnwagenbesitzer sind schon älter und möchten ihre Wohnwagen verkaufen, einige starben in den letzten Jahren. Junge suchen aber eher Plätze an Seen oder Flüssen und sind nicht zu begeistern für Plätze wie diese hier.»

Ausflugsziel für Familie und Freunde

Die Bühlers hatten Glück mit ihrer Oase: Der Anbau war ausserordentlich gut und solide gefertigt, der Wohnwagen dahinter in gutem Zustand. Und das Beste: Der Vorbesitzer hatte eine Küche im Vorgarten installiert, einen alten Holzherd, wie man sie sonst nur noch in alten Bauernhöfen findet. «Ich liebe es, damit zu kochen. Alles ist möglich, sogar Pizza. Man muss nur wissen wie und mit welchem Holz, dann rauchts auch viel weniger.»

Die Oase der Bühlers wurde zu einem beliebten Treffpunkt für die Nachbarn vom Camping und zum Ausflugsziel für die Familie und Freunde aus dem Luzernischen. Besonders die eine Tochter, welche in Grenchen wohnt, ist mit ihrem kleinen Sohn immer noch häufiger Gast in Romont.

«2003 waren wir ganze drei Wochen am Stück hier oben», erzählt Bühler. Ein paar Jahre später waren es immer wieder ein paar Tage, manchmal auch im Winter, um Schnee vom Dach zu schaufeln, so Bühler. In den letzten zwei Jahren sind die Besuche in Romont aufgrund gesundheitlicher Probleme seltener geworden. Aber dennoch: «Wir geniessen die Ruhe, die Natur hier oben und kommen immer, wenn es uns möglich ist.»

«Langweilig wird es nie»

Etwas weiter oben sind Monika und Peter Schläppi zu Hause. Und das im wahrsten Sinn des Wortes: «Wir verbringen den ganzen Sommer hier, von April bis Ende September», erklärt Monika Schläppi. Vor sieben Jahren vermittelte ihnen ein Kollege den Wohnwagen mit Anbau. «Alles war in einem desolaten Zustand, ich hab alles abgerissen und komplett neu aufgestellt», erzählt Peter Schläppi. Der pensionierte Traxführer ist passionierter Handwerker und ist auch jetzt ständig daran, etwas auszubessern oder umzubauen. Jetzt gerade ist er damit beschäftigt, neue Dachrinnen zu montieren. «Es gibt immer etwas zu tun, langweilig wird es nie», sagt Peter Schläppi. Und gibt es gerade mal nicht zu flicken, kann man mit dem Hund spazieren gehen.

Peter und Monika Schläppi sind den ganzen Sommer über auf dem Camping.

Peter und Monika Schläppi sind den ganzen Sommer über auf dem Camping.

Technisch gut ausgerüstet

Bei Schläppis fehlt es an nichts: Eine Solaranlage liefert den Strom fürs Licht, gekocht wird auf einem restaurierten Gasherd. «Sechs Jahre lang musste ich mit einem Holzherd auskommen, eine ziemlich umständliche und mühsame Sache, vor allem wenn man Gäste bekocht. Seit einem Jahr nun habe ich den Gasherd und bin sehr glücklich damit», sagt Monika Schläppi. Kühlschrank mit Tiefkühler, Mikrowelle, Satellitenfernseher mit über 100 Kanälen, eine Gasheizung für kältere Tage – hier lässt es sich gut leben. Zum Einkaufen fahren Schläppis zweimal die Woche runter nach Grenchen oder Lengnau, das reiche vollkommen, sagen sie.

«Woanders möchten wir den Sommer nicht verbringen»

Neben Wohnwagenund Vorbau hat Schläppi ein stabiles Vorzelt von 3 auf 6 Meter aufgestellt, quasi als erweitertes Wohnzimmer. «Hier haben wir mindestens zweimal die Woche einen Spielabend mit Kollegen vom Campingplatz oder Verwandten, wir spielen Joker oder Brändi Dog. Und manchmal haben wir ein regelrechtes Auffanglager», sagt Monika mit einem Schmunzeln. Ansonsten pflege man wenig Kontakt mit den unmittelbaren Nachbarn, sagt Peter. Und seine Frau fügt hinzu: «Man ist halt schon sehr nahe aufeinander. Und es kommt halt sehr darauf an, wen man als Nachbar hat.»

«In Grenchen wohnen wir zwischen Bahngeleise und Hauptstrasse. Da wird die Ruhe hier oben umso wichtiger für uns», sagt Peter. Und sollte ihnen die Wohnwagendecke einmal auf den Kopf fallen, sei ihr zweites Domizil – das in Grenchen – ja nur 10 Minuten weit entfernt. «Woanders möchten wir den Sommer nicht verbringen. Wir sind beide keine Wasserratten und gehen nirgendwo sonst in die Ferien. Uns gefällt es hier. Und solange es die Gesundheit zulässt, werden wir hier in Romont die Sommerzeit verbringen», sagt Monika Schläppi.