Stadtbummel Grenchen
Ein Hashtag für Grenchen

Roger Rossier
Roger Rossier
Drucken
Teilen
Der Autor bekam in der Bäckerei ein Gespräch zu #metoo mit.

Der Autor bekam in der Bäckerei ein Gespräch zu #metoo mit.

Walter Schwager

In einer Warteschlange einer stadtbekannten Bäckerei stehend, freute ich mich vor ein paar Tagen auf die köstlichen Spitzbuben, die mir vom Ladentisch entgegengrinsten. Ich stellte mir die Frage, wer dieses Gebäck erfunden haben mag. Meine Recherchen ergaben, dass die Spitzbuben ursprünglich Linzer Augen hiessen. Die Oltnerin Frieda Nietlisbach beschrieb in ihrem 1929 erschienenen «Meisterwerke der Küche» zum ersten Mal das Rezept dazu. Da die Spitzbuben fast wie Smileys aussehen, könnte man keck behaupten, Frieda Nietlisbach habe lange vor Einzug des digitalen Zeitalters den Smiley-Prototyp erfunden.

Doch gehen wir zurück in die Bäckerei; ich stand immer noch vor der Theke, hoffend bald nach meinen Wünschen gefragt zu werden, als ich plötzlich Zeuge eines Gesprächs wurde. Zwei Damen entsetzten sich über den unter Missbrauchsverdacht stehenden Produzenten Harvey Weinstein und fragten sich gegenseitig, ob sie sich auch bei «#MeToo» melden sollten. Mit diesem Hashtag wurde mittels der sozialen Netzwerke die Debatte über sexuelle Belästigungen angestossen. Das Gespräch hinter meinem Rücken widmete sich inzwischen den sexistischen Auswüchsen unserer Sprache. Die angeführten Beispiele irritierten mich derart, dass ich, als ich endlich meine Kaufwünsche anbringen konnte, Hemmungen hatte, Spitzbuben zu bestellen. Es könnte zweideutig verstanden werden ... Auch die neben den Spitzbuben liegenden «Meitschibei» und «Schenkeli» lösten auf meiner Stirne kleine Schweissperlen aus. Die Namen dieser Backwaren könnten heute möglicherweise nicht den Anspruch der «political correctness» erfüllen und am Ende liefe ich Gefahr, deswegen unter #MeToo angeprangert zu werden. So entschied ich mich für das völlig unverdächtig klingende belegte Brötli und den aussersaisonalen Saisonsalat an italienischer Fertigsauce und trauerte während meiner Mittagspause den mit Johannisbeeren-Gelee und Puderzucker verzierten Spitzbuben nach.

Vor drei Jahren übernahm der junge Elektrotechniker Angel Rodriguez das Kino Rex. Vergangenen Dienstag durfte sich Rodriguez über ein bis auf den letzten Platz gefülltes Kino Rex freuen. Die vom Gewerbeverband organisierte Kinonacht nutzen die GVG-Mitglieder bereits zum dritten Mal als Kundenanlass mit Apéro und Filmvorführung. Über dreihundert Personen folgten der Einladung und nicht wenige waren überrascht, wie modern und bequem sich der Kinosaal mit der grossen Leinwand zeigte. Es wäre dem jungen Angel Rodriguez und seinem Team zu gönnen, wenn die Einheimischen «ihr» Kino vermehrt nutzten würden und die neusten Filme nicht nur in Bern oder anderen Städten an-schauen gingen.

Generell wäre der Erfolg allen zu gönnen, die mit viel Mut, Risiko und Herzblut in Grenchen ein Geschäft, ein Restaurant oder eben ein Kino betreiben. Vermehrt im Ort als ausserorts einkaufen und konsumieren wäre ein Beitrag zur Bewahrung einer lebendigen Stadt. Bekennen wir uns dazu. Wenn Sie diese Ansicht teilen, lade ich Sie ein, sich unter dem Twitter #ig-au einzutragen. Sie haben Twitter und Hashtag noch nie benutzt? Ich auch nicht, bis gestern. Es ist nicht schwierig, Donald Trump hat es auch geschafft.

Aktuelle Nachrichten