Amtsgericht Solothurn-Lebern
Ein düsteres Bild des Angeklagten vor dem Amtsgericht

«Ich habe zugestochen, aber nicht mit Tötungsabsicht», sagte der 23-jährige Saban B.* vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern, wo gestern Montag die Messerstecherei verhandelt wurde, die am 3. April 2011 in Grenchen mit dem Tod eines Türstehers endete.

Hans Peter Schläfli
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Ein Polizist führt Saban B. aus dem Amtsgericht.

Ein Polizist führt Saban B. aus dem Amtsgericht.

Tele M1

«Er war viel grösser als ich, ich hatte Angst vor ihm. Aber ich wollte nicht, dass er stirbt», erklärte der Kosovare, weshalb er beim Luxory Club mit seinem Stellmesser siebenmal auf einen 22-jährigen Deutschen einstach, sodass dieser noch am Tatort verblutete.

Mit seinem Geständnis versucht Saban B. offensichtlich, ein verhältnismässig mildes Urteil zu bekommen. Denn in der Anklageschrift steht, dass er «mindestens siebenmal vorsätzlich und mit Tötungsabsicht auf den Rumpf des Geschädigten eingestochen» hat.

Angeklagt ist Saban B. also der vorsätzlichen Tötung, und dafür droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu 20 Jahren. Wird er «nur» wegen der eingestandenen eventualvorsätzlichen Tötung verurteilt, also dafür, dass er mit den Messerstichen den Tod seines Opfers in Kauf genommen, aber nicht wirklich gewollt hatte, dann darf er mit einem Urteil deutlich unter 10 Jahren rechnen.

Einschlägige Vorstrafen

Insgesamt lieferte Saban B. ein düsteres Bild von sich selbst ab. Er ist einschlägig vorbestraft, und nur zwei Wochen nach seiner letzten Haftentlassung verletzte er einen Mann beim Bancomaten in der Grenchner Passage ernsthaft.

Nur nochmals sechs Wochen dauerte es bis zur Bluttat im Luxory Club. Diese versuchte er mit exzessivem Drogenkonsum zu erklären. Alkohol, Kokain, Ecstasy, Marihuana, Speed.

Alles habe er durcheinander konsumiert. Er habe gerade 500 Franken Sozialhilfe ausbezahlt bekommen und diese in der Tatnacht mit Kokain, Whiskey und anderen Drogen verprasst. «Ich war nicht mehr ich selber.

Deshalb kann ich mich auch nicht wirklich an die Tat erinnern, aber ich leide seither konstant unter Albträumen», sagte er. «Waren also Alkohol und Drogen schuld?», hakte Gerichtspräsident Rolf von Felten nach. Da krebste Saban B. zurück: «Nicht nur. Ich war es, der das Messer mitnahm und es in der Hand führte.»

Rache einer kosovarischen Meute

Zur Eskalation kam es im Luxory Club, weil sich Kadri R.* beim Drogenhandel erwischen liess. Die Sicherheitsangestellten des Nachtklubs sperrten den Dealer ins Getränkelager ein und riefen die Polizei.

Aber Saban B. und seine kosovarischen Freunde scharten sich zusammen und wollten Kadri R. befreien. «Diese Leute haben sich organisiert und wollten die Türe zur Küche aufbrechen», sagte der Geschäftsführer des Luxory Clubs. «Plötzlich waren es mehr als 20.»

Mehrere Zeugen gaben an, bereits in dieser Phase von Saban B. mit dem Stellmesser bedroht worden zu sein. «Sie versuchten, alle Türen aufzubrechen und wurden immer wütender», fuhr der Geschäftsführer fort.

Da habe er seinen Neffen geschickt, um die Tür zu öffnen. «Aber das beruhigte die Meute nicht. Da wurden Gläser, Besteck und Steine geworfen. Wir mussten flüchten.»

Übrig blieb da nur noch der Türsteher, der den Drogendealer im Getränkedepot bewacht hatte. Die Meute rächte sich und verprügelte den Sicherheitsangestellten, der sogar eine Flasche über den Kopf geschlagen erhielt.

Fünf weitere Personen – vier davon mit kosovarischen Namen – werden sich für diese Angriffe in einem anderen Verfahren verantworten müssen.

Zum traurigen Schluss wurde das Opfer von Saban B. mit zwei Messerstichen in den Bauch, zwei in die Brust, einen in die Seite und zwei in den Rücken ums Leben gebracht.

Obwohl mehrere der angehörten Zeugen vor Gericht die Aussagen abschwächten, die sie noch kurz nach der Tat bei der Polizei gemacht hatten, entstand im Laufe der Verhandlung immer mehr das Bild eines Lynchmordes wie einst im Wilden Westen.

Wurden Zeugen eingeschüchtert?

Oder macht in Grenchen gar eine Kosovarenmafia Druck? Dass fast alle Zeugen nur zaghaft und abgeschwächt reden wollten, lässt den Eindruck aufkommen, dass diese eingeschüchtert sein könnten. Zudem wirft die Staatsanwaltschaft Saban B. noch 14 weitere Straftaten vor.

Auch die Komplizen dieser Delikte haben mit einer einzigen Ausnahme kosovarische Namen, einer ist sogar sein Cousin. Es geht dabei unter anderem um bandenmässigen Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruch, Hehlerei, Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Waffengesetz.

Die Verhandlung geht heute Dienstag weiter mit Befragungen von weiteren Zeugen und Auskunftspersonen. Das Amtsgericht eröffnet das Urteil am 7. Dezember.

*Namen von der Redaktion geändert.