Sommerserie
Ein Rasen, der es mit jedem Golfplatz aufnimmt

Nach einem Hirnschlag arbeitete Peter Däppen als Butler und entdeckte die Liebe zum Garten. Sein Rasen gleicht zwar einem Rasenteppich, ist aber beileibe echt.

Daniel Trummer
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Als Golfspieler kennt sich Peter Däppen mit gepflegten Gärten bestens aus. An seinem eigenen Rasen gibt es nichts zu bemängeln.

Als Golfspieler kennt sich Peter Däppen mit gepflegten Gärten bestens aus. An seinem eigenen Rasen gibt es nichts zu bemängeln.

Daniel Trummer

«Die spinnen, jetzt legen sie schon Rasenteppiche um das Haus», sagt die ältere Dame zu ihrem Mann. «Der Rasen ist echt», erklärt dieser und erntet einen ungläubigen Blick. Die Frau schaut sich vorsichtig um, ehe sie mit ihren Fingern kurz am Rasen zupft. «Tatsächlich», murmelt sie.

Die Szene hat Edith Däppen vom Fenster aus mitverfolgt. Auf der Nord- und Südseite ihres Einfamilienhauses liegt ein saftgrüner Rasen. «Golfgreen», nennt es Peter Däppen, der den Rasen pflegt. Zweimal wöchentlich schneidet er die Grasfläche mit dem Spindelmäher. «Der Rasen wird auf vier Millimeter geschnitten», erklärt der 62-Jährige.

Wenn er exakt mäht, sind dunkle und helle Streifen auszumachen. «Bekannt ist das Phänomen vom Fussballrasen, der sich manchmal wie ein Schachmuster präsentiert», sagt Däppen und erwähnt die Walze am Mäher, die das fein geschnittene Grün je nach Laufrichtung prägt. «Es gibt viele Rasensorten», erzählt er, nennt Bücher, die er studiert hat, und berichtet über die Pflege: vom Düngen, vom Vertikutieren, von Sandbeilagen und von Schädlingen. «Vor allem den Hirsepflanzen im Garten muss der Garaus gemacht werden», weiss er.

Nach Hirnschlag Passion entdeckt

Eigentlich wollte Däppen Lokomotivführer werden. Eine spät entdeckte Farbenblindheit verunmöglichte es. Er hat sich zum Elektromechaniker ausgebildet und arbeitete für die Flugzeugwartung und die Flugzeugindustrie. Kontrollflüge, die er begleitete, bleiben ihm in bester Erinnerung. Noch heute verfolgt er die Fliegerei mit Interesse. In seinem Zuhause hat er einen Flugfunkempfänger installiert und kann mithören.

1990 war ein einschneidendes Jahr für Däppen. Ein Hirnschlag führte zu einer Umkehr von 180 Grad in seinem Leben. Als er sich vom Schicksalsschlag erholt hatte, begann er bei einer wohlhabenden Familie als Chauffeur und Gärtner zu arbeiten. «Ich hatte null Ahnung von Gartenpflege», erinnert er sich an die Zeit als Butler. Aber er hat hingeschaut, hat von Gärtnern alles über den Baumschnitt gelernt und sich in ihre Geheimnisse einführen lassen. 1997 hat er dann seine neu erworbene Leidenschaft, die Pflege und Gestaltung von Gärten, zum Beruf gemacht. Seither pflegt er Rosen und Rasenflächen, jätet, schaut zum Sommerflor und schneidet Hecken und Bäume. «Ich habe nie Werbung gemacht», freut er sich über die Mund-zu-Mund-Propaganda, die ihm wenig freie Zeiten lässt.

Goldmedaille im Curling

Mit seiner Frau sitzt er auf der Terrasse und sieht auf die prächtig gedeihenden Pflanzen. «Das ist eine Chamaecyparis», zeigt er auf ein Gehölz aus der Gattung der Familie der Zypressengewächse. Verschiedene Buchspflanzen verziert er mit speziellen Formschnitten.

Stolz ist Däppen auf sein olympisches Edelmetall. An den Winterspielen 1992 in Albertville gewann er im Curling mit dem Verein CC Solothurn-Wengi die Goldmedaille. Er war Ersatzspieler der Schweizer Mannschaft von Skip Urs Dick. Weil Curling damals noch Demonstrationssportart war – der Sport wurde erst 1998 in Nagano olympisch – besitzt die Auszeichnung keinen offiziellen Status.

Auf dem Golfplatz mit Didier Cuche

Als Curler ist er dann auf den Golfsport aufmerksam geworden. Seit 15 Jahren bewegt er sich nun auf dem Golfplatz. Er besitzt in der Zwischenzeit eine Saisonmitgliedschaft beim Golf-Club Les Bois in den Freibergen. Die neu gewonnene Passion hat ihn bewogen, auch zu Hause sein Golfgreen zu gestalten. So oft er kann, fährt er in den Jura. In diesem gemütlichen «club de paysans» hat er Didier Cuche kennen gelernt und dieser hat die legendären Sandwiches von Edith Däppen lieb gewonnen. Peter Däppen gestaltet die Natur in seinem Garten, freut sich an der sportlichen Betätigung auf gepflegten Rasenflächen und wird, falls der Rücken hält, noch in manchem Garten seine Handschrift hinterlassen.

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