Schutz und Rettung Grenchen
Ein Wechsel, der (fast) allen nützen soll

«Schutz & Rettung» wird ersetzt durch die neuen «Sicherheits- und Bereitschaftsdienste der Stadt Grenchen». Einen Tag nach dem Entschluss reagieren die Betroffenen.

Patrick Furrer
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Schutz und Rettung Grenchen: Die Logos werden bald von den Fahrzeugen entfernt.

Schutz und Rettung Grenchen: Die Logos werden bald von den Fahrzeugen entfernt.

Oliver Menge

«Schutz & Rettung Grenchen» ist Geschichte. Kommandant Remo Schneider ist seiner Zusatzfunktion enthoben, sein Grad als Oberst – den er sich selbst gegönnt hatte – hinfällig. Es wird nicht lange dauern, bis die Logos von «Schutz & Rettung» an den Fahrzeugen von Feuerwehr, Zivilschutz und Rettungsdienst entfernt sind. Logos übrigens, mit denen sich Schneider bei der Gebäudeversicherung Kritiker schaffte, weil diese die Kleber an den Feuerwehrfahrzeugen nicht akzeptieren wollte und beispielsweise beim neuen Schlauchauslegefahrzeug Beiträge zurückhielt, bis das unliebe Logo aufgrund des Coachings von Polizeikommandant Robert Gerber entfernt wurde.

Allerdings erfährt die Dachorganisation nach nur zehnmonatiger offizieller Betriebszeit ein abruptes Ende. «Ich bin enttäuscht», sagte Remo Schneider einen Tag nach dem Entscheid am Telefon. Man hätte «Schutz & Rettung» mehr Zeit geben müssen, um sich zu bewähren, weiter wolle er aber dazu momentan nichts sagen. «Ich muss die Situation für mich selbst jetzt neu analysieren und erst einmal verdauen.» Eines stehe jedenfalls fest: Sein Amt als Zivilschutzkommandant führe er weiter.

Endlich ein Organisationsreglement

Bis auf Schneiders Umfeld sind die Betroffenen aber zufrieden mit dem Entscheid, die Dachorganisation durch die neuen «Sicherheits- und Bereitschaftsdienste der Stadt Grenchen» ablösen zu lassen. Damit soll wieder Ruhe einkehren. Für Robert Gerber, neu Chef über alle Sicherheitsdienste der Stadt, gibt es einiges aufzuholen. An einer ersten Sitzung wurden gestern bereits noch offene Zuständigkeiten mit den einzelnen Abteilungsleitern geregelt. Als Nächstes wird ein Organisationsreglement erarbeitet, das Zuständigkeiten und Kompetenzen zwischen der übergeordneten Führung mit den einzelnen Diensten und den Diensten unter sich selbst regelt. Etwas, was bisher fehlte, und in den Augen von Gerber, Schneider und auch dem Feuerwehrkommandanten Bruno Bider mit ein Grund dafür ist, dass es zu organisatorischen Problemen kam, dass sich auch die Leiter in die Haare gerieten.

Feuerwehrchef Bider ist zufrieden, dass «Schutz & Rettung» aufgelöst wurde. Er erwarte nun, dass Feuerwehr, Rettungsdienst und Zivilschutz eigenständig arbeiten können. Damit, dass neu die Polizei ebenfalls zum Gesamtkonstrukt gehört, hat Bruno Bider keine Mühe. «Die Form macht grundsätzlich Sinn», glaubt er, «das Problem sind immer die Köpfe.»

Das hat sich nicht ausgezahlt

Bestätigt sieht sich die SVP. Ersatzgemeinderat Richard Aschberger hatte mit einer Motion dafür gesorgt, dass die Überprüfung von «Schutz & Rettung» durch den begleitenden Projektsteuerungsausschuss (PSA) eingeleitet wurde. Die Motion forderte einen Marschhalt und die Rückkehr zur früheren Organisationsform mit jeweils völlig eigenständigen Einheiten (wir berichteten). «Der Entscheid des Gemeinderats zeigt, dass wir einen wunden Punkt getroffen haben. Der Organisationsform mit Robert Gerber geben wir sicher eine Chance.»

Auch Stadtpräsident Boris Banga begrüsst den Entscheid des Gemeinderats, obwohl er Remo Schneider in der Vergangenheit stets verteidigt hatte. Eine Zusammenführung aller Dienste sei bisher aus personellen Gründen kaum machbar gewesen. Jetzt konnte sie ohne Widerstand realisiert werden. Einen Preis verdient hat sich die Politik mit ihrem Vorgehen aber nicht, heisst es zumindest aus den Reihen der Sicherheitsdienste: Mit der «Übung» Schutz & Rettung wurde nun de facto nur Geld ausgegeben, ohne dass sich dies in irgendeiner Form ausgezahlt hätte. So waren beispielsweise die gekauften Uniformen eine überflüssige Investition.

Sicher ist auch: Die gewählte Lösung ist eine Übergangslösung. Gerber wird in wenigen Jahren pensioniert, spätestens dann dürfte eine Neuüberprüfung an die Hand genommen werden. Wie gestern bestätigt, ist es das langfristige Ziel, gewisse Bereiche der Administration wie Verwaltung und Materiallogistik zusammenzuführen. Gerber betont aber, dass dies ein Fernziel ist. Er lasse den Abteilungen die Freiheiten, um sich auf ihre Arbeit konzentrieren zu können. Seinen neuen Job habe er nicht gesucht, aber er übernehme ihn aus der Notwendigkeit. «Es geht jetzt darum, dass die Sicherheitsdienste einwandfrei funktionieren können, wie bisher.» Seine Lohneinstufung wird aufgrund der neuen Funktion überprüft werden. Kommentar rechts