Petra’s Kinderland
Ein weiterer Laden in Grenchen macht dicht

Per Ende September wird das Geschäft «Petra's Kinderland» aufgelöst – der Ladeninhalt steht ab sofort zum Verkauf. Die Konkurrenz durch die Grossverteiler ist zu stark.

oliver menge
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Petra Bloch inmitten ihres grossen Angebotes an Kinderkleidern. om

Petra Bloch inmitten ihres grossen Angebotes an Kinderkleidern. om

Solothurner Zeitung

Sie habe genug, sei nur noch müde und lustlos, sagt die 47-jährige Inhaberin, Petra Bloch. Seit fünfeinhalb Jahren betreibt sie den Laden mit «frecher Mode für Kids», der etwas versteckt vis-à-vis vom Coop, unmittelbar neben dem Eingang des im letzten Jahr geschlossenen Dancings «Cleopatra» zu finden ist. Vorher hatte sie im Coop-Restaurant gearbeitet und irgendwann beschlossen, den Traum eines eigenen Ladens für Kinderkleider und Spielsachen zu verwirklichen.

Die vielen jungen Mütter mit Kinderwagen, die in Grenchen unterwegs gewesen seien, hätten sie in ihrem Wunsch bestärkt. Das erste Jahr sei sehr erfolgreich ausgefallen, seither habe sie nie mehr so gute Resultate erwirtschaften können.

Qualität und Exklusivität

Von Anfang an habe sie auf gute Qualität und auf ein Sortiment Wert gelegt, das an anderen Orten nicht zu finden war; so habe sie zum Beispiel auf die Disney-Linie gesetzt, Kleider mit Motiven aus den Disney-Filmen wie Spiderman und anderen Action-Helden, lange bevor Grossverteiler auf diesen Zug aufgesprungen seien. Aus England importiert sie spezielle Babykleider. Exklusive Tauf- und Festkleider, die es anderswo nicht gibt, ergänzen das Angebot. Vor Jahren hätten ja weder Coop noch Migros Spielsachen oder Kinderkleider im Angebot gehabt und so habe sich Petra’s Kinderland eine regelrechte Stammkundschaft aufbauen können. Ihr habe der Umstand, dass die EPA geschlossen wurde, eigentlich geholfen.

Aber nun sei die Konkurrenz regelrecht erdrückend geworden. Zuerst sei Aldi mit einem Sortiment an preiswerten Kinderkleidern und Spielzeug nach Grenchen gekommen, dann hätten auch die anderen Grossverteiler ihr Angebot auf Kinderware ausgeweitet. Einen regelrechten Todesstoss habe ihr aber der neue Migros-Outlet versetzt: Jetzt würden die Kunden nur noch Preisvergleiche anstellen, Qualität spiele eine sekundäre Rolle.

Schnäppchenjäger sind Ärgernis

Sie habe auch immer mehr Mühe mit Schnäppchenjägern bekommen. Es sei irgendwie zermürbend, wenn fremdländische Frauen zuerst mit vielen Kindern stundenlang den Laden auf den Kopf stellten, sich dann für einen einzigen, schon unter den Ankaufspreis heruntergeschriebenen Artikel entscheiden und für diesen nochmals einen Preisnachlass verlangten. Oder Kundinnen, die sich darüber aufregten, dass ein Teil der Ware in China hergestellt werde, um die europäische Ware aber einen Bogen machten oder sie zu teuer fänden.

«In Grenchen ist jede Lage schlecht»

«Es macht null Sinn, jeden Tag hier zu sitzen und nichts zu verdienen», sagt sie. An der Lage des Ladens liege es nicht, dass die Geschäfte so schlecht laufen, meint sie bestimmt. «In Grenchen ist jede Lage schlecht, ausser bei Coop oder Migros, wo man mit dem Auto direkt hinfahren kann.» Auch die unmittelbare «Rotlicht-Nachbarschaft» sei für sie kein Problem gewesen. «Im Gegenteil, die Frauen, die da gearbeitet haben, waren Stammkundinnen bei mir im Laden. Weil sie wussten, dass man hier das ganze Jahr über gute Kinderkleider bekommt, haben sie oft hier eingekauft und Geschenke in ihre Heimatländer geschickt.» Aber seit das Dancing geschlossen ist, fehlen diese Kundinnen. Geschenke für Kindergeburtstage liefen noch gut, sagt sie, aber davon könne sie nicht leben.

Verkauf nur noch per Internet

Ende September ist spätestens Schluss, der Ladeninhalt steht ab sofort im Paket zum Verkauf. Danach will Petra Bloch nur noch einen Teil des Geschäftes übers Internet weiterführen: Die Disney-Linie und die speziellen Tauf- und Festkleider können schon länger übers Web bestellt werden. Und sie freut sich darauf, wieder selber in andere Läden gehen zu können, ohne Vergleiche über Preis und Angebot anzustellen. «Oder auch wieder mal Zeit haben, die Natur zu geniessen, aufs Velo zu sitzen oder spazieren zu gehen.»