Fernwärme

Ein erneuter Anlauf für den Wärmeverbund?

Die Karte zeigt die errechnete Leistung, welche die Kebag laut Studie liefern soll, sowie die Transportleitung entlang der T5. zvg

Die Karte zeigt die errechnete Leistung, welche die Kebag laut Studie liefern soll, sowie die Transportleitung entlang der T5. zvg

Eine Studie sieht vor, die Gemeinden Bellach, Selzach, Bettlach und die Stadt Grenchen mit Fernwärme aus der Kebag Zuchwil zu versorgen. Die Initianten möchten nun den nächsten Schritt einer Machbarkeitsstufe durchführen.

An einer Pressekonferenz im Hotel Airport Grenchen orientierte Richard Kaufmann, Initiant und Vizepräsident des Verwaltungsrates der Kebag, gestern über eine Studie zu einem Fernwärmeverbund von Zuchwil bis Grenchen, bei dem die Gemeinden Bellach, Selzach, Bettlach und die Stadt Grenchen mit Fernwärme aus der Kebag Zuchwil versorgt würden.

Worum geht es: Die Regio Energie Solothurn erstellt zurzeit in Zusammenarbeit mit der Kebag Zuchwil, der Gemeinde Zuchwil und der Stadt Solothurn einen Fernwärmeverbund. Die Arbeiten sind schon weit vorangeschritten, in Kürze wird die Kantonsschule und das Bürgerspital ans Fernwärmenetz angeschlossen, wie Stefan Schluep von der Regio Energie erklärt. Man war schon in der Projektphase auf die Idee gekommen, die Leitung bis nach Grenchen weiter zu ziehen. Ein erster Ausschuss, bestehend aus den Initianten, den Gemeindepräsidenten der betroffenen Gemeinden und Fachleuten, beschloss, den ersten Teil einer Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Letzten Sommer konnte das Ergebnis mit ersten Kosteneinschätzungen präsentiert werden.

20 bis 25 Millionen investieren

Bestechend an der Idee: Mit der ständig anfallenden Energie, die die Kebag übers Jahr durch die Abfallverbrennung liefert, könnte knapp 90 Prozent der benötigten Heizenergie geliefert werden. Wollte man die gleiche Heizleistung mit Erdgas erbringen, würde das einen CO-Ausstoss von 7000 Tonnen pro Jahr bedeuten. Nur für rund 750 Stunden pro Jahr in der kältesten Zeit müsste eine Spitzenlastzentrale mit Gas oder Öl erstellt werden. Die gesamten Investitionskosten würden laut Karl-Heinz Schädle von Gruneko Basel in etwa 20 bis 25 Mio. Franken betragen. Die Kebag werde bis 2020 ausbauen, die Leistung sei aber jetzt schon genügend, erklärte Markus Juchli, Direktor der Kebag.

Für ein Projekt solcher Dimension braucht es die Unterstützung der politischen Behörden, wie Kaufmann betonte. Bauarbeiten, Bewilligungen, die ganze Umsetzung müssten koordiniert ablaufen, und darum müssten alle Beteiligten von Anfang an ihre Bereitschaft finanziell signalisieren.

Behörden lehnen Projekt ab

Der Gemeinderat Bettlach und die Gemeinderatskommission Grenchen lehnten eine Beteiligung für den zweiten Schritt der Studie, in dem es um Bedarfsermittlung, Kontakt mit möglichen Schlüsselkunden und Abnehmern und eine genauere Kostenrechnung geht, letztes Jahr ab. Nun wollen die Initianten einen neuen Anlauf nehmen, um die infrage kommenden Behörden ins Boot zu holen. Jede der Gemeinden hatten ihre eigenen Gründe, das Projekt nicht weiter zu verfolgen: In Bettlach fehlen Firmen, grössere Blockquartiere oder öffentliche Gebäude, wie Gemeindepräsident Hans Kübli auf Anfrage erklärte. Ausserdem sei die Frage der Feinverteilung nicht geklärt. In Grenchen war man nach Prüfung der Eckdaten der Meinung, das Ganze rechne sich nicht, die Distanz sei zu gross und die Investitionskosten zu hoch, erklärten Stadtpräsident Boris Banga und Per Just, Geschäftsführer der SWG, welche eine Beteiligung ebenfalls ausschloss.

Kaufmann bedauerte das sehr und erinnerte daran, dass sich Grenchen «Energiestadt» nennt, seiner Meinung nach aber zu wenig oder das Falsche dafür tue. Er stellte eine dringende Motion an der nächsten Gemeindeversammlung in Aussicht, damit man sich nochmals mit der Sache befasse.

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