Skibau
Ein markenloser Holz-Ski im Verkaufsregal?

Zwei Schreinerlehrlinge bauten selber Carving-Ski aus Holz – und Büroklammern waren eines ihrer Hilfsmittel

julia egenter
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Solothurner Zeitung

Skibegeistert sind noch viele. Bereit, für das Lieblingsmodell viel Geld auszugeben auch. Aber 75 Arbeitsstunden ins Winter-Hobby investieren?

David Wigger aus Bettlach und Stefan Birrer aus Niederwil war das die Mühe wert. Die beiden Schüler der Berufsschule Grenchen bauten im Rahmen ihrer Lehrabschlussprüfung zwei Paar Carving-Ski. Auffallend an der Zielsetzung war: Ihre Ski sollten wenn möglich vollständig aus Holz bestehen.

«Wenn ich im Winter auf dem Sesseli-Lift sitze und jemand fragt, was das für Ski seien, kann ich sagen: ‹Die hab ich selbst gemacht›. Das ist eine coole Vorstellung», schwärmt der 20-jährige David Wigger und zeigt stolz auf einen fertig lackierten Holzski. Die Entscheidung für das Material Holz war naheliegend – sowohl Wigger als auch Birrer absolvieren das letzte Jahr ihrer Schreinerlehre; David Wigger in Bellach bei Devaud und Stefan Birrer in der Schreinerei Reto Danz in Niederwil. «Ausserdem bestehen moderne Ski aus Materialien wie Alu und Glasfasern, was den Bau für uns viel zu kompliziert gemacht hätte», meint der 19-jährige Stefan Birrer.

Erfolg mit «Handgelenk mal Pi»

Ihre fertigen Ski brachten die beiden Schreinerlehrlinge bereits zum Sportladen Bordogna. «Die Experten dort meinten, es könnte tatsächlich funktionieren», freut sich Birrer. Das Wintersport-Glück scheint es gut gemeint zu haben. «Es hätte genau so gut schiefgehen können», gibt Wigger zu. Denn ausser einem Carving-Modell Marke Stöckli hatten sie keine Vorlagen. «Wir haben beispielsweise von Auge abgeschätzt, wie viele Lagen ein Ski wohl brauchen könnte; ‹Handgelenk mal Pi› sozusagen.» Auch Skibau-Anleitungen hätten sie keine geeignete gefunden – die beiden hatten zuvor keine Ahnung von Skibau. «Im Internet gibt es zwar einige nützliche Seiten, doch für Holz-Ski haben wir nichts gefunden», so Birrer. Wichtig sei auch der Zugang zu geeigneten Maschinen und Material», betont Wigger, dessen Vater in Grenchen eine Schreinerei betreibt. «Nur mit Hammer und Säge ist da nicht viel zu machen», pflichtet Birrer ihm bei.

Formen zuschneiden, Lagen aufeinanderkleben, Kanten biegen – die einzelnen Arbeitsschritte tönen nicht allzu kompliziert. «Ein Händchen fürs Handwerk braucht es aber dazu», so Wigger. Bei den Kanten mussten die beiden jungen Männer von Hand mit einer kleinen Zange Stück für Stück zurechtbiegen. Sekundenkleber und Büroklammern befestigten das Ergebnis. «Manchmal mussten wir erfinderisch sein», lacht Wigger.

Auch das Aneinanderleimen der einzelnen Lagen sei knifflig gewesen. «Wir hatten eineinhalb Stunden Zeit dafür», so Birrer. Hätte es länger gedauert, wäre der Leim bereits hart geworden und die Lagen unter Umständen nicht genügend fixiert. Dann galt es, den Leim 18 Stunden trocknen zu lassen und die Ski zu pressen – ob sie brauchbar aus der Presse kommen würden, war nicht klar. «Da haben wir nicht gut geschlafen.»

Holz-Ski als Verkaufsschlager?

Doch es hat geklappt, reibungslos. Und jetzt fehlen nur noch die Bindungen und der Service, dann sind die Ski fahrbar. David Birrer kennt den Konditionstrainer der Schweizer Ski-Nationalmannschaft. «Er hat uns Bindungen versprochen», erzählt Birrer. Leider sind die Monteure momentan alle in Amerika, und so hat es zeitlich nicht mehr dafür gereicht – so montieren sie für die erste Testfahrt gebrauchte Bindungen. Vielleicht werden diese dann durch Nationalmannschaft-Material ersetzt, sofern die Ski die Testfahrt überstehen. «Sollte es nicht klappen, suchen wir den Fehler und bauen noch einmal einen Ski», so Wigger. Und dann starten sie ihr grosses Geschäft damit? «Fantasien in diese Richtung haben wir natürlich», schmunzelt Wigger. Als sie ihr Modell zu «Bordogna» brachten, stellten sie ihr Ski-Modell ins Verkaufsregal – als Jux. «Ein Mann kam vorbei, betrachtete den Ski eingehend und schüttelte dann den Kopf.» Verständlich – der Ski trägt keine Beschriftung, Marke, nichts. «Theoretisch könnte das sogar eine Nische sein», spinnen die beiden den Gedanken weiter. Und wenn nicht, machen zumindest ihre Einzelstücke die Piste unsicher.