Vor rund drei Wochen kam es auf dem Eichholzhügel, zwischen Schulhaus Eichholz und dem Back-Caffee zu einem Augenschein. Dort, wo in zweieinhalb Monaten die Uraufführung des Stücks «Uhregrübler» stattfinden soll, trafen sich Vertreter der Baudirektion, des Zivilschutzes, der Stadt und der Freilichtspiele.

Vegetation massiv zurückgestutzt

Grund: Der Zivilschutz hatte auf der Ostseite am Hang sämtliche Sträucher und den ganzen Bewuchs bis auf den Boden runtergeschnitten. Dies zum grossen Ärger von Iris Minder, denn sie und ihr Bühnenbildnerteam gingen bei der Gestaltung und Planung des Bühnenbilds und der Inszenierung davon aus, dass sich der Platz in etwa so präsentiert wie vor zwei Jahren: Ein vor fünf Jahren instand gestellter Kiesplatz, links und rechts begrenzt durch eine natürliche Kulisse aus Büschen, Sträuchern und Bäumen, welche für die Zuschauer den Blick auf die Umgebung verdecken und den Schauspielern die Gelegenheit für «verdeckte» Auf- und Abgänge bieten.

Iris Minder hatte Anfang April festgestellt, dass die Vegetation entlang ihrer «Bühne» massiv zurückgestutzt worden war und gelangte in der Folge an die Stadt und die Baudirektion. Jürg Vifian, stellvertretender Stadtbaumeister, Vertreter des Zivilschutzes und Stadtpräsident Boris Banga trafen sich mit Minder in der Folge zu besagtem Augenschein.

Unterhaltspflicht

Remo Schneider, Zivilschutzkommandant, rechtfertigte die Schnittaktion gegenüber dem Grenchner Tagblatt folgendermassen: «Wir führen jeden Herbst seit 12 Jahren Schnittarbeiten durch. Denn unter dem Freilichtspielplatz liegt die Zivilschutzanlage, und hier haben wir eine Unterhaltspflicht.» Man müsse dafür sorgen, dass die Gebäudehülle nicht durch einwachsendes Wurzelwerk beschädigt werde und die Abluftgitter und Notausstiege frei zugänglich bleiben. Noch nie in den vergangenen Jahren habe es Beanstandungen an ihren Unterhaltsarbeiten gegeben, auch die Stadtgärtnerei sei über die Jahre immer in Kenntnis gesetzt worden.

Gesetzlich vorgeschriebene Arbeit

Die Stadtkanzlei forderte nach dem Augenschein eine schriftliche Stellungnahme des Zivilschutzkommandanten. Schneider verwies darauf, dass die Vegetation überall eine Verspätung von etwa drei Wochen habe, und implizierte dadurch, dass man noch nicht sagen könne, wie gross die Beeinträchtigung der Freilichtspiele tatsächlich sei. Er betonte in seinem Schreiben, dass die Unterhaltspflicht des Zivilschutzes bei der Anlage auch die Umgebung betreffe. Etwaige Schäden seien nicht durch den Bund gedeckt und bei einem «unsachgemässen Unterhalt» stelle der Bund die Unterhaltszahlungen für die Anlage umgehend ein. Das verursache Mehrkosten für die Stadt.

Ausserdem werde der Kiesplatz regelmässig – und nicht nur alle zwei Jahre, wie von den Freilichtspielen – vom Zivilschutz als Park(RSN)- und Ausbildungsplatz genutzt und dürfe nicht zuwachsen. Schon deshalb müssten die Sträucher geschnitten werden. Es handle sich um gesetzlich vorgeschriebene Arbeiten zugunsten des Anlageunterhalts. Man habe bei Unsicherheiten beim Schnitt von Bäumen immer Rücksprache mit der Stadtgärtnerei gehalten, aber «dass es beim Schneiden eines Haselstrauches nicht die Rücksprache mit einem Fachmann braucht, ist wohl Gegenstand eines gesunden Menschenverstandes», so Schneider.

Nicht durchgeführter Schnittkurs

Nur waren eben gerade diese Haselsträucher entscheidend für Minder und ihr Team. Und sie wurden nicht nur zurückgeschnitten, sondern radikal bodeneben gestutzt. Zwar verweist Schneider in seiner Stellungnahme darauf, dass nach den Schnittarbeiten des Zivilschutzes die Stadtgärtnerei dort noch einen Schnittkurs durchgeführt habe. Allerdings wurde dem Grenchner Tagblatt von anderer Seite zugetragen, dass dieser Kurs kurzfristig an einen anderen Ort verlegt werden musste, weil es da rein gar nichts mehr zu schneiden gab.

Für Remo Schneider ist die Angelegenheit auch ein weiteres Beispiel dafür, dass es um seine Person nicht ruhig werden will. Die Kahlschlag-Posse ist daher einer von mehreren Vorfällen, die zu Schneiders Kündigung geführt haben. 

Stadtbaumeister ist sauer

«Alles Blödsinn», meinte Stadtbaumeister Claude Barbey auf die Argumente Schneiders zum Grünschnitt. «Der Zivilschutz muss nur darauf achten, dass die Eingänge frei bleiben. Aber dieser Kahlschlag war weder mit irgendwem abgesprochen noch ist er akzeptabel.» Das betreffende Gebiet sei Teil einer Ökovernetzung und aus diesem Grund hätte so oder so die Stadtgärtnerei konsultiert werden müssen. Das Problem mit den Freilichtspielen werde man lösen können, so Barbey. Man werde mit mobilen Pflanzen oder anderen Mitteln operieren, um den «Uhregrübler» den notwendigen Sichtschutz zu bieten.

Auch Stadtpräsident Boris Banga äusserte sich in einem Schreiben an die Beteiligten: Man werde Mitte Mai einen weiteren Augenschein vor Ort vornehmen, um die Fortschritte in der Vegetation festzustellen. Die Verdeckung allfälliger Löcher werde man dann mit mobilen Pflanzen und Sträuchern realisieren. Der Stadtgärtner muss aber noch eine Stellungnahme zur Geschichte aus seiner Sicht abliefern und sich auch zur Frage äussern, ob ein derartiger Kahlschlag aus Gründen des Gebäudeunterhalts und für den Parkplatz tatsächlich notwendig ist. Und schliesslich muss der Stadtbaumeister eine Weisung erarbeiten, damit solche «Pannen» nicht mehr passieren – auch Schneider hatte übrigens erwähnt, dass man klären müsse, wer in Zukunft die Schnittarbeiten ausführt und wo Verantwortlichkeiten abgegrenzt werden.