Investor
Ein Grenchner soll beim FC Biel den Financier spielen

Der ehemalige FC Grenchen-Spieler Martin von Burg soll 800'000 Franken lockermachen, damit der FC Biel die ausstehenden Löhne bezahlen kann. Manche Leute zweifeln daran, dass dieses Rettungsangebot wirklich Hand und Fuss hat.

Oliver Menge
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Das war beim Eröffnungsspiel. Um die Löhne der Spieler zu zahlen, ist der FC Biel auf Investoren angewiesen.

Das war beim Eröffnungsspiel. Um die Löhne der Spieler zu zahlen, ist der FC Biel auf Investoren angewiesen.

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Was beim Challenge-Club FC Biel in den letzten Wochen und Monaten abging, ist schwer verständlich und kaum nachvollziehbar. Seit Januar sind Löhne ausstehend, sportlich gehts bergab, dem Klub werden Punkte abgezogen, Spieler streiken und am Dienstag kam es zur Verhandlung beim Konkursrichter.

Nachdem der FC Biel vor fünf Tagen erneut in die Schlagzeilen geriet, weil Trainer Zlatko Petricevic seinem Physiotherapeuten während des Spiels gegen Schaffhausen die Faust ins Gesicht schlug und in der Folge entlassen wurde, dann die Spieler am Sonntag streikten, gab es News, die auch in Grenchen interessieren dürften: FC-Biel-Präsident Carlo Häfeli präsentierte dem Richter einen neuen Investor. Ein Financier namens Martin von Burg aus Grenchen soll bis Freitag 800'000 Franken einschiessen, um die ausstehenden Löhne zu bezahlen.

800'000 Franken sind schon fast bescheiden

10 Millionen hat der amerikanischer Investor William Kuzma dem FC Biel versprochen. Da sind die 800'000, welche der Grenchner Martin von Burg angeblich einschiesst, schon fast bescheiden. Sofern das Geld aus Grenchen bis Freitag eintrifft, können die ausstehenden Löhne beim FC Biel beglichen werden.

Zum Gang vors Gericht kam es, weil aktuelle und ehemalige Angestellte des FC Biel ihre ausstehenden Löhne einforderten, insgesamt rund 400'000 Franken. Unter den zehn anwesenden Gläubigern waren auch der frühere Trainer Patrick Rahmen und sein Assistent Petar Aleksandrov. Richter Balz Oberle indes gewährte dem Fussballklub einen Aufschub von zwei Monaten. Er war der Meinung, es sei gerechtfertigt, die Investorenfrage und die Sanierungsaussichten genauer abzuklären und gewährte die Nachlassstundung.

Geld aus dem Rotlichtmilieu?

Bei besagtem Martin von Burg aus Grenchen kann es sich nur um einen handeln, auch wenn es nicht gelang, ihn persönlich zu befragen: Der heute 72-jährige von Burg war früher aktiver und erfolgreicher Spieler des FC Grenchen. 16 Jahre lang spielte er in der ersten Mannschaft, dann wurde er 1984/85 Sportchef des FCG.

1985, als der FC Grenchen zwar in die NLA aufsteigen konnte, aber gleichzeitig finanziell abstürzte, schied von Burg aus dem Staff aus. Laut «Blick» soll er im Rotlichtmilieu ein kleines Vermögen gemacht und damals mit Geld förmlich um sich geworfen haben.

Von Burg ging 1995 mit seiner Firma MVB-Trading, An- und Verkauf von Edelmetallen, in Konkurs. Mangels Aktiven wurde die Firma gelöscht. Letztes Jahr wurde die Firma Swissben Security Services AG, Begutachtung und Bewertung von historischen Wertpapieren, im Handelsregister eingetragen, mit Martin von Burg mit Einzelunterschrift und einem Deutschen namens Frank Hans Heinz Mesterschmidt als Verwaltungsrat, Aktienkapital 100'000 Franken. Firmensitz ist ein Treuhandbüro in Selzach, weitere Infos fehlen.

Eine Person aus der Grenchner Fussballszene kennt «Tinu» von Burg schon lange gut und kann sich nicht vorstellen, dass der so viel Geld in den FC Biel investiert. «800'000 Franken, schon fast eine Million! Wenn er das Geld tatsächlich hat – was ich nicht glaube – frag ich mich schon, weshalb er nicht schon längst beim FC Grenchen eingestiegen ist. Den FC Biel rettet man damit nicht, da bräuchte es mindestens 10 Millionen.»

Und diese sind ja vielleicht schon unterwegs: Wie verschiedene Medien berichten, legte Häfeli vor Gericht ein dubioses E-Mail eines Amerikaners namens William Kuzma vor, der innerhalb eines Tages zehn Millionen Dollar investieren will – dummerweise ist das Schreiben datiert vom 13. April, Geld ist aber noch keines da.