Grenchen

Ein Gartenquartier mitten in der Stadt – ein Rundgang durch das «Däderiz»

Grenchen und seine Quartiere: Im Däderizquartier verbergen sich wahre Paradiese an Gärten. Dies ist nicht das einzige, was das Gartenquartier zu bieten hat.

«Wie heisst das genau?» So oder ähnlich kann es tönen, wenn man am Telefon oder an einem Schalter den Strassennamen Däderiz angeben muss. Die Antwort ist dann ein nochmaliges Wiederholen des Namens mit dem betonten Umlaut ä und dem Hinweis auf ein z am Schluss ohne tz. Den Anwohnerinnen und Anwohnern der Däderizstrasse dürfte dies bekannt vorkommen, wenn sie einer auswärtigen Person Auskunft über ihren Wohnort geben müssen. In fast ganz Grenchen befindet man sich wie in einem einzigen grossen Garten. Im Däderiz ist dieses Lebensgefühl einfach noch etwas ausgeprägter.

Hanglage auf zwei Terrassen getrennt durch den Krähenberg

Geografisch gesehen liegt das Däderizquartier ungefähr mitten im Stadtgebiet. Es sind zwei terrassenartige Ebenen, die durch einen steilen Abhang, dem Krähenberg, voneinander getrennt sind. Auf der Ostseite wird das Däderiz durch die Kirchstrasse respektive Schmelzistrasse begrenzt. Auf der Westseite ist es die Dählenstrasse, die entlang des Taleinschnittes des Bachtelenbaches führt. Südseitig wird das Quartier durch die Schützengasse und die Bahnlinie Biel-Basel abgeschlossen. Auf der Nordseite bildet die Allerheiligenstrasse eine klare Begrenzungslinie zu den Quartieren «ob de Müre».

Die nördliche Terrasse wird als «Ober-Däderiz» bezeichnet. Hier befinden sich die sogenannten «Blumenstrassen», wie das Gebiet im Volksmund auch gerne bezeichnet wird. Es ist hauptsächlich ein Quartier mit einem grossen Anteil an Einfamilienhäusern, dessen Erschliessungsstrassen durchweg Namen von Blumen tragen, vom Geranienweg im Osten bis zur Veilchenstrasse im Westen. Die meisten Häuser haben ein älteres Datum, darunter auch etliche stattliche Villen. An der Ilgenstrasse stehen aber auch neuere Einfamilienhäuser, da hier ein Feld noch lange landwirtschaftlich genutzt wurde.

So ist auch die Feuerwehr mitten in der Stadt

Mit dem in den 1940er-Jahren erbauten Feuerwehrmagazin befindet sich eine wichtige städtische Einrichtung im «Ober-Däderiz». Der genaue Ort an der Schmelzistrasse wird im Grenchner Heimatbuch von Werner Strub als «Krähenhubel» benannt.

Als «Nahtlinie» zwischen dem Ober- und Unter-Däderiz funktioniert der Promenadenweg, der vom Feuerwehrgebäude bis zur Dählenstrasse exakt über die ganze Länge der Kante des Krähenbergs verläuft. Hier lässt sich, wie der Name sagt, bestens flanieren und auf einem Spaziergang die Aussicht über die Stadt, das Mittelland und auf den Alpenkranz geniessen. Es ist der Politik von früher hoch anzurechnen, dass das Areal des Promenadenwegs für die Öffentlichkeit freigehalten wurde und die privaten Gärten nicht bis ganz vorne zur Hangkante des Krähenbergs führen. Allerdings sind die angrenzenden Hecken mittlerweile hochgewachsen und verdecken teilweise die Aussicht.

Wesentlich vielfältiger als in der oberen Hälfte geht es in Sachen Gebäude im «Unter-Däderiz» zu und her. Vom Einfamilienhaus über herrschaftliche Villen bis zum Fabrikareal und zur Quartierbeiz «Helvetia» findet sich hier alles. Sehr typisch sind die Zwei- oder Dreifamilienhäuser aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entlang der Däderiz- und der Weinbergstrasse. Gepflegte Vorgärten gehören zu diesem Quartier, die aber in den vergangenen zwei Jahrzehnten wegen des gebührenpflichtigen Parkplatz-Regimes der Stadt oft zu Autoabstellplätzen verunstaltet wurden.

Die schönsten Gärten entziehen sich den Blicken

Wahre Paradiese an Gärten sind aber meist von den Blicken verborgen und befinden sich hinter den Häusern, gerade auf der Südseite der Däderizstrasse. Reich strukturiert mit Bäumen allen Alters, jeder Art und Höhen sowie Hecken und verträumten Biotopen ist es ein Paradies für Insekten und Vögel. Ringel- und Türkentauben sind zu finden, Rabenkrähen und Elstern nisten, sogar ein Turmfalke ist heuer zum Schrecken der kleinen Vögel öfters im Däderiz anzutreffen. Selbst Zeichen von Eulen haben sich schon gefunden. Über den Dächern patrouillieren von Mai bis Ende Juli unablässig die Mauersegler, die unter den alten Vordächern bestens unterkommen für ihr Brutgeschäft.

Auch hier: Die Industrie fehlt nicht

Es gehört zur Charakteristik des einstigen Bauerndorfes Grenchen, dass sich auf dem ganzen Stadtgebiet Fabrikbauten befinden. So auch im Däderiz. Selbst ein weltbekannter Name hat sein Domizil in einem schönen Fabrikgebäude an der Schützengasse: die Eterna. Ein grosses Areal umfasst die einstige «Schraubenfabrik und Fassondreherei» (so in einem Inserat von 1934) der Gebrüder Brotschi entlang der Weinbergstrasse; hier sind heute verschiedene Betriebe untergebracht. Die ehemalige Michel SA (heute Meco) mit ihrer Direktorenvilla findet sich im Quartier wie die Madec AG mit ihrem Décolletage-Unternehmen sowie viele bekannte Gewerbebetriebe.

Ein wichtiger Ort in Grenchen ist auch die alte Reithalle, die wie der Flughafen Jahrgang 1931 hat, also bald 90-jährig ist. Mit der an diesem Ort ansässigen Reitschule Mujibur von Cordelia Meister gehören auch Pferde zum Strassenbild im Däderizquartier. Gleich nebenan befindet sich das Alterszen­trum Am Weinberg mit seinem auffälligen V-förmigen Bau. Der Name deutet darauf hin, dass am Krähenberg – also zwischen Ober- und Unter-Däderiz – früher Reben angebaut wurden. Das ist heute nicht mehr der Fall. Aber die Farbe Grün in allen Variationen dominiert auch heute noch das Quartier mit dem ä und dem z ohne tz im Namen.

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