Am 10. August tritt die Summer Big Band in Grenchen auf, im Hotel Restaurant Airport beim Flughafen. Organisiert wird das Konzert von Dagobert Cahannes, Grenchner Chappelitüfel, ehemaliger Regierungssprecher des Kantons und Sportreporter, zusammen mit John Traub vom «Airport». Dem Publikum wird ein musikalischer Leckerbissen präsentiert, und das erst noch gratis. Denn Eintritt wird keiner verlangt, lediglich eine Kollekte erhoben. 20 Köpfe zählt die Band. Eine Ad-hoc-Formation mit Musikerinnen und Musikern mehrheitlich aus der Region Solothurn-Bern, von 23 bis 66 Jahre alt. Aktuell ist die Band unter der Leitung des Biberister Posaunisten Jonas Beck.

1994 wurde sie von Patrick Kappeler, Musiklehrer an der Kanti Solothurn, gegründet. Kappeler war ein grosser Liebhaber des Big Band Jazz der 50er-Jahre bis in die aktuelle Zeit, wo der Jazz geprägt ist von Rock und Funk. Kappeler hatte die Idee, jungen Musikerinnen und Musikern, egal ob sie Profis oder Amateure sind, diese Musik näherzubringen. Es spielte auch keine Rolle, ob ihnen Jazz schon vertraut war oder nicht. Man probte nur eine Woche im Jahr, diese dafür umso intensiver, und präsentierte dann in der zweiten Woche das einstudierte Repertoire in einer kleinen Konzerttournee.

An dieser Idee wurde festgehalten, bis heute. Profimusiker, Musiklehrer, aber auch Architekten, Landschaftsgärtner, Lehrerinnen, Lebensmitteltechnologen, ETH-Ingenieure und sogar ein in Grenchen gut bekannter Brigadier der Schweizer Armee – Alex Kohli – bilden die aktuelle Summer Big Band. Die Band konstituiert sich jedes Jahr neu.

Die bestehenden Musikerinnen und Musiker geniessen ein «Vorkaufsrecht» in Form einer frühzeitigen Anmeldung. Leere Plätze im Orchester werden dann später besetzt, mit Freunden, Interessierten oder Musikern, die man kennt und «anwirbt». Wie spontan man das Ganze angeht, beweist der Umstand, dass man für den kurzfristig ausgefallenen Gitarristen innert kürzester Zeit einen Ersatz fand.

Grenchen als Konzertort ist nicht ganz zufällig. Die Saxofonistin Christine Butty, die Präsidentin des Vereins «Summer Big Band», ist mit Grenchen verbunden: Sie ist zwar in Biberist aufgewachsen, ihr Heimatort jedoch ist Grenchen. Alex Kohli braucht man in Grenchen nicht mehr vorzustellen, als ehemals bekannten Politiker und Musiker. Mit Hansueli Ryser sitzt ausserdem jemand am Klavier, der auch in der Vergangenheit enge Beziehungen zu Grenchen hatte. Ryser ist Pfarrer und war einige Male in Grenchen als Stellvertreter tätig.

Und nicht zuletzt hat «Dago» Cahannes alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Konzert im «Airport» auf die Beine zu stellen. Cahannes legte auch grossen Wert darauf, alle Werbemittel und Dienstleistungen rund um das Konzert von Grenchner Firmen zu beziehen und sie als Sponsoren zu gewinnen.

Proben im Berner Oberland

Momentan befinden sich die Musiker im Berner Oberland, genauer gesagt im Diemtigtal in einer Intensiv-Probewoche. Rund sechs Stunden täglich wird geprobt. Am Morgen gibt es die sog. Registerproben: alle Trompeten zum Beispiel proben gemeinsam. Am Nachmittag finden dann jeweils die Gesamtproben mit dem ganzen Orchester statt. Es werde aber nicht nur geprobt, sagt Christine Butty. «Wir sind nicht nur zum Musikmachen hier im Ferienhaus, sondern auch, um gemeinsam Spass zu haben und eine gute Zeit zusammen zu verbringen».

Die Summer Big Band habe sogar eine eigene Küchencrew mitgenommen, erklären die Verantwortlichen anlässlich einer Medienkonferenz mit Live-Schaltung ins Diemtigtal. Am Abend werde viel gemeinsam gelacht und es herrsche eine unkomplizierte, lockere Stimmung.

Jonas Beck, der musikalische Leiter der Summer Big Band, zeigt sich begeistert darüber, mit welchem Elan und Einsatz die Musikerinnen und Musiker dabei sind. «Ich betrachte mich nicht einfach als ‹der Chef›, sondern bin sehr froh über die Inputs, die da kommen. Im Ganzen steckt viel Teamarbeit und viel Enthusiasmus.» So verdient auch keiner der Musiker oder die Sängerin, die im Verlauf der Woche dazustösst, eine Gage, erklärt Cahannes. Lediglich eine Spesenentschädigung wird entrichtet.