So viel sei verraten: Mit dem neuen Grenchnerlied ist Light Food ein besonderer Wurf gelungen. Diese Zeitung hatte die Möglichkeit, sich den Song exklusiv anzuhören, etwas mehr als zwei Wochen bevor das Lied am 9. Mai an der Mia der Öffentlichkeit erstmals präsentiert wird. Und man darf ohne Heuchelei behaupten, dieses Lied ist wirklich etwas Besonderes, es ist gelungen.

Doch warum überhaupt ein neues Grenchnerlied? Es kam eigentlich zustande, weil das Bisherige nichts mit Grenchen zu tun habe, erklärt Initiant Kurt (Moos) Gilomen. «Das Grenchnerlied hat null Bezug zu Grenchen. So viel ich weiss, gehört es in den Bucheggberg und irgendjemand hat es dann später Grenchen zugeschrieben.» Tatsächlich stammt das Volkslied aus dem Jahr 1791 und wird dem Bucheggberg zugesprochen. Es weist sage und schreibe 42 Strophen auf.

Das alte Grenchner Lied von 1781

Das alte Grenchner Lied von 1781

Volkslied 1781 gesungen vom Chor der Aufführung Dursli und Babeli 1991 im Parktheater Grenchen.

Die älteren Semester mögen sich sicher an die Geschichte von Dursli und Babeli erinnern. Der Grenchner Historiker Rainer W. Walter schreibt: «Der Inhalt des Liedes ist einfach und kompliziert zugleich: Der Dursli verliebte sich in das Babeli, das nach Meinung seines Vaters im Zeitpunkt des Geschehens noch minderjährig war. Der Dursli wurde daraufhin Söldner in Flandern. Ein, zwei Dutzend Strophen weiter unten kam Dursli wieder nach Grenchen, wo er das Babeli auf ihn wartend vorfand.»

Zeitgemäss und passend

Kein Lied für die aktuellen Grenchner, die junge Generation, die heutigen Einwohner der Uhrenstadt, waren Gilomen und seine Bandkollegen überzeugt. «Solothurn hat sein ‹Es isch immer eso gsi›, Olten zumindest ein Musikvideo von Kunz. Aber Grenchen nur ein unzeitgemässes Lied, das im Grunde nicht einmal nach Grenchen gehört.»

Das sollte sich ändern. Ralph Schaffer komponierte das Lied im 6/8-Takt, Kurt Gilomen verfasste den Text. «Wir haben uns einiges vorgenommen. Es sollte ein Song sein, der für die Ohren aller Altersgattungen angenehm sein soll. Ein Lied, das rüberkommen soll wie eine Hymne.» Mit seinen Bandkollegen von Light Food, Fabio Zanco und Matthias Haldimann, sowie vielen Gastmusikern ging man ins Studio in Bettlach. «Wir haben schon bei den Proben gemerkt, dass uns hier ein besonderer Wurf gelungen ist. Ein Lied, wie keiner es von Light Food erwarten würde. Harmonisch, kein progressiver Rock, ein Lied zum Mitsingen.»

Drei verschiedene Versionen

So ist es auch konzipiert: Auf der CD, die ab 9. Mai erhältlich sein wird, sind drei Versionen des Liedes aufgenommen worden: Die Version von Light Food, eine mehrstimmige Version mit einem Chor aus Grenchner Oberstufenschülern – arrangiert von Bruno Schaad – und eine Instrumental-Version, zu der das Lied gesungen werden kann. «Die Stadt hat sich an den Kosten beteiligt.

Die CD wird auf Wunsch an Lehrpersonen abgegeben, die das Lied mit ihren Klassen einstudieren möchten.» Apropos Kosten: Letztes Jahr lief eine grosse Sammelaktion für das neue Grenchnerlied. Nebst der CD wurde auch noch ein Video von Salvatore de Vito zum Musikstück realisiert, der auch das Cover der CD entworfen hat.

Vom Text sei nicht viel verraten. Nur so viel: Es geht nicht um im Grunde unerfüllte Liebe zwischen zwei Menschen, von denen der eine erst noch minderjährig ist. Es geht um die Liebe des Sängers zu seiner Heimat, seiner Stadt. Nicht rosarot und himmelblau – sondern ein kritischer und doch versöhnlicher Blick auf Grenchen und seine Menschen.

Als Kurt Moos Gilomen vor kurzem in den sozialen Medien davon erzählte, dass jemandem, dem er den Song abspielte, spontan das Augenwasser gekommen sei, hat er wohl nicht gelogen. Denn dieses Lied könnte genau der Balsam auf die geschundenen Grenchner Seelen sein, die es jetzt nach dem Dok-Film über Grenchen braucht.

Die Uraufführung findet übrigens am 31. August am Grenchner Fest statt.