Am Donnerstagvormittag stand eine grosse Holzkiste auf dem Parkplatz des Flughafens Grenchen. Inhalt: ein Modell eines Kunstflugzeuges in Originalgrösse. Kein richtiges Flugzeug, sondern ein «Mock Up», das heisst die äussere Hülle ohne Cockpiteinrichtung und Motor.
Schritt für Schritt baute eine Equipe der Transportfirma und des Eigentümers, der Bieler Uhrenfirma Hamilton, das Flugzeugmodell zusammen: Flügel und Leitwerke montieren und zum Schluss noch der Propeller dran. Kurz nach elf Uhr ist man schon so weit, dass das Flugzeug mit dem Lastwagenkran auf das Dach des Flughafen-Restaurants gehievt werden kann. Alles lief plangemäss.

«Perfekt! - Jetzt haben wir wieder ein schönes Flugzeug auf dem Dach», freut sich Hotelbesitzer John Traub. Das Flugzeugmodell ersetzt einen Vorgänger, ebenfalls ein Flugzeug für Kunstflug, aber in den Farben der Firma Breitling. Das Modell, das jahrelang Wind und Wetter ausgesetzt war, sollte zuerst den Starfighter am Flughafenkreisel ersetzen und zu diesem Zweck renoviert werden. Es war aber in einem so schlechten Zustand, dass sich das nicht mehr lohnte.

Das Flugzeug der Uhrenfirma Hamilton wird auf dem Airport-Dach montiert

Das Flugzeug der Uhrenfirma Hamilton wird auf dem Airport-Dach montiert

Hamilton schnappt sich Platz

Nachdem der Flieger weg war, meldete sich die Konkurrenz von Hamilton bei John Traub und man wurde handelseinig. Wie genau, will Traub nicht sagen. «Es ist Werbung für sie, aber auch für uns. Eine Win-win-Situation.» Das Modell einer zweiplätzigen «XtremeAir Sbach 342» war als Werbeträger schon in aller Welt unterwegs, weiss Traub.

Eine Plakette mit einigen technischen Angaben zum Original soll noch beim Airportgebäude angebracht werden.

Nun, da steht es und macht Werbung für eine Uhrenmarke der Swatch Group, die zwar ihre Wurzeln in den USA hat, doch teilweise auch in der Region. Die Hamilton Watch Company wurde 1892 in Lancaster (Pennsylvania) gegründet und machte sich zuerst einen Namen mit Taschenuhren für Eisenbahner.

Zeitraffer: Flugzeug wird auf dem Dach des Flughafen Grenchen montiert.

Die Montage im Zeitraffer

Fliegeruhren seit 1918

Die Luftfahrt-Geschichte von Hamiltan begann nach eigenen Angaben im Jahr 1918, als eine Hamilton Fliegeruhr den ersten amerikanischen Luftpostdienst zwischen Washington und New York begleitete. Diese 100_Jahre Engagement in der Luftfahrt will man laut Hamilton CEO Sylvain Dolla 2018 feiern.

In den 1930er-Jahren war man bereits der offizielle Zeitmesser der wichtigsten kommerziellen Fluglinien der USA. Heute sponsert die Firma Luftfahrtevents wie das Red Bull Air Race sowie den französischen Kunstflugpiloten Nicolas Ivanoff. Auch das erste elektrisch angetriebene Flugzeug mit Kunstflugfähigkeiten wird von der Bieler Uhrenfirma unterstützt.
1955 erfand Hamilton die erste Uhr mit Batterie-Antrieb, das Modell «Ventura». Replikas der eigenwilligen Uhr im dreieckigen Design sind wieder im Programm (heute natürlich mit Grenchner ETA-Werken). Überhaupt kommen viele Modelle der aktuellen Kollektion im Retro-Look daher. Die Preise bewegen sich im günstigen bis mittleren Segment.

Die Ära Buren Watch

1966 kaufte Hamilton die Buren Watch Company in Büren an der Aare und sicherte sich damit die Technologie der Mikro-Rotoren, die damals in mechanische Werke mit automatischem Aufzug eingebaut wurden. Da der Rotor Teil des Uhrwerkes wurde, konnten damit flachere Uhren gebaut werden. Bis 1971 wurden alle Hamilton Uhren in Büren produziert. Danach wurde die Produktion im Seeland eingestellt, die Marke von SSIH übernommen. Der (nicht übernommene) amerikanische Zweig erlangte 1972 Berühmtheit mit der Entwicklung der ersten Digitaluhr, der «Pulsar» mit der stromfressenden roten LED-Anzeige.