Grenchen

Ein Jubiläum mit vielen Glanzpunkten: Fasnächtler zelebrieren 50 Jahre Plausch

Am Plausch in Grenchen feierten auch Ehemalige ein Revival und kamen nochmals auf die Bühne.

Der Jubiläumsplausch war schon eine besondere Nummer: qualitativ wie quantitativ. Witzige Sketches, gewitzt-pointierte Schnitzelbänke, vielfältige musikalische Produktionen sowie spezielle Gäste begeisterten das Publikum im prallvollen Parktheater. Oberpläuschler Daniel Wisard, der mit seinem Weggefährten Jorge Tomas zum letzten Mal den Vorfasnachts-Anlass organisierte, zog dabei noch einmal alle Register. Er gefiel zum Bühnenbild von Tore de Vito als Moderator (unterstützt von Ueli Liggenstorfer), gab selber auch den einen oder anderen Bank zum Besten, liess mit seinem Team die letzten Jahre filmisch-originell Revue passieren, und letztlich glänzte die Crew auch in einem musikalisch-tänzerischen Medley.

Mit 97 Jahren nochmals auf der Bühne des Plauschs

Berührend der Auftritt des Ehren-Vize-Obernarren Hansruedi Fritscher. Er war 1970 erster Moderator am Plausch und schaute kurz auf dessen Geschichte zurück. Es sei wichtig zurückzublicken, noch wichtiger aber sei es im Jetzt zu leben, riet der 97-Jährige Zuschauenden wie Mitwirkenden.

Famos einmal mehr die Hilari-Schnibako. Formvollendet in Vers und Reim wurde so einiges zur Zielscheibe ihres geistreichen Spottes. Ihr Vortrag gipfelte in gleich zwei treffsicheren Hieben ins Solothurnische Selbstverständnis. Stark auch die Stadtratten, die sich anlassgerecht in Schale geworfen hatten, dabei aber munter weiter im Untergrund wühlten und manche Begebenheit närrisch-poetisch an die Öffentlichkeit zerrten. Innovativ der Beitrag der «Narreschwöschtere» aus Lyss. Die vier Damen würzten ihre Bänke mit viel gesanglichem Flair zu stets anderen Melodien.

Urs «Orsani» Saner, der als «Nasegrübler» in früheren Jahren so manch bejubelten Auftritt absolviert hatte (zuletzt 2003), liess sich das Jubiläum nicht entgehen und zeigte auf, dass er die Kunst des Bänkelsangs noch immer beherrscht.

Auch die übrigen Wortbeiträge wussten zu gefallen. «Güti&Werren» sind seit Jahren mit lakonischem Spiel und spitzer Zunge unterwegs, diesmal als Werkhof-Mitarbeiter auf dem stilisierten Marktplatz. Das hat etwas von absurdem Theater à la Godot, fasnachtsgerecht interpretiert. Ehrenobernarr Heinz Westreicher und der langjährige Hilari-Ober Urs Wirth standen schon in früheren Jahren für zunftübergreifende, hochstehende Narrenkost. Die beiden begnadeten Verseschmiede überzeugten auch im Prosa-Genre. Als einsame, da am falschen Ort verharrende Umzugsbesucher, zogen sie so praktisch alles durch den «Gaggo», was ihnen vor das geölte Mundwerk geriet. Sie spielten dabei gerne auch auf den Mann oder die Frau, ohne sich im Ton zu vergreifen. Obergugger Mischu Baier und Schnibako-Mitglied Marco «Copain» Christen suchten verzweifelt nach Ersatz im verletzungsgeschwächten Badi-Team. Spitze Pointen und ein gewiefter Imitationskünstler (Christen) liessen die Nummer zum karnevalesken Leckerbissen werden. «Pädu» Gribi machte sich an die heikle Aufgabe, dem Publikum den Unterschied zwischen den Geschlechtern sowie die Geheimnisse der Nachhaltigkeit zu verklickern.

Hochgenuss für die Ohren, aber auch die Augen

Vielfalt zeichnete die musikalischen Beiträge aus. Ein Hingucker wie immer die «Schuelschwänzer» als tolkiensche Elben. Feine Arrangements und schön-schräge Töne sorgten für akustischen Hochgenuss. Diesen boten auch die Cocoloris, die mit ihrem typischen, von Pfeifern, Bläsern und Steeldrums geprägten Sound Herzen und Seele erwärmten. Ihre selbstgewirkten Kostüme, fantasievoll und jedes einzelne ein Schmuckstück für sich, sind schlicht eine augenbetäubende Wucht. Überzeugend die Frösche als Superhelden mit innovativen Arrangements und fetziger Musik. Die Hilari-Broders bestachen mit ihrem rockig-bluesigen Groove und wuchtigem Schlagzeugsolo (José de Mena).

Den Saal endgültig zu Kochen brachten schliesslich die älteren Herren der Hilari-Musig. Mit ihrem mitreissenden Sound setzten sie einen weiteren Glanzpunkt. Sie, die schon beim ersten Plausch zugegen waren, dann 2005 «zum letzten Mal», liessen jetzt ein «allerletztes Mal» folgen.

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