Kleintheater
Ein Kabarettist philosophiert übers Suchen und Finden auf Google

Die Bezeichnung Google basiert auf einem Wortspiel – manche Quellen sprechen auch von einem Rechtschreibefehler. Für den Kabarettisten Ingo Börchers jedenfalls ist die Welt eine Google, erklärte er bei seinem Auftritt in Grenchen.

Kaspar Haupt
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Kabarettist Ingo Börchers. khg

Kabarettist Ingo Börchers. khg

Solothurner Zeitung

Unser Suchen kann kein Ende finden. Unser Ziel ist in einer anderen Welt, schrieb Michel de Montaigne 1563. Die moderne Vision des Suchens erlebte das Publikum im Kleintheater mit Ingo Börchers. «Schön, dass sie gekommen sind», begrüsste der Kabarettist seine Zuhörer. Denn hätten sie Ingo in ihrer Suchmaschine eingegeben, wären sie vielleicht bei IKEA gelandet – Ingo ist nämlich der Name eines Beistelltisches.

Für das Publikum wurde es ein Kabarettabend mit Suchen und Finden, intelligentem Sprachwitz und abstrusen Assoziationen. Börchers Marktplatz heisst ebay, unsere Zukunft web 2.0 und «Offline-sein» ist die neue Obdachlosigkeit.

Wo finden wir was?

Absurd? Ganz und gar nicht. Denn früher hiess es: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Heute: Was Hänschen gelernt hat, kann Hans nicht mehr gebrauchen. Es kommt nicht mehr darauf an, ob wir etwas wissen, sondern nur noch darauf, wo wir Wissen finden. Weil die Antworten zunehmend unwichtiger werden, wird es höchste Zeit die richtigen Fragen zu stellen. «Die Welt ist eine Google. Und das ist nicht sächsisch!» Das ist die Wahrheit.

Suchen ist unserer Lieblingsbeschäftigung geworden: Bauer sucht Frau. Deutschland sucht den Superstar, Tiere suchen ein Zuhause. «Wenn das Suchen wichtiger ist als das Finden, so ist die Antwort doch egal.»

Rund 90 Minuten begibt sich Ingo Börchers auf die Datenautobahn. Unangeschnallt, ungehemmt und ohne Virenscanner irrt er durch die Welt des Computers. Bleibe noch die Frage, wer die Menschen sind, die sich auf «myspace» meine Freunde nennen. «Und was soll ich im Second Life, wenn ich schon mit meinem ersten Leben überfordert bin?» Es wurde ein besonderer Abend vom Suchen und vom Finden, Posten und Podcasten, von Lese- und Lesezeichen.