«Der Mensch ist nicht zum Fliegen gemacht», erklärt Pilot und Theorieinstruktor Mike Mettraux. «Deshalb muss er einige Dinge lernen, bevor er in die Lüfte steigen kann.» So führt Mettraux die 13 jungen Ferienpass-Teilnehmer, die einen Tag in der Flugschule Grenchen verbringen, denn auch in die Theorie des Fliegens ein. Zuerst fragt er nach den Baukomponenten eines Flugzeuges. «Das Höhenruder, der Propeller, die Seitenruder und die Landeklappen», wissen die Kinder. «Rumpf, Cockpit und Fahrwerk braucht es auch», ergänzt Mettraux.

Dann klärt der Pilot die Kinder über verbreitete Irrmeinungen auf. «Es gibt Leute, die denken, der Propeller lasse das Flugzeug steigen. Zur Erzeugung des Auftriebs dient aber der Tragflügel.» Der eigentliche Grund dafür, dass der Flügel hochgedrückt wird, sei, dass die Luft nach unten abgelenkt werde. «Auch in Filmen wird oft ein falscher Eindruck des Flugverhaltens vermittelt.» Anders als dort oft gezeigt liegen Flugzeuge in der Realität stabil in der Luft.

Dass die Geschwindigkeit eines Flugzeugs in Knoten angegeben wird und Fuss anstatt Meter verwendet werden, wissen einige Kinder bereits. Für viele ist dagegen neu, dass die Welt in Meridiane und Breitenkreise eingeteilt wird.

Charlie, Juliette und Whysky

Die Kinder lernen auch, dass es ein Flieger-Alphabet gibt. «In diesem hat jeder Buchstabe einen speziellen Namen», erklärt Mettraux. A heisst zum Beispiel Alpha, C heisst Charlie, J heisst Juliette und W heisst Whisky. Bei einem Besuch im Kontrollturm hören die Kinder, wie sich diese Sprache anhört. «So kann es beim Sprechen über den Funk keine Missverständnisse geben», weiss ein Ferienpass-Teilnehmer.

Was tut der Fluglotse aber, wenn das Funkgerät nicht funktioniert? Markus Binggeli, Leiter Skyguide Grenchen, zeigt den Kindern eine Signal-Lampe. «Bei grünem Licht darf das Flugzeug landen. Bei Rot darf es nicht landen, und wenn die Lampe weiss leuchtet, muss der Pilot noch eine Runde drehen, bevor er zum Landeflug ansetzen kann.» Es sei nicht ungewöhnlich, dass die Platzrunde erweitert oder eine 360 Grad-Kurve zur Separation zwischen zwei Flugzeugen gedreht werden müsse. «Hier haben wir Schweiz weit den viert meisten Flugverkehr», nennt Mettraux den Grund.

Nachdem die Kinder vom Turm aus einige Flugzeuge landen und starten gesehen haben, werfen sie einen Blick in die Flugzeug-Werkstatt und die Hangars. Hier lernen sie, dass sich der Tank bei manchen Flugzeugen im Flügel und bei anderen unter dem Sitz befindet. Die Kinder sehen ein Flugzeug, welches Segelflugzeuge ziehen kann und dürfen sich in ein 35-jähriges Flugzeug setzen, welches bereits in Marokko war. «Es ist spannend, die Flugzeuge von Nahem zu sehen», sagt Liam. Er wohne in Grenchen und höre die Flugzeuge deshalb oft. «Nun wollte ich auch mal erklärt bekommen, wie alles funktioniert hier auf dem Flugplatz.»

Zum ersten Mal in der Luft

Am Nachmittag machen die Kinder zu zweit oder zu dritt mit den Piloten Mettraux und Stefan Wehrli einen Rundflug entlang dem Limpachtal bis nach Solothurn, um die Stadt herum und am Jura vorbei wieder zum Flugplatz zurück. Célina (11) und Sandro (10) sind noch nie geflogen. Sandro ist etwas aufgeregt. «Aber das wird ein Erlebnis», sagt er und steigt ins Flugzeug ein. Die Brüder Jan (12 Jahre) und Erich (11) überlegen beide, Pilot zu werden. Ob es ihnen gefällt, im Cockpit zu sitzen, können sie auf dem Rundflug in Erfahrung bringen.

Erich probiert aus, was er am Morgen über die Steuerung eines Flugzeugs gelernt hat. Er drückt den Hebel nach vorne und das Flugzeug macht einen Satz in die Tiefe. Sobald er das Steuer leicht zu sich hin zieht, hebt sich die Flugzeugnase empor. Dann wird das Flugzeug leicht geschüttelt. «Das ist die Thermik», erklärt der Pilot. «Über den Wolken wäre es ruhiger, aber da würden wir den Boden nicht mehr so gut sehen.» Das wollen die Kinder aber. Erich erkennt die Landi unter sich und die Aare. «Da hinten im Bauernhof neben der Kebag wohne ich», ruft er begeistert.