Ein Grenchner Bürger beantragte am 5. Juni 1836, Giuseppe Mazzini und seine Freunde, die Brüder Ruffini, ins Bürgerrecht aufzunehmen. Am Sonntag, den 12. Juni 1836, fand die entscheidende Gemeindeversammlung statt. Ammann Franz Schilt sprach zur Gemeinde: «Am verflossenen Sonntag ist durch ein Mitglied unserer Gemeinde ein Antrag zur Erteilung des Bürgerrechtes an die Herren Josef Mazzini, Johann und August Ruffini, alle aus Genua, Euch bekannt gemacht worden, worüber heute abzustimmen ist. Diese drei Männer haben in ihrem Vaterland für die Freiheit gearbeitet und das gesucht, das wir Schweizer schon besitzen.

Deswegen sind sie von ihrer Regierung zum Tode verurteilt. Diesen Flüchtlingen wird von den Behörden kein ruhiger und sicherer Aufenthaltsort gestattet. Die Christen und Menschenpflicht fordert aber, dass wir Fremde beherbergen. Das kann also nur geschehen, wenn wir ihnen das Bürgerrecht erteilen. Wenn anno 1830 die Aristokraten gesiegt hätten, so wären viele von uns im gleichen Fall. Welche Wohltat wäre das nicht, wenn irgendeine Gemeinde im Auslande uns als Brüder würde aufgenommen haben. Diese Männer haben sich während zwei Jahren fast immer in unserer Gemeinde aufgehalten, ihre Aufführung ist uns bekannt.»

Klare Zustimmung

Die Abstimmung erfolgte geheim. 144 Stimmzettel wurden ausgeteilt, 122 Grenchner sprachen sich für die Aufnahme der drei Genuesen ins Grenchner Bürgerrecht aus, und nur 22 wandten sich dagegen.

Mit diesem Beschluss brachten die Grenchner das berühmte Fass zum Überlaufen. Die Regierung in Solothurn konnte gegenüber der Tagsatzung nicht anders handeln: Der Kleine Rat zu Solothurn hob am 9. Juli 1836 den Beschluss der Gemeindeversammlung auf, und die Grenchner mussten eigenhändig ins Protokollbuch eintragen, sie hätten mit dieser Bürgerrechtserteilung an die drei Italiener gegen solothurnische Gesetze verstossen.

Gemeindeammann Franz Schilt musste seine Demission einreichen, wurde aber später noch zweimal wiedergewählt.

«das kleine Nest im Jura»

Für Mazzini und die Brüder Ruffini wurde es nun eng im Bachtelenbad. Am 1. Januar 1837 verabschiedeten sie sich aus Grenchen. Die Gemeinderäte begleiteten sie zum Ärger der Regierung in Solothurn mit dem Dorfweibel und der Gemeindefahne ein Stück weit.

Der spätere Bundesrat Josef Munzinger aus Olten meinte damals, der Namen Grenchen sei ein europäischer Name geworden, und wie Betlehem sei Granges nicht einer der letzten Flecken Israels resp. der Schweiz. – Mazzini und die Brüder Ruffini gingen nach England. Giovanni Ruffini schrieb eine spannende Geschichte aus der Zeit im Bachtelebad. Diese ist unter dem Titel «Das kleine Nest im Jura» in deutscher Sprache erschienen. Er verfasste auch das Libretto zu Donizettis Oper «Don Pasquale».

Kultur-Historisches Museum Grenchen: Die Vernissage zur Ausstellung 125 Jahre Kinderheim Bachtelen, das 100 Jahre in Grenchen daheim ist, findet statt am Donnerstag, 18. August 2016 um 19 Uhr. Der Anlass ist öffentlich.