SVP-Gemeinderat Marc Willemin kam auf die Idee, in einer Interpellation eine Gedenktafel oder einen Gedenkstein für den während seiner Dienstausübung umgekommenen Leutnant auch in Grenchen vorzuschlagen. Die Interpellation schlug aber anlässlich der Behandlung im Rat keine hohen Wellen und auch die Antwort der Stadt fiel eher zurückhaltend aus.

Im vergangenen Oktober fand im Jura eine Gedenkfeier für den im 1. Weltkrieg gefallenen Grenchner Ballonfahrer Walter Flury statt, der in einem Beobachtungsballon gegen Ende des Krieges von deutschen Jagdfliegern bei Miécourt abgeschossen wurde. Auch eine Grenchner Delegation war an der Gedenkfeier vertreten (wir berichteten).

Während sich die Kulturkommission offen dafür zeigte, «einen vergessenen Helden Grenchens» zu ehren und dafür auch die Bürgergemeinde und den Flughafen zu begrüssen, zeigte sich das Stadtarchiv eher skeptisch: «Bei W. Flury geht es nicht um eine heldenhafte Tat, sondern um ein tragisches, aber auch zufälliges Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen», heisst es. Zudem sei der Name von Walter Flury bereits auf der Ehrentafel der verstorbenen Wehrmänner auf dem Solothurner Soldatendenkmal erwähnt.

90 Tote durch Spanische Grippe

Das Stadtarchiv fragt sich zudem, ob ein einzelner militärischer Vorfall so nicht übergewichtet werde, zumal dieser in einer Zeit stattfand, die für viele Menschen hart war. So habe zur gleichen Zeit die «Spanische Grippe» allein in Grenchen 90 Personen das Leben gekostet. Dies sei bis heute eine Tragödie mit vielen offenen Frage, «die der Vertiefung und Diskussion würdig wären», meint das Stadtarchiv.

Doch die Grenchner Politiker lassen nicht locker. Noch in derselben Gemeinderatssitzung reichte Peter Brotschi (CVP) eine Motion ein, in welcher er das Stadtpräsidium beauftragt, «dem Gemeinderat ein Konzept zu unterbreiten, wie verdiente Grenchnerinnen und Grenchner an einem zentralen Ort geehrt werden können.»

Zwar gebe es bereits diverse Gedenksteine und Denkmäler und auch Strassen wurden nach Unternehmerfamilien und Stadtammännern benannt. «Anderen Persönlichkeiten, gerade etwa aus Wissenschaft und Kultur, wurden keine Denkmäler gesetzt», hält Brotschi fest.

Strassen und Denkmäler passé

«Dass heute noch Strassen zu Ehren von verdienten Grenchnerinnen und Grenchnern umbenannt werden, ist wohl eher unwahrscheinlich und Gedenksteine aufstellen ist irgendwie auch nicht mehr zeitgemäss», meint Brotschi auf Anfrage. Er könne sich deshalb eher vorstellen, dass rechts und links des Stadtdaches die Namen von verdienten Personen auf einzelnen Platten mit den Lebensdaten eingelassen werden - gerade etwa für Ballonoffizier Walter Flury, aber auch von anderen Personen und Persönlichkeiten, auch solchen, die schon irgendwo einen Gedenkstein haben.

Einen Walk of Fame für berühmte Grenchner also? - «Sinngemäss ja, auch wenn ich dieses Wort nicht brauchen möchte», meint Brotschi. Auch könnte man beim Stadtdach ein Plakat aufhängen, das nebst den Namen der geehrten einen QR-Code zeigt, der zu den Biografien der Personen im Internet führt (z. B. Stadtwiki Grenchen oder separate Kurzbiografien).

«Gut für den Marktplatz»

«Dies wäre eine weitere Massnahme zur Attraktivierung des Marktplatzes», meint Brotschi. «Neuzuzüger oder Besucher könnten sich so rasch und auf eine zeitgemässe Art Überblick verschaffen über berühmte Grenchner und was sie geleistet haben.»

Brotschi betont weiter, dass diese Ehrung Personen vorbehalten sein soll, «die in Grenchen ihren Lebensmittelpunkt hatten oder haben», wie er in seiner Motion schreibt. Das heisst auch, jemand muss nicht tot sein, um in den Walk of Fame aufgenommen zu werden.

Die Kulturkommission soll die Kriterien vorschlagen, die angewandt werden, damit jemand nominiert wird und die Personen vorschlagen, die geehrt werden sollen (auch rückwirkend). Beschliessen soll aber der Gemeinderat.

Zunächst einmal, ob er der Motion überhaupt Folge leisten will. Federführend ist die Kulturkommission. Deren Präsident André Weyermann lässt durchblicken, dass er Brotschis Idee gut findet und sich vorstellen kann, diese auch weiterzuverfolgen.