Tatsächlich begegnet der Bummler auf seinem fiktiven und virtuellen Rundgang von Stuhl zu Stuhl einigen Vertretern der Grenchner Prominenz: Als Erster fällt ihm Stapi François Scheidegger auf, der sich vor einer Woche für diese Zeitung in einen der Stühle Modell «Relax» gefläzt hat – er sitzt noch immer da, völlig relaxed. «Schliesslich sind Ferien», erklärt er. Und da man in Grenchen buchstäblich die Trottoirs hochgeklappt habe, gebe es für ihn fast genauso wenig zu tun, wie in der Zeit zwischen Hilari und Böögg-Verbrönne. Weshalb also nicht die Gelegenheit nutzen und das Sesselkleben schon mal ein wenig üben?

Etwas weiter üben sich gerade Dagobert Cahannes und Kurt «Moos» Gilomen im Probesitzen. Letzterer, ziemlich erschöpft vom Rumhetzen seiner Putzkolonne beim Frühlingsputz im Schulhaus, erklärt, das «Ganz unger üs»-Leitungsteam erwäge, statt der Sommerpause eine Open-Air-Version des Feierabendtalks zu veranstalten. «Stühle fürs Publikum sind ja jetzt genügend da», ergänzt Dago.

«Falls Ihr zusätzliche Stühle braucht – meine Frau hätte noch welche», meldet sich lautstark Ex-Feuerwehrkommandant Bruno Bider im Vorbeigehen. «Aus wetterfestem Tropenholz, gefertigt in Thailand. Und falls ihr noch Dekomaterial braucht, ich könnte euch auch noch ein paar hundert Holzkatzen hinstellen, die sind wirklich herzig, ein Hingucker». Und pflegeleicht seien sie auch, bräuchten weder Katzenkiste noch Futternapf.

«Mein Emiro würde das aber gar nicht vertragen», meint SP-Gemeinderat und Vize-Stapi Remo Bill. Sein Hund sei empfindlich, und so viele Katzen bereiteten ihm schlaflose Nächte und böse Träume. Also keine Katzen.

«Aber man könnte doch die Gemeinderatssitzung mal auf den Marktplatz verlegen, dann hätten wir vielleicht endlich die Publikumswirkung, die wir uns wünschen», so Bills Vorschlag. Das gehe aber nur, wenn man die Bettlachstrasse komplett sperre, meint sein Parteikollege Alex Kaufmann. Weil sonst verstehe man das Genuschel von SVP-Doyen Ivo von Büren noch weniger, wenn ständig getunte und tiefergelegte BMW mit röhrendem Auspuff vorbeibrausten.

«Ich finde es ungerecht, dass nur 40 Stühle zur Verfügung stehen», meldet sich Elias Meier zu Wort. Jede Grenchnerin, jeder Grenchner müsse einen eigenen Stuhl bekommen, moniert er. Und droht gleich damit, einen Leserbrief zu schreiben oder so. Zwar habe er schon etwas Mühe mit den Metallstühlen, denn diese würden die Handystrahlen verstärken, wenn man, wie heute Mode, das Handy hinten in der Hosentasche trage. Das bereite ihm unsägliche Kopfschmerzen.

«Auf einem schönen Kunstrasen würden sich die farbigen Stühle auch ganz gut machen», meint Fussballkönig und FC-Grenchen-Präsident Marcel Bolliger. Er verteilt Flyer auf dem Marktplatz und wirbt für einen Allwetterplatz – warum nicht mitten in der Stadt? «Ja, aber das Gefälle?», so der Einwand des Bummlers. «Das würde uns die Sicherheit geben, dass es immer weiter aufwärtsgeht mit dem FCG», meint Bolliger – «wenigsten solange der Gegner auf der richtigen Seite steht.»

Der Bummler begegnet auf seinem virtuellen Rundgang noch einigen anderen Grenchner Persönlichkeiten. Mehmet Polat zum Beispiel, der einen Stuhl eingehend prüft. Er erwäge, seine in die Jahre gekommenen Stühle im Baracoa zu ersetzen, so Polat. «Aber das Drahtseil, mit dem die Stühle zusammengebunden sind, stört mich. Ich müsste mein Interieur komplett umstellen, und meine Gäste könnten nicht mehr vis-à-vis sitzen, sondern nur noch nebeneinander. Das ist einfach nicht romantisch.» Die Stühle würden sich allerdings für den Aussenbereich eignen, sagt er. «Wenn ich wieder ein Public Viewing veranstalte, schauen sowieso alle in dieselbe Richtung.» Allerdings zweifelt Polat daran, dass seine Stühle auch richtig angeschrieben würden. «Baracoa» töne doch sehr nach «Bar au Cola». Ein zu grosses Risiko.