Grenchen
Einblick in die ehemalige Uhrfabrikanten-Villa der Familie Michel

Das Kultur-Historische Museum befasste sich am Tag des Denkmals mit der Geschichte der Familie Michel.

André Weyermann
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Bilder der Villa von Familie Michel aus dem Jahr 1895
15 Bilder
Das Ankleidezimmer.
Villa der Familie Michel aus dem Jahr 1895 Jugendstilbad im 1. Stock, Wanne ist allerdings aus den 80er-Jahren.
Die Lavabos sind aus den 20er-Jahren.
Villa der Familie Michel aus dem Jahr 1895 Jugendstilbad im 1. Stock, Wanne ist allerdings aus den 80er-Jahren.
Villa der Familie Michel aus dem Jahr Jugendstilbad im 1. Stock, Wanne ist allerdings aus den 80er-Jahren.
Der Wintergarten wurde 1917 angebaut.
Das Uhrenatelier von Rebekka Meier.
Das Uhrenatelier von Rebekka Meier.
Villa der Familie Michel aus dem Jahr 1895: Die Aussenansicht der Westseite
Villa der Familie Michel aus dem Jahr 1895 Stukkaturen des Zürcher Stukkateurs Otto Kappeler, der auch im Rathaus Bern verschiedene Stukkaturen erstellt hatte.
Villa der Familie Michel aus dem Jahr 1895 Sitzungszimmer mit einem Tisch, der in der Schweizerischen Kreditanstalt Zürich stand und hätte entsorgt werden sollen.
Villa der Familie Michel aus dem Jahr 1895 Der Salon mit Stukkaturen des Zürcher Stukkateurs Otto Kappeler, der auch im Rathaus Bern verschiedene Stukkaturen erstellt hatte.
Villa der Familie Michel aus dem Jahr 1895 Der Salon mit Stukkaturen des Zürcher Stukkateurs Otto Kappeler, der auch im Rathaus Bern verschiedene Stukkaturen erstellt hatte.
Fassade der ehemaligen Uhrenfabrik Michel.

Bilder der Villa von Familie Michel aus dem Jahr 1895

Oliver Menge

Im Rahmen des Europäischen Tages des Denkmals beleuchtete das Kultur-Historische Museum die Geschichte der Familie Michel und ihrer Uhrenfabrik. Die heutigen Bewohner gewährten dazu einen Einblick in die ehemalige Fabrikanten-Villa an der Däderizstrasse 61.

Die Organisatoren hatten mit ihrer Themenwahl ganz offensichtlich den richtigen Riecher. Trotz andauerndem Nieselregen wurden sie vom Besucheransturm gar etwas überrumpelt. Mit viel Improvisationsgabe und Doppelschichten seitens der Referenten wurde die Situation jedoch souverän gemeistert.

Im Museum orientierte Urs Roth unter dem Titel «Wie gewonnen, so zerronnen» über die Familie Michel, insbesondere über den Gründer der A. Michel SA, Adolf Michel. Urs Roth kennt sich in der Familiengeschichte bestens aus, heiratete doch sein Grossvater in die Familie Michel ein und stieg so in die Chefetage des Unternehmens auf.

Ausgewiesen und hier gestrandet

Die Familie stammte ursprünglich aus dem bernischen Bönigen, von wo sie aber aus nicht ganz geklärten Gründen ausgewiesen wurde. Mathäus Michel gründete in Grenchen im 19. Jahrhundert einige Firmen und war auch im Besitz von Privatliegenschaften (unter anderem des legendären «Bad»). Sohn Adolf wuchs als eines von 14 Kindern an der heutigen Schlachthausstrasse auf. Schon früh trat er ins Geschäftsleben ein. 1904 übernahm er die ursprünglich von Jean Schwarzentrub und Arthur Müller gegründete Firma an der Schützengasse. Der begabte Maschinenkonstrukteur hat diverse Maschinen zur Uhrenfertigung selber gebaut. Denn zu Beginn wurden in der Michel SA ganze Uhren hergestellt. 30 Eigenmarken vertrieb man bis 1920, ehe man auf die Herstellung von Rohwerken umstellte. Bereits im Zuge der Rezession von 1921 fielen die Aktien dem «Bankverein» zu. 1926 schliesslich erfolgte der Zusammenschluss zur Ebauches SA (zusammen mit der ASSA und der Fabrique d’horlogerie de Fontainemelon). Heute wird an der Schützengasse für die Swatch-Group gearbeitet.

Fassade in Szene gesetzt

Adolf Michel hat verschiedene bauliche Veränderungen vorgenommen. So nutzte er die Gunst der Stunde mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie beim Nordbahnhof, um seine Fabrik so richtig in Szene zu setzen mit der Erstellung des noch heute imposanten Konkavbaus in den Jahren 1918/1919. «Die Michel SA war so wohl der erste Zweckbau mit repräsentativem Charakter», folgerte Urs Roth. Im Besitze der Familie war auch eine prächtige Villa mit Lustgarten und Nutzgarten sowie Ökonomiegebäuden, die noch heute erhalten sind. Die jetzigen Bewohner, die Familie Meier, luden die Interessierten grosszügigerweise zu einer Besichtigung des Wohnhauses ein, das dank rücksichtsvoller Renovation noch immer erahnen lässt, wie die Uhrenpatrons zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt haben. Einerseits wurde im Stile der Belle Époque gezeigt, was man hat. Anderseits setzte man die damals modernste Technik ein mit elektrischem Strom, Zentralheizung und einer Entstaubungsanlage. Rebekka Meier, die das Haus mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern bewohnt, betreibt darin ein Uhrenatelier, das sich unter anderem auf die Restauration und Reparatur von antiken Uhren spezialisiert hat. Manchmal kommt eben doch zusammen, was zusammengehört.

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