Stadtbummel Grenchen

Ein kleiner Sieg des welschen Savoir-vivre

Vielen Dank für die Blumen.

Vielen Dank für die Blumen.

Ich bin so was von beruhigt. An der Kreuzung Girardstrasse/Solothurnstrasse wurde schon letztes Jahr der Blumenschmuck abgeräumt und der damalige Chef der Stadtgärtnerei versprach, dass dann dort «schon bald wieder etwas Schönes gemacht» werde. Weil die kleine Brache an meinem Arbeitsweg liegt, habe ich seither immer wieder bange Momente gehabt, wenn ich an der lange Zeit unbepflanzten Fläche vorbeikam: Alles, nur kein Steingarten, so meine Hoffnung für diese kleine Ecke im Stadtzentrum. Immerhin laut Verkehrszählung an der meistbefahrenen Kreuzung der Stadt.

Vor ein paar Tagen konnte ich aufatmen. Die Leute vom Stadtgrün – ihr Name sei Programm – haben eine schöne Bepflanzung mit Blumen gemacht. Zur Jahreszeit passend und liebevoll gestaltet. So, wie das eigentlich jeder anständigen Stadt gut ansteht. Eine kleine Augenweide zur Freude der Einwohnerinnen und Einwohner.

Leider muss man das heute speziell erwähnen, auch wenn es fast alle Städte Europas so machen. Nur in der Deutschschweiz breitet sich ein Geschwür aus aus Schotter und Steinen. Meter für Meter werden mit Mergel, Kieselsteinen und Eisenbahnschotter die letzten Flächen im öffentlichen Raum zugeschüttet. Wo einst Pflanzen signalisierten, dass hier ein Rest von Leben der Blechlawine trotzt, existieren jetzt nur noch graue und braune Steinwüsten. Gehackter Beton.

Viele Private machen es leider vor. Ein Einfamilienhaus muss zwar her, man ist aber zu faul, um den Garten zu pflegen, der Gärtner offenbar zu teuer. Gipfel der Perversion dann, wenn sie im Sommer, sobald sich der Steinbruch zu einem Glühofen voller Hitze vollgesogen hat, Wasser zur Kühlung darüber spritzen. Ja das solls geben, auch in Grenchen.

Für mich ist der hübsche Pflanzblätz an der Kreuzung ein kleiner Sieg. Ein Sieg der Natur über den Spar-und Rationalisierungswahn und ein Sieg von welschem Savoir-vivre, der Grenchen als Stadt an der Sprachgrenze sowieso gut ansteht.

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