Premiere
Ein Freilichtspiel zum Mitfiebern und Geniessen

Die Premiere von «Wiiberheer» auf dem Freilichtspielareal im Eichholz war ein voller Erfolg – der Schluss ging besonders unter die Haut.

Nadine Schmid
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Wiiberheer – Freilichtspiele Grenchen
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Eine ausverkaufte Premiere
Insgesamt 14 Mal wird das Freilichtspiel aufgeführt.

Wiiberheer – Freilichtspiele Grenchen

Thomas Ulrich

«Wir haben Biel schon erobert, wir, die Franzosen, sind nicht mehr aufzuhalten» erklärt der französische Soldat Guillaume (Martin Schärer) Ende Februar im Jahr 1798. Der Krieg sei nötig, erklärt er weiter, denn würden die Franzosen gewinnen würden sie Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit mitbringen. Indes, auf dem belebten Dorfplatz in Grenchen gehen die Bewohner ihren täglichen Geschäften nach. Waren werden feilgeboten, Wasser geschöpft und auch ein fauler Zahn soll gezogen werden, Kinder laufen begeistert von einem Geschehen zum nächsten.

Doch obschon der Alltag weiter gelebt wird, beschäftigt der Krieg; die Frage, was man tun soll, ist omnipräsent. Wird Grenchen wirklich frei sein oder wird das Dorf einfach statt Untertan von Solothurn künftig Untertan Frankreichs? Und wird die Ankunft der Franzosen Gewalt mit sich bringen? Soll man sich ergeben oder kämpfen?

Drei neue Helden

Am Freitag ging die Uraufführung von «Wiiberheer», des achten Freilichtspiels der Freilichtspiele Grenchen, bei herrlichen Bedingungen und mit grossem Erfolg über die Bühne. Es ist eine Geschichte, in der drei neue Helden, der Seuzejoggeli (Kari Amsler), Elisabeth Frei (Nadja Rothenbühler) und Maria Schürer (Stephanie Zeni), geboren werden. Und auch der Tod (Sandra Sieber) kommt vor und führt seinen Totentanz auf.

Vor der Aufführung sprachen Autorin und Regisseurin Iris Minder und der Präsident der Freilichtspiele Grenchen, Jürg Spahr, freudige Dankesworte für alle Beteiligten und Unterstützer aus. Ohne sie wären die Freilichtspiele nicht möglich. Dabei bat Minder vorsichtig die Solothurner um Verzeihung, denn diese kämen im Stück nicht gut weg. Sie bat, es mit einem Augenzwinkern hinzunehmen.

Dies geht im Hinblick auf die damalige Zeit problemlos. Denn wie andere Städte auch hat Solothurn damals über die Dörfer in seinem Territorium bestimmt, welche kein Recht hatten, sich zur Wehr zu setzen. So sind wie viele andere Charaktere auch der stolze Solothurner Noldi Pfluger (Roland Favre), seine besserwisserische Frau Emma (Rosmarie Schwab) und der dümmliche Wächter (Bernhard Moser) überspitzt dargestellt. In passenden Kostümen (unten: rot, oben: weiss) und weissen Perücken für das herrschaftliche Ehepaar tauchen sie immer wieder, nach Landesverrätern suchend, in Grenchen auf.

Beeindruckender Schluss

Die Zuschauer erwartet ein besonderes, berührendes Theatererlebnis. Während es zunehmend eindunkelt, kommt eine spezielle Stimmung auf. Das Ende des Stücks setzt einen beeindruckenden Schlusspunkt. Wie in den vorigen Freilichtspielen und in ihren anderen Stücken gelang es Minder auch in diesem, verschiedenste Emotionen zu verbinden.

Man fiebert mit, wird zum Nachdenken und durch die eingebaute Komik auch zum Lachen angeregt. Die Amateur-Schauspieler haben eine grosse Leistung vollbracht. Minder verwebt immer wieder das damalige Zeitgeschehen auf treffende Weise mit der Gegenwart, sodass man sich der vollen Bedeutung vom Frieden, den die Schweiz seit rund 170 Jahren hat, bewusst wird.

Auch Tanz, Gesang und Musik kann das Publikum miterleben. Die Live-Band Les Rubis mit Bruno Schaad (Bass), Peter Schenker (Piano), Ruwen Kronenberg (Violine, Viola) und Silvan Bolle (Vibrafon, Schlagzeug) hat die überaus gelungene und feine Musik selber komponiert. Weiter begleiteten auch zwei Darstellerinnen musikalisch, Susi Reinhart an der Blockflöte (hinter der Bühne) und Aoife Hohl (in ihrer Rolle).

Aufführungsdaten: 22. 6.; 23. 6.; 24 .6.; 29. 6.; 30. 6., 1. 7.; 4. 7.; 12. 7.; 14 .7. (Derniere).

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