Grenchen
Ein echtes Holzerbänkli inmitten der Stille des Waldes

Merken
Drucken
Teilen
Dieses Bänkli steht ein paar hundert Meter unterhalb des Stierenbergs an der alten Bergstrasse.

Dieses Bänkli steht ein paar hundert Meter unterhalb des Stierenbergs an der alten Bergstrasse.

Oliver Menge

Donnerstag, 11 Uhr vormittags. Neben einer Weggabelung, da wo die alte Bergstrasse die letzte scharfe Linkskurve macht, bevor sie den Wald verlässt, steht etwas erhöht besagtes Bänkli. Es ist nicht angeschrieben, einfach gestaltet. Ein halbierter Baumstamm bildet die Sitzbank, ein einzelnes Brett die Lehne. Das Ganze ruht auf zwei zurechtgeschnittenen Rundhölzern. Dahinter steht ein Wegweiser, der ausser den verschiedenen Destinationen auch verrät, dass wir uns auf 1019 Meter über Meer befinden.

Aussicht kann man hier keine geniessen, der Blick fällt nur auf die Weggabelung vor dem Bänkli, wo eine Waldstrasse in Richtung Osten abzweigt und ein schmaler Wanderweg, vielmehr ein Fusspfad, nach unten führt. Die Abzweigung ist so gestaltet, dass man sowohl von unten herkommend als auch vom Berg herkommend in die wegführende Strasse einbiegen kann. Der Wegweiser hinter dem Bänkli sagt uns auch, dass die abzweigende Strasse wohl das «Alte Weglein» sein muss. Hier geht es zur Schmelzi und nach Grenchen Süd. Nach unten gehts zum grossen Ober, zur Holzerhütte und nach Grenchen Nord.

Die zwei Abzweigungen bilden zusammen mit der alten Bergstrasse ein Dreieck, in dem hohe Gräser wuchern. Einsam steht ein Wegweiser mit einem Trottinett darauf inmitten der wilden Pflanzen, der signalisiert, dass man eben nicht die abzweigende Strasse nehmen soll, sondern die Kurve nehmen muss, wenn man mit den Trottis herunterrauscht.

Im Juli, als die «normale» Bergstrasse noch gesperrt war, fuhren hier täglich eine Menge Fahrzeuge hoch und runter. Heute ist fast niemand unterwegs. Zwei Mountainbiker kommen vom Berg her und konzentrieren sich darauf, die Kurve zu kriegen. Ein Flugzeug brummt in Richtung Schwarzbubenland, aus der Ferne ist der Betrieb auf dem Flughafen zu hören.

Insekten schwirren umher, die Blätter in den Bäumen rauschen. Im Licht der Sonnenstrahlen tanzen Mückenschwärme, man hört Vogelgezwitscher und Rascheln im Unterholz: Irgendein kleines Nagetier ist wohl auf Beutesuche. Ein Kuckuck ruft nur zwei Mal. Ist das jetzt ein schlechtes Omen? Doch: Hier kann man die Seele baumeln lassen. (om)