Am Wochenende öffnete die Familie Meier-Vogt die Pforten der Villa Michel und nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise in die Belle Époque. Sie zeigte dabei auf, wie die Menschen zu dieser Zeit in Grenchen dachten. Elias Meier empfing – ausgerüstet mit Frack, Melone und Gehstock - die Besucher an der Türschwelle des geschichtsträchtigen Gebäudes. Das Vintage-Kostüm ist ganz dem Stil der Uhrenpatrons von anno dazumal nachempfunden. Es war die vorherrschende Kleidung der Bourgeoisie – des Grossbürgertums – Anfang des 20. Jahrhunderts. «So zeigte man sich zu jener Zeit beispielsweise auch als erfolgreicher Makler an der New Yorker Börse» erklärte Elias Meier. Gut eine Viertelstunde benötigte er, um das mehrschichtige Gewand anzuziehen. Allerdings auch nur Dank genügend Übung, denn beim ersten Versuch brauchte er noch 45 Minuten.

Grosser Andrang

Beim Eintreten wurden die Gäste mit klassischer Musik berieselt, die aus dem imposanten Esszimmer ertönte. Dort, und im angrenzenden Wintergarten, konnten sich die Besucher bei Kaffee und Kuchen wie die früheren Uhrenbarone fühlen. Und dieses Erlebnis wollten sich viele nicht entgehen lassen. Denn nach der Eröffnung dauerte es keine Stunde, da war die Villa schon rappelvoll – sehr zur Freude der Gastgeber. Rund eine Woche benötigte Familie Meier allein, um die alte Villa historisch getreu einzurichten und so den Charme der Belle Époque erneut auferstehen zu lassen.

Die Uhrenfabrikantenvilla, wurde 1895 von Arnold Schwarzentrub erbaut. Zu jener Zeit stand sie noch ausserhalb Grenchens, umgeben von Wiesen und Feldern. «Hier stand noch nichts ausser einem kleinen Teil der Uhrenfabrik etwas weiter unten», erklärte Rebekka Meier die damalige Lage an der Däderizstrasse. Später übernahm Adolf Michel das Gebäude und liess es zwischen 1917 und 1919 zur heutigen Michel Villa aufstocken und vergrössern. Der luxuriöse Umbau kam nicht von ungefähr, denn 1915 wurde die Eisenbahnlinie eingerichtet, welche von Grenchen Nord via Direktzug bis nach Paris führte. «Da die Züge an der Fassade des Hauses vorbeifuhren, musste diese natürlich beeindrucken», so die Uhren-Restauratorin. Aber auch bei der Innenausstattung wurde nicht gegeizt, denn in den unteren Räumlichkeiten der Villa wurden die Kunden in Empfang genommen. «Im Parterre befanden sich ausschliesslich Repräsentationsräume und die Küche», erklärt Meier weiter. Die privaten Gemächer befanden sich indes im Obergeschoss. Adolf Michel liess das Haus nach den neusten und besten technischen Fortschritten ausbauen, was das Gebäude einmalig in Grenchen machte. Meier: «Dies ist bezeichnend für die Belle Époque, denn diese zelebrierte den technischen Fortschritt regelrecht». So verfügte die Villa beispielsweise über einen Zentralstaubsauger mit Anschlüssen im ganzen Haus. Mit Blick auf die ganzen Parkettböden eine fast unverzichtbare Investition.

Nebst der Technologie stand auch die Detailverliebtheit im Zentrum. Mit handwerklichem Geschick wurde von der Kleidung bis zum Mobiliar alles feinsäuberlich verziert. Das hatte seine Gründe. Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs konnte sich fast jeder ein kleines Stück Belle Époque leisten. Da ist es nur logisch, dass die Oberschicht stets darauf bedacht war, immer noch einen drauf zu setzen.