Es hatte von allem ein wenig: Ein störrisches Kamel und einen hilfsbereiten Esel, duftenden Glühwein am offenen Feuer und herrlich stinkenden Chäsprägel vom Chäsoski, weihnachtlichen Kitsch neben missionarischen Büchern, Popmusik mit jungen Schlagzeugern, gefolgt von Jodel und Alphornklängen. Es soll also keiner sagen, er habe am Grenchner Weihnachtsmarkt nichts gefunden, das seinem Geschmack entsprach. Und wer sich noch bis ganz nach hinten in die Märchenecke durchgekämpft hatte, der konnte sich sogar noch aus dem Mund von Sandra Sieber ein Wintermärchen der heidnischen Keten anhören.

Vielfältig und sogar mit «Schärme»

«Jetzt bin ich nicht mehr ganz so nervös», sagte am Freitagabend Regisseurin Beatrice Kolman, als die erste Vorstellung von «So ein Kamel» begann. Die Schüler des evangelischen Religionsunterrichts begeisterten das Publikum mit ihrem Charme und inszenierten die Weihnachtsgeschichte, betrachtet aus der Sicht eines hilfsbereiten Esels und eines störrischen Kamels. Aber dann sprang Beatrice Kolman doch immer wieder vom Bank in der ersten Reihe auf, gab rasch ein paar Anweisungen an Balthasar hier und dann an Maria und Josef dort, während der stoisch liebenswürdige Esel immer wieder zielgenau sagte: «I-ah, i-ah, jaja, jaja....» Untermalt wurde das Theaterstück vom Kinderchor der Klasse 4h des Haldenschulhauses und den Musikern von «BewegungPlus».

So ging es mit den Gegensätzen weiter, und zwar das ganze Wochenende. Glücklich waren die Aussteller, die im grossen Zelt Platz gefunden hatten, sie konnten sich eines nie abreissenden Menschenstroms erfreuen. Pech hatten die Aussteller, die auf einen der rund 50 Stände rund um den Marktplatz gesetzt hatten. Bei dem Dauerregen suchten die meisten Leute nur noch möglichst rasch einen Platz am «Schärme», das war natürlich Gift für das Geschäft.

Da lässt sich jeder begeistern

Da war das Musikzelt gerade noch mit Jugendlichen gefüllt, die hören wollten, wie ihre Freunde von der Grenchner Musikschule zu «Nirvana» und anderen Rockstücken das Schlagzeug bearbeiteten, und dann gab es innerhalb weniger Minuten einen Generationensprung. Rasch hatten die eher grauhaarigen Grenchnerinnen und Grenchner ihren Platz auf den Festbänken eingenommen, um dem Jodlerklub Bärgbrünnli zu lauschen.

«Mir haben die flötenspielenden Kinder unglaublich Freude gemacht», sagte Bruno Bider. Der Grenchner Feuerwehrkommandant war als Speaker engagiert und er zeigte sich von der flexiblen Seite: «Normalerweise interessiere ich mich nicht so für volkstümliche Musik, aber jetzt bin ich begeistert vom Konzert der Alphorngruppe Bettlach.»

Drei Tage sind zu wenig – so könnte die eine Bilanz lauten: Kaum hat der schöne Grenchner Weihnachtsmarkt begonnen, schon ist er wieder vorbei. Aber es heisst ja auch, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, meinte eine Besucherin. So freuen sich die Grenchnerinnen und Grenchner auch wieder auf den Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr. Die andere Bilanz könnte lauten: Zwei Tage sind zu viel – aber nur, wenn es sich um zwei Tage Dauerregen handelt, wie dieses Wochenende.